Ducati 1200 Multistrada S Touring
Der Elefant, der tanzen kann

Großenduros sind die SUVs der Motorradbranche: Keine echten Offroader, groß, schwer, teuer, – und echte Verkaufs-Hits. Platzhirsch BMW fahren alle hinterher. Ducati greift nun mit viel PS und modernstem Fahrwerk an.
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DüsseldorfGroßenduros, die zu schwer fürs Gelände sind, Reisebikes mit weit ausladenden Packtaschen und hohen Windschildern, - als passionierter Superbike- und Oldtimer-Fahrer habe ich mit diesen Exemplaren meine Probleme, stelle aber gerne eigene Vorurteile auf den Prüfstand. Diesmal mit einer wirklich großen Ducati. Vielleicht ist es ja an der Zeit, von der 1.000er Fireblade abzusteigen? An dem seit Jahren andauernden Boom der Riesen-Bikes a la BMW GS 1200 muss doch was dran sein, oder?

Doch schon nach einer Stunde und rund 90 Kilometern habe ich erst mal die Nase voll. Der Hintern schmerzt, der rechte Arm kribbelt und der Kopf dröhnt. Dabei hatte ich mich so gefreut auf meine 1.200er Testmaschine, eine Multistrada Touring in der S-Version. Doch der erste Ausritt auf der Italienerin fordert Tribut: An die hohe und aufrechte Sitzposition muss man sich erst mal gewöhnen.

Von der Ducati-Zentrale in Köln-Rodenkirchen aus geht’s über die Autobahn Richtung Köln und Bergisches Land. Eigentlich das bevorzugte Revier eines Motorrades, dass die Beinamen Multistrada und Touring trägt. Aber schon nach zehn Minuten wird mir schmerzhaft klar, dass diese komische Mischung aus Höcker und Mulde unter mir einfach nicht die richtige Passform für mein sensibles Popometer hat.

Und wenn es erst mal am Gesäß spannt, fängt man an herumzurutschen, sucht neue Positionen. Ein sehr breiter und sehr hoher Tourenlenker, und ein manuell auch während der Fahrt stufenlos verstellbares Windschild sollten das ermöglichen. Doch weniger verkrampft wird das Ganze nicht, eher schlimmer.

Mit dem klapprigen Windschild finde ich einfach keine Stellung, die verhindert, dass der verwirbelte Fahrtwind den Helm kräftig beunruhigt. Das Visier pfeift, der Kopfschutz dröhnt und vibriert, und das bereits unter Tempo 130. Wirklich komisch, denn auf der Hinfahrt auf meiner Honda war er bis 275 km/h so ruhig wie immer. Aber da habe ich auch flach auf dem Tank gelegen und nicht aufrecht sitzend dem heranbrausenden Orkan getrotzt.

Vollgestopft mit neuester Elektronik

Was Abhilfe schafft: Komplett hinters Windschild abtauchen. So wird's erträglich in puncto Gegenwind und die Duc rennt 230 km/h. Gute Haltungsnoten gibts dafür nicht. Von der Seite betrachtet sehe ich nun wahrscheinlich aus, wie die schnellste Schildkröte auf der A4.

Ich steure den mattgrauen Fünf-Zentner-Elefanten runter von der Autobahn. Auf der Landstraße lassen sich Sitzhaltung und Tempo besser variieren, außerdem kann ich hier die vier verschiedenen Fahrmodi ausprobieren, die die Multistrada per Knopfdruck und sogar während der Fahrt abrufbar parat hält. Und die noch dazu über Dutzende von Einstellmöglichkeiten höchst individuell angepasst werden können.

DTC, ABS, PS-Zahl, Dämpfer, Lenkung, Zündung, Ansprechverhalten: Entscheidende Parameter das Fahrvergnügens hat der Ducati-Pilot also selbst in der Hand, dafür haben die Entwickler das 2012 komplett überarbeitete Bike vollgestopft mit neuester Elektronik. Das verführt natürlich zum herumspielen und experimentieren. Dafür halte ich aber lieber an, denn das Display ist klein und die anzusteuernden Untermenüs sind zahlreich, das ist mir während der Fahrt doch zu gefährlich.

Lohn der Mühe: Auf der Landstraße und individuell eingestellt zeigt das Triebwerk, wie weit Ducati diesen phantastischen V2 mittlerweile entwickelt hat. Natürlich ist das kein sanfter Reihenvierzylinder aus Japan, aber gerade das typische angedeutete Rumpeln, Poltern und Stampfen machen ja den Großteil des mit mindestens 18.800 Euro bezahlten und durchaus sinnlichen Vergnügens aus.

Der 1.198 ccm große Twin geht robust und kräftig zur Sache, aber erst ab 7.500 Umdrehungen liegen volle 124 Newtonmeter an, die 150 maximalen Pferdestärken erst bei 9.250 u/min. Wirklich beeindruckend aber ist die Breite des mit sattem Drehmoment nutzbaren Drehzahlbandes ab rund 3.000 U/min, bevor es oben raus ab 8.000 Touren dann ungemütlich wird.

Das größte Wohlfühlmoment auf der Multistrada stellt sich, wie so oft beim Motorradfahren, in der goldenen Mitte ein. Im Bereich zwischen 4.000 und 7.000 Touren feiert diese Maschine ein Fest, bei dem der Fahrer seinen Spaß hat.

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Zwei von vier Fahrprogrammen überzeugen

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