Fahrbericht Lexus LC500 Gran Turismo in Reinkultur

Der klassische Gran Turismo, das Luxus-Coupé für die große Reise, war nie ein billiges Vergnügen. Umso mehr überrascht Lexus jetzt mit der Kampfansage in Form des LC500. Ein V8-Traum, der Mitwerber blass aussehen lässt.
Bereits 2012 hatte Lexus eine LC-Studie vorgestellt. Die jetzt auf den Markt für Luxus-Coupés drängende Serienversion ist erstaunlich nah dran an diesem Konzept. Aufregendes, herausforderndes Design statt Langeweile soll Aufbruchstimmung signalisieren. Als V8-Sauger und V6-Hybrid gibt es den Japaner in Deutschland ab 99.200 Euro. Quelle: Frank G. Heide
Das neue Coupé-Flaggschiff der noblen Toyota-Tochter

Bereits 2012 hatte Lexus eine LC-Studie vorgestellt. Die jetzt auf den Markt für Luxus-Coupés drängende Serienversion ist erstaunlich nah dran an diesem Konzept. Aufregendes, herausforderndes Design statt Langeweile soll Aufbruchstimmung signalisieren. Als V8-Sauger und V6-Hybrid gibt es den Japaner in Deutschland ab 99.200 Euro.

(Foto: Frank G. Heide)

DüsseldorfKurze Rückblende ins Jahr 2011: Akio Toyoda musste seinen Ärger schlucken, seine Enttäuschung verbergen. Ausgerechnet bei der Präsentation des neuen GS-Flaggschiffs im amerikanischen Pebble Beach musste sich der frisch gebackene Toyota-CEO anhören, die Fahrzeuge der vor 28 Jahren gegründeten Tochter Lexus seien langweilig.

Die Kritik traf Toyoda schwer. Später vertraute er anderen Topmanagern an, seit diesem Zeitpunkt habe er sich im Kampfmodus befunden. Seine Mission: Lexus soll ein ganz neues Gesicht bekommen. Ein Flaggschiff, das Aufbruch signalisiert, und die geringe Bekanntheit der Marke auf ein neues Level befördert.

Die Früchte dieser Aufbruchstimmung werden in diesen Tagen in die 14 exklusiven deutschen Lexus-Foren gebracht, und man kann Freunden luxuriöser Autos mit potentem Antrieb nur empfehlen, sich für den neuen LC500 etwas Zeit zu nehmen: Ein Gran Turismo in Reinkultur, dessen Materialien und Verarbeitungsdetails von S-Klasse-Fahrern anerkennend getätschelt werden. Und das Flaggschiff kommt zu einem Preis, der im Luxus-Segment aufhorchen lässt.

Was am Lexus LC500 gefällt, und was nicht
Lexus hat es getan: Aus der 2012 in Detroit vorgestellten Studie LF-LC, die hohe Wellen schlug, ist innerhalb von vier Jahren ein rassiges 2+2-Coupé geworden
1 von 31

Erstaunlich viele Designelemente des Concept Cars wurden in das luxuriöse Serienmodell übernommen. Das Ergebnis kann sich sehen lassen.

Das soll ein Lexus sein?
2 von 31

Die Linienführung des nur 1,34 Meter hohen LC ist scharf. Extrem scharf.

Ein echter Hingucker
3 von 31

Der Lexus LC500 zeigt neben markanten Sicken auf der langen Motorhaube vor allem den gigantischen Diabolo-Kühlergrill als Markengesicht und völlig neu gestaltete LED-Scheinwerfer an Heck und Front, die wirklich großen Eindruck schinden.

Blick in den Innenraum eines LC500h
4 von 31

Der kleine Automatik-Wahlhebel mit extrem kurzen Wegen liegt gut in der Hand. Der Arm des Fahrers ruht auf einer gewaltigen Mittelkonsole. Die beinhaltet auch ein sensibles Trackpad für die Bedienung des Multimedia-Infotainments. Wekches während der Fahrt kaum fehlerfrei zu bedienen ist. Ein besonderes Highlight ist aber die belederte Wange mit der Griffmulde für den Beifahrer.

Das neue Coupé-Flaggschiff der noblen Toyota-Tochter
5 von 31

Bereits 2012 hatte Lexus eine LC-Studie vorgestellt. Die jetzt auf den Markt für Luxus-Coupés drängende Serienversion ist erstaunlich nah dran an diesem Konzept. Aufregendes, herausforderndes Design statt Langeweile soll Aufbruchstimmung signalisieren. Als V8-Sauger und V6-Hybrid gibt es den Japaner in Deutschland ab 99.200 Euro.

Blick auf den Fahrer-Arbeitsplatz
6 von 31

An einem Mangel an Knöpfchen, Reglern und Schaltern wird sich im LC niemand beklagen können. Bis auf das Trackpad in der Mittelkonsole ist aber auch während der Fahrt alles leicht zu bedienen und sinnvoll gruppiert. Ungewöhnlich ist die Position der beiden Drehschalter für die Fahrmodi, die wie kleine Hörner jeweils seitlich aus dem Cockpit herausragen. Sie sind aber sehr gut zu erreichen.

Details der Türinnenverkleidung
7 von 31

Das Niveau der Verarbeitung und die Materialauswahl sind Spitzenklasse, was man bei Preisen bis zu rund 114.000 Euro mit allen Extras an Bord auch erwarten darf. Dass sich Lexus daneben viel Raum zur Entfaltung außergewöhnlicher, teils exotischer Details gibt, macht den LC zu einem Gran Turismo für echte Genießer.

