Elektroauto Nissan Leaf
Tester unter Strom

Für einen Berufspendler kann der reine Elektrowagen Nissan Leaf eine echte Alternative sein. Heißt es. Aber wehe Sie suchen abseits gewohnter Versorgungswege nach Power! So wurde der Tester zum Strom-Junkie.
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DüsseldorfEs kann gut sein, dass ich schon einmal einen Nissan gefahren bin, vor Jahren mal als Mietwagen. Es muss ein unscheinbares Auto gewesen sein, denn richtig erinnern kann ich mich nicht. Doch dieser blau glänzende Nissan Leaf, den ich zwei Wochen für Handelsblatt Online getestet habe, hat sich für immer in mein Gedächtnis gebrannt.

Das liegt weniger daran, dass ich den Wagen hässlich finde mit seinen weit ausladenden Radkästen, den Scheinwerfen mit aufgesetzter Flosse und der mittelblauen Metallic-Lackierung sowie dem öden, beige-farbenen Innenraum. Es liegt daran, dass mir dieser Wagen das Gefühl gegeben hat, ein Junkie zu sein. Ein Junkie, immer auf der Suche nach dem nächsten Schuss. Nur heißt meine Droge nicht Heroin, sondern Strom.

Strom aus Autoladestationen, Strom aus der Steckdose von Mama, Strom aus der eigenen Garage. Der Test eines Elektroautos ist schließlich auch ein Test des Status Quo der viel gepriesenen Elektromobilität. Und ich habe mich in den 14 Tagen mächtig ins Zeug gelegt, die Droge Strom zu finden.

Zu Beginn des Tests bringe ich eine gute Freundin zum Flughafen Düsseldorf: Die perfekte Gelegenheit, das Prinzip einer Ladestation zu testen, denke ich. Während wir zum Check-in schlendern, könnte der Wagen zumindest eine halbe Stunde frischen Strom ziehen. Und damit könnte ich die Reichweite wieder zurück gewinnen, die ich auf der Fahrt von der Innenstadt dorthin verbraucht habe.

Mit bis zu 175 Kilometern gibt Nissan die Reichweite des rein elektrisch betriebenen Leaf an. Ist der Strom weg, gibt es kein Backup. Ist die Batterie einmal richtig leer, empfiehlt das Handbuch sogar, Unterlegkeile unter die Räder zu legen. Denn die Feststellbremse funktioniert elektrisch. Ein paar Kilowattstunden Strom am Flughafen würden meine Nerven also mächtig beruhigen.



Ich bin bereit, mich dafür vorzubereiten. Ein Elektroauto ist schließlich was für Technik-Begeisterte. Ein Käufer des Autos würde also sicher mit ein wenig Internetrecherche, Herunterladen einer App und Tüftelei mit dem Navigationsgerät den Zugang zum Fahrzeug suchen, denke ich.

Ladenetz.de, e-tankstellen-finder.com und rwe-mobility.de sind einige Webseiten, auf denen man nach Ladesäulen suchen kann. Dort gibt es keinen Treffer für den Flughafen. Die App für den Nissan Leaf finde ich schnell, doch die Installation wird verweigert, weil sich mein Android-Telefon nicht in den USA befinde. Eine deutsche Leaf-App gibt es nur für Apple-Geräte. Die Suche am Navigationsgerät ergibt ebenfalls keinen Treffer bei der Suche nach einer Ladestation am Terminal.

Aber ich gebe so leicht nicht auf, schließlich bin ich ein Junkie. Ich rufe beim Flughafen an: Und siehe da, zwei Säulen soll es geben in Parkhaus 7.

Den Koffer wuchte ich in den Kofferraum. Zwei Schalen sind dort tief in den Boden eingelassen, in die das Gepäckstück nicht passt. Also die Deckel der Schalen wieder geschlossen, den Koffer oben drauf gelegt und die Hutablage geht schon nicht mehr in ihre Ausgangsposition zurück. Ziemlich klein der Stauraum für ein Auto mit 4,45 Meter Länge.

Am Flughafen finden sich aber schließlich keine Wegweiser zu Parkhaus 7, die Navi hilft auch nicht weiter. Ein erster Rückschlag. Doch Panik macht sich nicht breit, da ich satt genug Energie an Bord habe, um bis in die Handelsblatt-Tiefgarage zu fahren und dort an einer stinknormalen Steckdose das Auto aufzuladen. Der Arbeitgeber zahlt die Dosis. Eine Ladung von null auf hundert kann da aber schon mal 12 Stunden und mehr dauern.

Kommentare zu " Elektroauto Nissan Leaf: Tester unter Strom "

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  • Hallo, der Elektromotor ist bei der Leistungskurve im Vorteil gegenüber einem Verbrennungsmotor. Er beginnt ab dem Stand bereits mit einem maximalen Drehmoment, erreicht also früher als ein Verbrennungsmotor seine maximale Leistung und hält diese dann konstant. Wie man ja weis errechnet sich die Momentanleistung eines Motors aus dem Produkt von Drehmoment und Drehzahl.Höhere Drehzahlen schaden nicht, die Motoren erreichen trotzdem noch soviele Betriebsstunden dass enorm hohe Laufleistungen der Autos möglich sind. Elektromotoren besitzen zudem viel weniger Verschleißteile.

  • Die einzig sinnvolle, weil erste und älteste, Stromtankstellenliste ist www.lemnet.org.
    Alle anderen haben hier nur mehr oder weniger legal und vollständig abgeschrieben.
    Sehr verbreitet ist inzwischen auch die nichtöffentliche "Drehstromliste".

    Zur offenen Frage: Das Landgericht Stuttgart hat bereits Ende der 90er im Fall einer zu schnellen Elektro-A-Klasse entschieden, dass Schilder wie "wegen Lärmschutz" quasi nur unverbindliche Dekoration sind und der Fahrer mußte zahlen.

  • Es ist echt erschreckend welche Vorurteile es immer noch gegen Elektroautos gibt. Ich fahre jetzt seit einigen Monaten einen Chevy Volt. Der hat natürlich nicht das Problem der begrenzten elektrischen Recihweite, aber wenn ich mir mein Fahrprofil so ansehen, würde ich mit einem Leaf auch meistens hinkommen.

    Das einzige (!!!!!!!) Problem bei Elektroautos ist der Preis. Sonst NICHTS!

    Hört auf mit Reichweite, hört auf mit Laden, hört auf mit Drehzahl (crazy), hört auf mit Strommix (ist immer noch besser als für immer und ewig Benzin zu verbrennen), hört auf mit "sind keine echten Autos". Das ist ALLES QUATSCH.

    Was stimmt ist: "Ist zu teuer, kann ich mir nicht leisten!".

    Ciaoo

    www.voltolero.de

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