Elektroauto Nissan Leaf

Tester unter Strom

Für einen Berufspendler kann der reine Elektrowagen Nissan Leaf eine echte Alternative sein. Heißt es. Aber wehe Sie suchen abseits gewohnter Versorgungswege nach Power! So wurde der Tester zum Strom-Junkie.
14 Kommentare
Mit dem Nissan Leaf ist man ständig auf der Suche nach der nächsten Dosis Strom - hier in der Handelsblatt-Tiefgarage. Quelle: Sebastian Schaal

Mit dem Nissan Leaf ist man ständig auf der Suche nach der nächsten Dosis Strom - hier in der Handelsblatt-Tiefgarage.

(Foto: Sebastian Schaal)

DüsseldorfEs kann gut sein, dass ich schon einmal einen Nissan gefahren bin, vor Jahren mal als Mietwagen. Es muss ein unscheinbares Auto gewesen sein, denn richtig erinnern kann ich mich nicht. Doch dieser blau glänzende Nissan Leaf, den ich zwei Wochen für Handelsblatt Online getestet habe, hat sich für immer in mein Gedächtnis gebrannt.

Das liegt weniger daran, dass ich den Wagen hässlich finde mit seinen weit ausladenden Radkästen, den Scheinwerfen mit aufgesetzter Flosse und der mittelblauen Metallic-Lackierung sowie dem öden, beige-farbenen Innenraum. Es liegt daran, dass mir dieser Wagen das Gefühl gegeben hat, ein Junkie zu sein. Ein Junkie, immer auf der Suche nach dem nächsten Schuss. Nur heißt meine Droge nicht Heroin, sondern Strom.

Strom aus Autoladestationen, Strom aus der Steckdose von Mama, Strom aus der eigenen Garage. Der Test eines Elektroautos ist schließlich auch ein Test des Status Quo der viel gepriesenen Elektromobilität. Und ich habe mich in den 14 Tagen mächtig ins Zeug gelegt, die Droge Strom zu finden.

Zu Beginn des Tests bringe ich eine gute Freundin zum Flughafen Düsseldorf: Die perfekte Gelegenheit, das Prinzip einer Ladestation zu testen, denke ich. Während wir zum Check-in schlendern, könnte der Wagen zumindest eine halbe Stunde frischen Strom ziehen. Und damit könnte ich die Reichweite wieder zurück gewinnen, die ich auf der Fahrt von der Innenstadt dorthin verbraucht habe.

Mit bis zu 175 Kilometern gibt Nissan die Reichweite des rein elektrisch betriebenen Leaf an. Ist der Strom weg, gibt es kein Backup. Ist die Batterie einmal richtig leer, empfiehlt das Handbuch sogar, Unterlegkeile unter die Räder zu legen. Denn die Feststellbremse funktioniert elektrisch. Ein paar Kilowattstunden Strom am Flughafen würden meine Nerven also mächtig beruhigen.



Ich bin bereit, mich dafür vorzubereiten. Ein Elektroauto ist schließlich was für Technik-Begeisterte. Ein Käufer des Autos würde also sicher mit ein wenig Internetrecherche, Herunterladen einer App und Tüftelei mit dem Navigationsgerät den Zugang zum Fahrzeug suchen, denke ich.

Ladenetz.de, e-tankstellen-finder.com und rwe-mobility.de sind einige Webseiten, auf denen man nach Ladesäulen suchen kann. Dort gibt es keinen Treffer für den Flughafen. Die App für den Nissan Leaf finde ich schnell, doch die Installation wird verweigert, weil sich mein Android-Telefon nicht in den USA befinde. Eine deutsche Leaf-App gibt es nur für Apple-Geräte. Die Suche am Navigationsgerät ergibt ebenfalls keinen Treffer bei der Suche nach einer Ladestation am Terminal.

Aber ich gebe so leicht nicht auf, schließlich bin ich ein Junkie. Ich rufe beim Flughafen an: Und siehe da, zwei Säulen soll es geben in Parkhaus 7.

Den Koffer wuchte ich in den Kofferraum. Zwei Schalen sind dort tief in den Boden eingelassen, in die das Gepäckstück nicht passt. Also die Deckel der Schalen wieder geschlossen, den Koffer oben drauf gelegt und die Hutablage geht schon nicht mehr in ihre Ausgangsposition zurück. Ziemlich klein der Stauraum für ein Auto mit 4,45 Meter Länge.

Am Flughafen finden sich aber schließlich keine Wegweiser zu Parkhaus 7, die Navi hilft auch nicht weiter. Ein erster Rückschlag. Doch Panik macht sich nicht breit, da ich satt genug Energie an Bord habe, um bis in die Handelsblatt-Tiefgarage zu fahren und dort an einer stinknormalen Steckdose das Auto aufzuladen. Der Arbeitgeber zahlt die Dosis. Eine Ladung von null auf hundert kann da aber schon mal 12 Stunden und mehr dauern.

