Fahrtest Range Rover Evoque

Zu sexy für eine Schlammschlacht

Selten hat ein Auto so schnell so starke Emotionen hervorgerufen. Nach einem halben Tag hätte ich den neuen Range Rover Evoque am liebsten stehen lassen. Doch das Beste kam dann zum Schluss.
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In Sachen Gelände braucht sich der alte Landy nicht vor der modernen Konkurrenz zu verstecken. In puncto Komfort allerdings liegt der Vorteil beim Range Rover Evoque. Quelle: Frank G. Heide

In Sachen Gelände braucht sich der alte Landy nicht vor der modernen Konkurrenz zu verstecken. In puncto Komfort allerdings liegt der Vorteil beim Range Rover Evoque.

(Foto: Frank G. Heide)

DüsseldorfSein Name deutet die Richtung an: Evoque, eine Wortschöpfung aus dem englischen evoke (hervorrufen) und dem französischen (en) Vogue (Welle, Trend). Ein Engländer mit den Qualitäten eines französischen Beaus, der zunächst mal optisch die große Welle macht.

Der kleinste Range Rover ist ein echter Hingucker, und das macht beim ersten Date natürlich einen tollen ersten Eindruck. Aussehen tut er wirklich gut, modern und stylish, mit seinen riesigen Reifen, der ultraflachen Fensterlinie und der kantigen Designmischung aus Gelände-Luxus und Coupé. Die große Frage, beim ersten Date, wie beim SUV-Crossover: Was steckt hinter der schönen Verpackung? Ein freundliches Wesen? Ein zuverlässiger Charakter, mit dem man Pferde stehlen kann? Oder ist die optische Zehn eine taube Nuss?

Die Mittelkonsole ist breit und groß, sehr breit und sehr groß. Viel zu oft stößt das Knie gegen Metall. Quelle: Frank G. Heide

Die Mittelkonsole ist breit und groß, sehr breit und sehr groß. Viel zu oft stößt das Knie gegen Metall.

(Foto: Frank G. Heide)

Der gute äußere Eindruck setzt sich innen zunächst fort. Die Ausstattung des Range Rover kann man als hochwertig bezeichnen, wenn auch für meinen Geschmack ein bisschen zu viel Materialmix herrscht. Metalloptik von gebürstet bis hochglänzend, Klavierlack, PVC von wertig bis na ja, der Engländer nennt es wohl „cheap“, dazu kommt rotes Leder auf den Sitzen, Holzmaserung am Armaturenbrett, - viele Geschmacksfragen eben und darüber lässt sich ja nicht streiten. Erstes Fazit: Ist man mit dem Evoque unterwegs, darf man kein Freund gepflegten Understatements sein, mit dem Wagen fällt man auf.

Und dieser „Looker“ weckt vor allem die Aufmerksamkeit von Frauen. Auf welchem Parkplatz auch immer: Ikea, Supermarkt, oder Reithalle, - man wird angesprochen und nicht selten gefragt, ob es vielleicht möglich wäre auch mal Platz zu nehmen und auch ein schnelles Foto, vielleicht? Wer den Evoque datet, der wird beneidet. Das muss man(n) ja nicht schlecht finden.

Dass der Wagen vor allem Frauen gefällt ist, freundlich ausgedrückt, beim Komfort kein Nachteil. Während alle weiblichen Testfahrerinnen genügend Beinfreiheit fanden, die Mittelkonsole als angenehme Ablagefläche für den Arm empfanden und auch den Gurt schmerzfrei einklicken konnten, hat man als Mann da schon eher so seine Probleme. Vor allem, wenn man nicht zur Kategorie „lap size“ sondern XL bis XXL zählt.

Handelsblatt Online-Redakteur Frank G. Heide hat das Fahrzeug getestet. Am liebsten bewegt er Honda CBR 1000 RR oder BMW R 100 S. Quelle: Handelsblatt Online

Handelsblatt Online-Redakteur Frank G. Heide hat das Fahrzeug getestet. Am liebsten bewegt er Honda CBR 1000 RR oder BMW R 100 S.

(Foto: Handelsblatt Online)

Denn dann schrumpft der Spalt zwischen Hüfte und Mittelkonsole auf gefühlte zwei Millimeter. Gurt anlegen wird zum Stochern in einer dunklen Ritze. Bei längerer Fahrt wird klar: Ein kurzes, schmales Bein ist von Vorteil. Denn sonst drückt das Knie an die Metallschiene der Mittelkonsole und man fragt sich mit zusammengebissenen Zähnen wie der verdammte kleine Knochen wohl heißt, der da so weht tut.

