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Chevrolet Trax: Mein Partner mit der großen Schnauze

Der Mokka, Opels Mini-SUV, muss sich einem neuen Konkurrenten stellen. Ausgerechnet aus dem eigenen Konzern kommt er. Kann der Trax von Chevrolet tatsächlich mit dem Bestseller aus Rüsselsheim mithalten?

Von vorne wirkt der Chevrolet Trax fast wie ein großer SUV. Quelle: Sebastian Schaal
Von vorne wirkt der Chevrolet Trax fast wie ein großer SUV. Quelle: Sebastian Schaal

DüsseldorfViele Superhelden haben ihn, den bösen Zwilling. Superman hat Bizarro, Spiderman hat Venom und der Opel Mokka, Held aktueller Zulassungsstatistiken, hat nun den Chevrolet Trax. Seit Anfang des Jahres ist das kompakte SUV im gleichen, bei den Käufern sehr beliebten Fahrzeugsegment wie der Mokka unterwegs. Fast könnte man meinen GM stünde für "Gemeine Mutter", nicht für General Motors. Denn das Tückische am "bösen Zwilling" aus Amerika: er ist in der Basisvariante mit einem Einstiegspreis von 16.990 Euro rund 2.000 Euro günstiger als der Opel.

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Fahrtenbuch

  • Erster Eintrag

    Manchmal muss man seinen Vorurteilen offensiv begegnen: Bisher sind Mini-SUVs für mich ein überflüssiger automobiler Trend, gebaut für Menschen, die auch Jack-Wolfskin-Jacken tragen oder Nordic Walking betreiben. Kurz: Nix für mich.

  • Zweiter Eintrag

    Vierrad-Antrieb? Und das in der Großstadt? Wer braucht denn sowas? Seine Stärken kann der Chevrolet Trax maximal beim Anfahren im Parkhaus ausspielen.

  • Dritter Eintrag

    Wir werden langsam warm miteinander. Zum einen, weil ich dank der hohen Sitzposition im Trax auch im Großstadtverkehr die Übersicht behalte. Zum anderen weil das Entertainment-System wirklich ausgeklügelt ist.

  • Vierter Eintrag

    In der Nacht fällt ein Detail störend auf. Die grüne LED des Eco-Schalters rechts neben dem Schalthebel ist bei Dunkelheit so hell, dass sie selbst im Augenwinkel stört.

Öffentlich wird General Motors zwar nicht müde zu betonen, dass Trax und Mokka sich keine Konkurrenz machen. Der Trax solle eher preisbewusste Kunden ansprechen, der Mokka mehr qualitätsbewusste, heißt es auf Anfrage. Eine interessante Theorie, denn technisch sind die beiden weitgehend baugleich.

Bagde engineering lautet der entsprechende Fachbegriff dafür, der etwas abfällig bezeichnet, wenn vermeintliche Ingenieurleistung sich auf das Anbringen eines neuen Markenlogos beschränkt. Die Absicht dahinter ist klar: Wird ein gleiches oder ähnliches Produkt unter verschiedenen Markennamen angeboten, so können die Einzelmarken mit geringem Kostenaufwand ihre Produktpalette ausweiten.

Damit das nicht direkt auffällt hat Chevrolet noch mal Hand angelegt, um wenigstens optisch einen Unterschied sichtbar zu machen. Im Gegensatz zum Mokka hat der Trax einen wuchtigen Kühlergrill, die Scheinwerfer wurden etwas eckiger gestaltet und für die Motorhaube wurde auf feine Linien wie beim Mokka verzichtet. Das durchaus erstaunliche Ergebnis: Nur von vorne betrachtet könnte man den kleinen Trax fast mit einem typischen großen Chevy verwechseln.

Chevrolet Trax in Bildern Fast wie ein Großer

  • Chevrolet Trax in Bildern: Fast wie ein Großer
  • Chevrolet Trax in Bildern: Fast wie ein Großer
  • Chevrolet Trax in Bildern: Fast wie ein Großer
  • Chevrolet Trax in Bildern: Fast wie ein Großer

Unter der wuchtigen Schnauze ist der Trax vom Mokka nicht zu unterscheiden. Die Motorisierung gleicht dem Konzernzwilling, neben dem getesteten 1,6-Liter-Benziner mit 85 kW (115 PS), kann auch der neue 1,4-Liter-Turbo mit 103 kW (140 PS) bestellt werden. Die einzig verfügbare Diesel-Variante ist ein 1,7-Liter-Motor mit 96 kW (130 PS). Der Verbrauch im Test hält sich bei dem Fronttriebler mit 6,2 Litern auf 100 Kilometern in Grenzen.

  • 19.09.2013, 23:13 Uhranonym

    @Hansjörg,
    danke für diese gute und knappe Einordnung.
    Als kleine Ergänzung: weshalb sollte sich ein "kleiner" Chevy eigentlich wie ein Amischlitten fahren? Seit der Übernahme von Daewoo Motors im Jahre 2002 hat GM sehr konsequent kleine Fahrzeuge der Marke Chevrolet in Korea produziert und sogar entwickelt.

    Übrigens hat sich die Investition in Daewoo doch sehr gelohnt. Konnte GM dadurch doch eine sehr starke Position in China etablieren und im Gegensatz zur finanziellen Massenvernichtungsmarke Saab sehr bald einen positiven Deckungsbeitrag liefern...

  • 13.09.2013, 16:57 UhrHansjoerg

    Sehr geehrter Herr Schaal, wann fangen Journalisten in Deutschland, als den Sie sich ja ausgeben, wieder damit an Fakten zu schreiben anstelle solchen Blödsinn über die "gemeine Mutter". Es ist ganz einfach. Chevrolet hat niergends Hand angelegt, der Trax ist das Original und auf seiner Basis wurde der Mokka dann umgestaltet. Weil aber Opel in der Hirachie der GM Marken über Chevrolet steht, durfte Opel ihn auch zuerst auf den Mark bringen. Und der Preisunterschied ist ganz einfach zu erklären. Den Trax bekommt man fix fertig 4 versch. Ausstattungslinien...es gibt keine Optionen oder Extras ..sowie der C&A des Autohandels. Den Opel können Sie individuell konfigurieren und Features bestellen (Xenon, Kurvenlich, versch. Lederfarben, Spurhalteassistent etc.etc) die Chevrolet nicht mal im Programm hat. Das bedeutet aber auch mehr Zulieferer, kleinere Stückzahlen der einzelnen Komponenten und höhere Logistik- und Produktionskosten......das hat seinen Preis. Also, wer den Maßanzug will, muss daher natürlich auch etwas mehr bezahlen. Wer das nicht braucht, findet bei Chevrolet die Stangenware zum guten Preis- Lestungsverhältnis. So ist da übrigens bei allen vergleichbaren Produkten...Opel Antara zum Captiva, Astra zum Cruze Cruze, Corsa zum Aveo.
    Opel ist Mittelklasse-bis Premiumsegment positioniert und Chevrolet ist eine breite Volksmarke.
    Ich hoffe ich konnte der Aufklärung dienlich sein.
    Gruss Hansjörg

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