Schnell fahren ist kein Problem
Seite 1234Alles auf einer Seite anzeigen

14 Kommentare zu "Elektroauto Nissan Leaf: Tester unter Strom "

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Hallo, der Elektromotor ist bei der Leistungskurve im Vorteil gegenüber einem Verbrennungsmotor. Er beginnt ab dem Stand bereits mit einem maximalen Drehmoment, erreicht also früher als ein Verbrennungsmotor seine maximale Leistung und hält diese dann konstant. Wie man ja weis errechnet sich die Momentanleistung eines Motors aus dem Produkt von Drehmoment und Drehzahl.Höhere Drehzahlen schaden nicht, die Motoren erreichen trotzdem noch soviele Betriebsstunden dass enorm hohe Laufleistungen der Autos möglich sind. Elektromotoren besitzen zudem viel weniger Verschleißteile.

  • Die einzig sinnvolle, weil erste und älteste, Stromtankstellenliste ist www.lemnet.org.
    Alle anderen haben hier nur mehr oder weniger legal und vollständig abgeschrieben.
    Sehr verbreitet ist inzwischen auch die nichtöffentliche "Drehstromliste".

    Zur offenen Frage: Das Landgericht Stuttgart hat bereits Ende der 90er im Fall einer zu schnellen Elektro-A-Klasse entschieden, dass Schilder wie "wegen Lärmschutz" quasi nur unverbindliche Dekoration sind und der Fahrer mußte zahlen.

  • Es ist echt erschreckend welche Vorurteile es immer noch gegen Elektroautos gibt. Ich fahre jetzt seit einigen Monaten einen Chevy Volt. Der hat natürlich nicht das Problem der begrenzten elektrischen Recihweite, aber wenn ich mir mein Fahrprofil so ansehen, würde ich mit einem Leaf auch meistens hinkommen.

    Das einzige (!!!!!!!) Problem bei Elektroautos ist der Preis. Sonst NICHTS!

    Hört auf mit Reichweite, hört auf mit Laden, hört auf mit Drehzahl (crazy), hört auf mit Strommix (ist immer noch besser als für immer und ewig Benzin zu verbrennen), hört auf mit "sind keine echten Autos". Das ist ALLES QUATSCH.

    Was stimmt ist: "Ist zu teuer, kann ich mir nicht leisten!".

    Ciaoo

    www.voltolero.de

  • Der Leaf amortisiert sich also in knapp zehn Jahren? Aha. Is ja toll. Wie lange wird noch mal ein Wagen nach dem kauf in Deutschland durchschnittlich gefahren? Aber das ist jetzt sicher wieder nur mein Hang zum Nörgeln.

    Letzte Woche war es übrigens ziemlich heiß. Mal ne Frage: Wie ist doch gleich die Reichweite des Leafs, wenn man die Klimaanlage einschaltet?

    Und gleich noch ne Frage: Wieviel Meter fährt der Leaf eigentlich im Winter - mit elektrischer Heizung?

    Aber kein Problem. Sie dürfen ihren Leaf gerne behalten. Mich interessiert es auch nicht, was für ein Auto sie fahren oder nicht fahren, solange sie es selbst bezahlen und nciht andere dafür zahlen lassen.

  • Wenn der Nissan nur einen Gang hat, wie hoch dreht der Elektromotor bei 145 KM/h ? Macht es dem Elektromotor etwas aus, so hoch zu drehen ? Wie sieht denn das Leistungsdiagramm eines Elektromotors aus (KW (Verlauf der Kurve wie beim Benziner ?) und NM (Drehmoment-Kurve)?

    Ein Autofan

  • Hallo,
    ich fahre den Leaf seit 5 Wochen und bin damit schon über 1200 Km gefahren. ICH GEBE DAS AUTO NICHT MEHR HER! Doch überall in Kommentaren liest man immer die Gleichen alten Vorurteile, welche auf Halbwissen beruhen. Der Leaf ist an einer Schnellladestation in 20 Minuten auf 80% geladen. Ich habe bisher immer zuhause geladen. Als ich im Automuseum in Sinsheim war, habe ich während des Besuchs des Museums das Auto aufgeladen. Ansonsten lade ich es zuhause in 5 Stunden voll. 80% aller Deuschten fahren am Tag nicht mehr als 80 Km - der Leaf schafft (wenn man sparsam fährt) 160 Km. Das Auto amortisiert sich in 9,5 Jahren bei 10.000 Km Laufleistung. Steigende Benzinpreise? Die Jucken mich kaum noch. Ach ja, die Nörgler melden sich jetzt wieder "Der Strom wird ja auch teurer": Stimmt, aber wenn der Strom 10% teurer wird sind das 0,25 Euro mehr auf 100 Km - beim Verbrenner macht eine 10% Erhöhung 1-2 Euro aus.

