Fahrbericht Lexus LC500
Gran Turismo in Reinkultur

Der klassische Gran Turismo, das Luxus-Coupé für die große Reise, war nie ein billiges Vergnügen. Umso mehr überrascht Lexus jetzt mit der Kampfansage in Form des LC500. Ein V8-Traum, der Mitwerber blass aussehen lässt.

DüsseldorfKurze Rückblende ins Jahr 2011: Akio Toyoda musste seinen Ärger schlucken, seine Enttäuschung verbergen. Ausgerechnet bei der Präsentation des neuen GS-Flaggschiffs im amerikanischen Pebble Beach musste sich der frisch gebackene Toyota-CEO anhören, die Fahrzeuge der vor 28 Jahren gegründeten Tochter Lexus seien langweilig.

Die Kritik traf Toyoda schwer. Später vertraute er anderen Topmanagern an, seit diesem Zeitpunkt habe er sich im Kampfmodus befunden. Seine Mission: Lexus soll ein ganz neues Gesicht bekommen. Ein Flaggschiff, das Aufbruch signalisiert, und die geringe Bekanntheit der Marke auf ein neues Level befördert.

Die Früchte dieser Aufbruchstimmung werden in diesen Tagen in die 14 exklusiven deutschen Lexus-Foren gebracht, und man kann Freunden luxuriöser Autos mit potentem Antrieb nur empfehlen, sich für den neuen LC500 etwas Zeit zu nehmen: Ein Gran Turismo in Reinkultur, dessen Materialien und Verarbeitungsdetails von S-Klasse-Fahrern anerkennend getätschelt werden. Und das Flaggschiff kommt zu einem Preis, der im Luxus-Segment aufhorchen lässt.

Dieser neueste Herausforderer von S-Klasse Coupé, BMW 6er, Aston Martin DB11 und Jaguar F-Type hat nicht nur das Potenzial, die geplante Markentransformation zu stemmen, er bringt auch als völlige Neuentwicklung alle Stärken mit, die Lexus-Kunden bisher schätzten. Außer Langeweile. An deren Stelle ist das herausragende Design getreten.

Denn verstecken kann sich mit diesem flach auf den Asphalt geduckten (1,34 m Höhe) und mit gewaltigen, geschmiedeten 21-Zöllern bestückten Zweitürer niemand. Der Wagen hat eine so gewaltige Außenwirkung, dass selbst auf steilen Graubündener Pass-Sträßchen bergauf strampelnde Radfahrer noch eine verschwitzte Hand von der Lenkstange nahmen, um kurz den Daumen zu recken.

Der gigantische Diabolo-Kühlergrill, die endlos lange, von vier markanten Sicken durchzogene Motorhaube, die futuristisch-zackig gestalteten LED-Scheinwerfer, ein fließend auslaufendes Carbondach auf dem knackigen Greenhouse und das breite, muskulöse Heck, das zieht zwangsläufig Blicke an.

Reihenweise zücken Carspotter die Handys, um schnell ein Foto zu schießen, während andere noch über das „L“ im Logo rätseln. „Was ist das denn für einer?“ Und „Wahnsinn, das soll ein Lexus sein?“ könnte man hören, wenn man nicht zwanghaft dem V8 lauschen müsste.

Das Triebwerk ist eines der wenigen bekannten Bauteile aus dem Lexus-Regal, treibt schon LS-F und GS an. Mit 477 PS und 540 Newtonmeter Drehmoment hat der aufgrund vieler Luxus-Einbauten fast zwei Tonnen schwere LC500 die Chance, aus dem Stand schon nach 4,7 Sekunden Tempo 100 zu erreichen, Spitze 270 ist ebenfalls machbar. Vorausgesetzt man will ihm das wirklich abverlangen. Was in der Realität wohl nur wenige hin und wieder mal tun werden.

Der LC500 basiert eher auf der souveränen Stärke, die eben nur die aussterbende Gattung der frei atmenden V8 noch kultiviert: Es fährt sich sehr souverän und relaxt. Mit dem Gefühl, man könnte jederzeit, wenn man wollte. Aber man muss ja nicht. Und cruist einfach entspannt weiter.

Der V8 beherrscht das ganze Konzert. Er kann sanft blubbern, hintergründig sprotzeln, und krawallig ballern. Unter Vollast im Sport+-Modus klingt er, als würde er 8 von 10 Gängen bei knapp 7.000 Umdrehungen verächtlich ins Getriebe hineinspucken. Der Fahrer lacht sich eins, während die Tiere des Waldes die Flucht ergreifen vor den Kanonenschlägen, die aus dem Klappenauspuff schießen.

Das muss natürlich nicht sein, man schöpft ja Drehmoment aus vollen fünf Liter Hubraum. So säuselt der LC extrem ruhig und tief, etwa, wenn man im Eco-Modus auf Gangstufe 10 mit weniger als 1500 Touren Tempo 120 hält.

Im Comfort-Modus war bei Tempo 70 bis 90 sogar nur das Abrollgeräusch der 245er- und 275er-Michelin-Sportbereifung zu hören, so entspannend leise rollte der 4,77 Meter lange Wagen ab. Ideal für lange Reisen und unangestrengte Konversation an Bord.

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