Dacia Sandero im Handelsblatt Autotest: Preiswert oder billig?

Dacia Sandero im Handelsblatt Autotest
Preiswert oder billig?

Günstiger geht nicht: Kein Neuwagen auf dem deutschen Markt kostet so wenig wie der Dacia Sandero. Aber was taugt das Auto? Zahlt es sich aus oder zahlt man an anderer Stelle drauf? Wir machen den Test.
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DüsseldorfIch bin noch keinen Meter gefahren, schon werde ich angesprochen. „Wie ist der?“, fragt eine ältere Dame. „Der“ ist ein Auto, genauer gesagt ein Dacia Sandero. Es ist nicht besonders schön, es ist nicht schnell, der Grund, warum sich viele für das Auto aus Rumänien interessieren, ist ein anderer. „Deswegen“, sagt die Dame und macht eine Geste, bei der sie Daumen und Zeigefinger aneinander reibt.

Der Dacia Sandero ist der billigste Neuwagen, den es in Deutschland zu kaufen gibt. 6.990 Euro – für ein komplettes fahrtüchtiges Auto. So viel kann man bei einem Oberklasse-Fahrzeug allein für die Sonderausstattung ausgeben.

Von außen betrachtet sieht der Sandero wie ein unscheinbarer Kleinwagen aus, und das ist schon mal positiv, er wirkt nicht billig. Aber wie fühlt er sich an?

Der erste Eindruck überrascht. Der Innenraum wirkt aufgeräumt, ordentlich verarbeitet, wenn auch mit viel Plastik. Zumindest die Fenster vorne lassen sich elektrisch bedienen. Knöpfchen für die Fensterheber sind an der Mittelkonsole untergebracht. Ich hätte gedacht, dass ich hier noch selbst kurbeln muss.

Der Motor startet mit einem lauten „Rumms“, der ganze Wagen vibriert. Dacia hat uns als Testwagen den Sandero Lauréate mit 90-PS-Turbodiesel zur Verfügung gestellt. Der kostet dann schon etwas mehr als die Basisversion (ab 11.890 Euro).

Im Stadtverkehr kommt der Wagen erstaunlich flott voran, nur im unteren Drehzahlbereich fehlt etwas die Kraft. Für den Alltag reicht sowohl die Beschleunigung (von auf 100 km/h in 12,2 Sekunden) als auch die Höchstgeschwindigkeit (173 km/h) aus. Bei höheren Geschwindigkeiten nehmen die Fahrgeräusche deutlich hörbar zu, was schnell dazu auffordert, wieder auf die rechte Spur zu wechseln.


Jedes Auto beeinflusst die Fahrweise seines Fahrers, vielleicht sogar mehr als umgekehrt. Manches Auto lockt zum Rasen, andere zum Cruisen. Der Dacia Sandero erzieht zur Vernunft. Nicht zu viel Gas geben, immer früh schalten, ausrollen lassen. Vielleicht liegt es daran, dass man immer im Hinterkopf hat, wie günstig das Auto ist. Das klingt paradox. Je günstiger der Anschaffungspreis, desto großzügiger könnte man mit dem Gaspedal umgehen. Aber das Gegenteil ist der Fall. Den Dacia kann man nur mit Zurückhaltung fahren. Auf die Idee, mit dem Sandero ein Ampelrennen anzuzetteln, dürfte sowieso niemand kommen.
Den Verbrauch gibt Dacia mit 3,8 Liter auf 100 Kilometer an. Im Praxistest war es mehr als ein Liter mehr. Das ist für einen Kleinwagen akzeptabel, nicht spitze.

Kommentare zu " Dacia Sandero im Handelsblatt Autotest: Preiswert oder billig?"

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  • Die Recherche - der Weg zur Information

    Recherche bedeutet, Themen zu finden und vorliegende Informationen zu überprüfen und zu ergänzen.Der Sandero hat im NCAP-Crashtest nur drei von fünf Sternen erhalten.
    http://www.autobild.de/artikel/euro-ncap-crashtest-mai-2013-4225728.html

  • In absoluten Zahlen betrachtet führt dieser Wertvernichter die absolute Spitze in Werterhaltung an, wenn man einen Zeitraum im einstelligen Jahresbereich zugrunde legt!

    Von mir ein XXXL-Sternchen dafür!

    Ich find' däs Super! Ein echtes KISS Konzept!

    Der Preis ist mir noch ein wenig hoch für ein Auto. Denn auch ein Verkaufspreis von 5000 ist durchaus machbar, wenn man weniger Material um das Nichts rum baut... Also bleibt es für mich noch bei Gebrauchten wie gehabt.

  • So toll ist es "vernünftig" zu sein:

    mal eben bei www.autohaus.24 geschaut:

    Der Dacia Sandero ist da in Basisversion statt 5.990,-€ für 7490,-€ zu haben, na toll!

    Bei einem VW Polo bekommt man dagegen bis zu über 30% Rabatt, freilich ist der Basispreis mit 10.394,-€ (UVP 12.400,-€) auch deutlich höher.

    Um 12.000,-€ wird es aber für den Sandero schon etwas enger, denn der scheinbare Preisvorteil ist weitgehend aufgebraucht, auch wenn die VW-Preislise bezüglich Serie/ Sonderausstattung immer für böse Überraschungen gut ist.

    Aber auch andere Wettbewerber haben ja schöne Töchter und am Markt gibt es Rabatte, nur bei Dacia sind diese offenbar negativ.

    Autokauf ist eben in erster Linie eine emotionale Sache, gerade auch für Sparbrötchen;)

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