  • an IRR:

    Also mal ehrlich. Warum wird eigentlich der Test EINES einzelnen E-Autos gleich auf alle E-Autos projeziert? Das ist ja wie wenn man einen Dacia testet und behauptet, alle Autos haben den Sicherheitsstandard von vor 15 Jahren. Diese Meinungsbildung kenne ich eigentlich nur aus dem Kindergarten.

    Tatsache ist doch, der Nissan Leaf ist erst das zweite in Groß-Serie gebaute E-Fahrzeug (nur der iMiev war noch früher). Klar, dass hier noch "Kinderkrankheiten" bestehen. Zudem ist Nissan ja nicht gerade mit Oberklasse-Autos bekannt geworden. Das gilt natürlich für Mitsubishi genauso. Ich kann immer nur den Kopf über die Testberichte schütteln wenn eines der beiden genannten Fahrzeuge beurteilt wird und in der Zusammenfassung dann steht "Elektroaustos sind schlecht, haben eine zu geringe Reichweite".

    Dass die Akkus im Leaf schwer sind und viel Platz brauchen hat eigentlich nur den Grund, dass es sich um Akkutechnik von 2008 handelt. Bei Großserien werden Langzeitverträge geschlossen. Da sind keine Änderungen am Herstellungsprozess vorgesehen. Nach heutigem Stand ist der Akku hoffnungslos veraltet. Für 2013 haben die Akku-Hersteller schöne Produkte entwickelt, die die derzeitigen Akkus an Haltbarkeit und Energiekapazität deutlich übertreffen. 2 Beispiele:
    Zink-Luft: http://www.eosenergystorage.com/technology
    Lithium-Schwefel: http://www.oxisenergy.com/html/technology.html

    Warten wir doch einfach mal auf die E-Mobile der Deutschen Hersteller 2013 und 2014. Ich bin sicher, es wird Lobeshymnen ohne Ende geben. Ganz einfach weil hier Qualität mit einem sehr effizienten Antrieb gepaart wird. Und die meisten Kinderkrankheiten werden dann auch ausgebügelt sein... bis auf die verringerte Reichweite. Da können die Deutschen natürlich auch nicht zaubern. Mit 150km werden die sich aber sicher nicht zufrieden geben.

  • Vielleicht sollten wir mal die Selbsthilfegruppe der nervösen E-Tankstellen-Sucher gründen: http://www.bmvbs.de/DE/EffizienzhausPlus/Familie/effizienzhaus-plus-familie_node.html

  • an fds:

    So so, Leipzig hat ein gut ausgebautes e-Tankstellennetz, höchstwahrscheinlich durch den Länderfinanzausgleich bezahlt.
    Wenn ich den Artikel lese, dann ist das überhaupt keine gute Werbung für eAutos.
    Kleiner Kofferraum, viel zu hoher Preis, umständlich beim Laden (vor Allem viel zu lange Ladezeiten), kurze Reichweiten usw. .
    Deshalb denke ich, dass sich die eAutos niemals durchsetzen werden. Und deshalb wird es auch keine flächendeckende Ladestationen geben. Es rentiert sich einfach nicht, viel Geld dort reinzustecken.

    Das eAuto wird irgendwann wieder in der Versenkung verschwinden, so wie es schon einmal war.

  • Für mich beinhaltet der Artikel, meckern auf hohem Niveau. Was kann denn ein Elektroauto für ein unfähigen Energiedienstleister oder für fehlende Ladeinfrastruktur. Die Elektromobilität-Renaissance gibt es seit ca. 3 Jahren. Wie lange hat denn die Entwicklung des Luftverschmutzenden und Lärmverursachenden Verbrennungsmotor einschließlich Infrastruktur gedauert? Es werden hier Äpfel mit Birnen verglichen (beides Obstsorten).
    Mann sollte eher die Entwicklungsdynamik der letzten 3 Jahre auf die Zukunft projizieren und kleine "Kinderkrankheiten" verzeihen. Wenn man dies macht,gibt es viel positives zu Berichten und man kann zuversichtlich in die Zukunft der Elektromobilität blicken. Auch können Sie gern mal Leipzig besuchen. Dabei werden Sie feststellen, dass dort ein sehr gut ausgebautes e-Tankstellennetz exisiert, welches zum großen Teil durch Strom aus 100% Wasserkraft gespeist wird.
    Viele Grüße

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%