Fahrtest Range Rover Evoque
Zu sexy für eine Schlammschlacht

Selten hat ein Auto so schnell so starke Emotionen hervorgerufen. Nach einem halben Tag hätte ich den neuen Range Rover Evoque am liebsten stehen lassen. Doch das Beste kam dann zum Schluss.
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DüsseldorfSein Name deutet die Richtung an: Evoque, eine Wortschöpfung aus dem englischen evoke (hervorrufen) und dem französischen (en) Vogue (Welle, Trend). Ein Engländer mit den Qualitäten eines französischen Beaus, der zunächst mal optisch die große Welle macht.

Der kleinste Range Rover ist ein echter Hingucker, und das macht beim ersten Date natürlich einen tollen ersten Eindruck. Aussehen tut er wirklich gut, modern und stylish, mit seinen riesigen Reifen, der ultraflachen Fensterlinie und der kantigen Designmischung aus Gelände-Luxus und Coupé. Die große Frage, beim ersten Date, wie beim SUV-Crossover: Was steckt hinter der schönen Verpackung? Ein freundliches Wesen? Ein zuverlässiger Charakter, mit dem man Pferde stehlen kann? Oder ist die optische Zehn eine taube Nuss?

Der gute äußere Eindruck setzt sich innen zunächst fort. Die Ausstattung des Range Rover kann man als hochwertig bezeichnen, wenn auch für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Materialmix herrscht. Metalloptik von gebürstet bis hochglänzend, Klavierlack, PVC von wertig bis na ja, der Engländer nennt es wohl „cheap“, dazu kommt rotes Leder auf den Sitzen, Holzmaserung am Armaturenbrett, - viele Geschmacksfragen eben und darüber lässt sich ja nicht streiten. Erstes Fazit: Ist man mit dem Evoque unterwegs, darf man kein Freund gepflegten Understatements sein, mit dem Wagen fällt man auf.

Und dieser „Looker“ weckt vor allem die Aufmerksamkeit von Frauen. Auf welchem Parkplatz auch immer: Ikea, Supermarkt, oder Reithalle, - man wird angesprochen und nicht selten gefragt, ob es vielleicht möglich wäre auch mal Platz zu nehmen und auch ein schnelles Foto, vielleicht? Wer den Evoque datet, der wird beneidet. Das muss man(n) ja nicht schlecht finden.

Dass der Wagen vor allem Frauen gefällt ist, freundlich ausgedrückt, beim Komfort kein Nachteil. Während alle weiblichen Testfahrerinnen genügend Beinfreiheit fanden, die Mittelkonsole als angenehme Ablagefläche für den Arm empfanden und auch den Gurt schmerzfrei einklicken konnten, hat man als Mann da schon eher so seine Probleme. Vor allem, wenn man nicht zur Kategorie „lap size“ sondern XL bis XXL zählt.

Denn dann schrumpft der Spalt zwischen Hüfte und Mittelkonsole auf gefühlte zwei Millimeter. Gurt anlegen wird zum Stochern in einer dunklen Ritze. Bei längerer Fahrt wird klar: Ein kurzes, schmales Bein ist von Vorteil. Denn sonst drückt das Knie an die Metallschiene der Mittelkonsole und man fragt sich mit zusammengebissenen Zähnen wie der verdammte kleine Knochen wohl heißt, der da so weht tut.

Wer im täglichen Leben mehr als „nur“ den Beifahrer transportiert, sollte unbedingt die Variante mit vier Türen wählen. Auf die Rückbank des 2-türigen Modells schlüpfen allenfalls Kinder bis zum Ende des Grundschulalters problemlos, danach ist eine gewisse artistische Begabung kombiniert mit vorausschauender Planung notwendig um „einfach“ einzusteigen. Dazu mehr im Kasten „Fahrerfahrungen“.

Dass ich den Testwagen schon nach einem halben Tag am liebsten stehen gelassen hätte, und neugierig nachfragenden Kollegen empfahl „Kick it like Beckham“, ist aber nicht meiner grundsätzlichen Abneigung gegen SUVs geschuldet. Ich fand die ersten Fahrerfahrungen einfach enttäuschend.

Kommentare zu " Fahrtest Range Rover Evoque: Zu sexy für eine Schlammschlacht"

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  • abschließendes Kommentar: geile Karre. Hätte ich mir fast zugelegt; aber dann nahm ich doch lieber einen zweisitzigen Porschejäger; passt gerade besser zu meiner Person.^

  • wer´s glaubt ;-); Geschmack hat man oder nicht. Den erwerben Sie nicht mit einem Titel oder mit der Dicke der Geldbörse oder der Anzahl Ihrer Put´s.

  • ...sehr schön; den Kommentar unterschreibe ich Ihnen sofort

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