Dieser neueste Herausforderer von S-Klasse Coupé, BMW 6er, Aston Martin DB11 und Jaguar F-Type hat nicht nur das Potenzial, die geplante Markentransformation zu stemmen, er bringt auch als völlige Neuentwicklung alle Stärken mit, die Lexus-Kunden bisher schätzten. Außer Langeweile. An deren Stelle ist das herausragende Design getreten.

Denn verstecken kann sich mit diesem flach auf den Asphalt geduckten (1,34 m Höhe) und mit gewaltigen, geschmiedeten 21-Zöllern bestückten Zweitürer niemand. Der Wagen hat eine so gewaltige Außenwirkung, dass selbst auf steilen Graubündener Pass-Sträßchen bergauf strampelnde Radfahrer noch eine verschwitzte Hand von der Lenkstange nahmen, um kurz den Daumen zu recken.

Der gigantische Diabolo-Kühlergrill, die endlos lange, von vier markanten Sicken durchzogene Motorhaube, die futuristisch-zackig gestalteten LED-Scheinwerfer, ein fließend auslaufendes Carbondach auf dem knackigen Greenhouse und das breite, muskulöse Heck, das zieht zwangsläufig Blicke an.

Reihenweise zücken Carspotter die Handys, um schnell ein Foto zu schießen, während andere noch über das „L“ im Logo rätseln. „Was ist das denn für einer?“ Und „Wahnsinn, das soll ein Lexus sein?“ könnte man hören, wenn man nicht zwanghaft dem V8 lauschen müsste.

Der kleine Automatik-Wahlhebel mit extrem kurzen Wegen liegt gut in der Hand. Der Arm des Fahrers ruht auf einer gewaltigen Mittelkonsole. Die beinhaltet auch ein sensibles Trackpad für die Bedienung des Multimedia-Infotainments. Wekches während der Fahrt kaum fehlerfrei zu bedienen ist. Ein besonderes Highlight ist aber die belederte Wange mit der Griffmulde für den Beifahrer. Quelle: Hersteller
Blick in den Innenraum eines LC500h

Der kleine Automatik-Wahlhebel mit extrem kurzen Wegen liegt gut in der Hand. Der Arm des Fahrers ruht auf einer gewaltigen Mittelkonsole. Die beinhaltet auch ein sensibles Trackpad für die Bedienung des Multimedia-Infotainments. Wekches während der Fahrt kaum fehlerfrei zu bedienen ist. Ein besonderes Highlight ist aber die belederte Wange mit der Griffmulde für den Beifahrer.

(Foto: Hersteller)

Das Triebwerk ist eines der wenigen bekannten Bauteile aus dem Lexus-Regal, treibt schon LS-F und GS an. Mit 477 PS und 540 Newtonmeter Drehmoment hat der aufgrund vieler Luxus-Einbauten fast zwei Tonnen schwere LC500 die Chance, aus dem Stand schon nach 4,7 Sekunden Tempo 100 zu erreichen, Spitze 270 ist ebenfalls machbar. Vorausgesetzt man will ihm das wirklich abverlangen. Was in der Realität wohl nur wenige hin und wieder mal tun werden.

Der LC500 basiert eher auf der souveränen Stärke, die eben nur die aussterbende Gattung der frei atmenden V8 noch kultiviert: Es fährt sich sehr souverän und relaxt. Mit dem Gefühl, man könnte jederzeit, wenn man wollte. Aber man muss ja nicht. Und cruist einfach entspannt weiter.

Der V8 beherrscht das ganze Konzert. Er kann sanft blubbern, hintergründig sprotzeln, und krawallig ballern. Unter Vollast im Sport+-Modus klingt er, als würde er 8 von 10 Gängen bei knapp 7.000 Umdrehungen verächtlich ins Getriebe hineinspucken. Der Fahrer lacht sich eins, während die Tiere des Waldes die Flucht ergreifen vor den Kanonenschlägen, die aus dem Klappenauspuff schießen.

Rein äußerlich und beim Preis kann man den V8-Benziner und den V6-Hybrid kaum unterscheiden. Während der V8 mit 477 PS sich als klassischer Gran Turismo für verwöhnte Genießer präsentiert, ist der Hybrid mit 299 PS eher was für technisch Neugierige. Beide haben aber das gleiche, neuentwickelte Zehngang-Getriebe. Quelle: Frank G. Heide
Den LC gibt es in zwei Versionen

Rein äußerlich und beim Preis kann man den V8-Benziner und den V6-Hybrid kaum unterscheiden. Während der V8 mit 477 PS sich als klassischer Gran Turismo für verwöhnte Genießer präsentiert, ist der Hybrid mit 299 PS eher was für technisch Neugierige. Beide haben aber das gleiche, neuentwickelte Zehngang-Getriebe.

(Foto: Frank G. Heide)

Das muss natürlich nicht sein, man schöpft ja Drehmoment aus vollen fünf Liter Hubraum. So säuselt der LC extrem ruhig und tief, etwa, wenn man im Eco-Modus auf Gangstufe 10 mit weniger als 1500 Touren Tempo 120 hält.

Im Comfort-Modus war bei Tempo 70 bis 90 sogar nur das Abrollgeräusch der 245er- und 275er-Michelin-Sportbereifung zu hören, so entspannend leise rollte der 4,77 Meter lange Wagen ab. Ideal für lange Reisen und unangestrengte Konversation an Bord.

Sind zehn Gänge nicht doch ein bisschen viel?
Seite 123Alles auf einer Seite anzeigen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%