Wer im täglichen Leben mehr als „nur“ den Beifahrer transportiert, sollte unbedingt die Variante mit vier Türen wählen. Auf die Rückbank des 2-türigen Modells schlüpfen allenfalls Kinder bis zum Ende des Grundschulalters problemlos, danach ist eine gewisse artistische Begabung kombiniert mit vorausschauender Planung notwendig um „einfach“ einzusteigen. Dazu mehr im Kasten „Fahrerfahrungen“.

Dass ich den Testwagen schon nach einem halben Tag am liebsten stehen gelassen hätte, und neugierig nachfragenden Kollegen empfahl „Kick it like Beckham“, ist aber nicht meiner grundsätzlichen Abneigung gegen SUVs geschuldet. Ich fand die ersten Fahrerfahrungen einfach enttäuschend.

Was am Range Rover Evoque gefällt - und was nicht
Evoque 21
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Als Testfahrer kanns mir ja egal sein, aber als Käufer würde ich mich schon fragen: Warum kosten zwei Türen weniger 1.000 Euro mehr? Der Zweitürer macht den Einstieg nach hinten zum Balanceakt, vier Türen sind Pflicht.

Evoque 23
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Der optische Vergleich mit dem Land Rover von 1975 macht klar: In einem echten Geländewagen saß man schon früher deutlich höher als im Evoque, die Übersicht war hinten raus auch besser. Dafür liegt der "Urenkel" aber um Längen vorn in Sachen Verkehrssicherheit, Komfort und Assistenzsysteme.

Evoque 27
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Eine stattliche Gestalt, wie aus einem Block gemeißelt. Die hohen Seitenwangen in Verbindung mit schmalen Leuchtschlitzen, riesiger Bereifung, und keilförmig nach hinten schmaler zulaufendem Fensterband machen den Range Rover Evoque unverwechselbar.

Evoque 6
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Materialverwirrung: Holzmaserung, Chrom, Alu (matt gebürstet), rotes Leder, billig anmutender anthrazitfarbener Kunststoff, mattschwarzer Stoff, schwarzer Klavierlack, mattes Kunstleder, das alles trifft in einem einzigen Raum auf kleinstmöglicher Fläche aufeinander. Weniger wäre mehr.

Andererseits: Die Verarbeitung ist auf sehr hohem Niveau, da knarzt und rappelt nichts. Auch nicht im Gelände.

Evoque 15
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Nein, das ist kein Rate-Bild. Das ist das, was der Fahrer sieht, wenn er in den Rückspiegel des Evoque blickt. Der Begriff Fensterband bekommt eine völlig neue Bedeutung. Und wer könnte so schon sagen, ob nicht ein kleines Fahrrad mit Stützrädern hinterm SUV parkt?

Evoque 7
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Die Michelin-Bereifung machte bei Nässe auf Straße und im leichten Gelände einen sehr guten Eindruck. Die Felgen sind nur eins von zahlreichen optischen Highlights, mit denen der kleine Gelände-Lord die Blicke auf sich zieht. Auffällig ist allerdings auch das laute Abrollgeräusch auf der Autobahn.

Evoque 13
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Um mal einen deutschen Auto-Boss zu zitieren: Da rappelt nix. Alles sauber verarbeitet im Range, bis in den letzten Winkel des Kofferraums. Gut auffindbare Steckdosen, der Wagenheber sogar im eigenen Stofftäschchen, viel Styropor zur Geräuschdämmung. Der Rest mit robustem Stoff bezogen. Vorbildlich!

My car is my castle
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27 Kommentare zu "Fahrtest Range Rover Evoque: Zu sexy für eine Schlammschlacht"

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  • abschließendes Kommentar: geile Karre. Hätte ich mir fast zugelegt; aber dann nahm ich doch lieber einen zweisitzigen Porschejäger; passt gerade besser zu meiner Person.^

  • wer´s glaubt ;-); Geschmack hat man oder nicht. Den erwerben Sie nicht mit einem Titel oder mit der Dicke der Geldbörse oder der Anzahl Ihrer Put´s.

  • ...sehr schön; den Kommentar unterschreibe ich Ihnen sofort

  • nur im Sommer; im Winter wird das dazwischen zu klein....^^^^

  • in gewisser Weise geben ich Ihnen sogar recht; aber da können Sie anfangen mit: Expressdienstverbot ( viel CO2 für ein Paket ), Rinderhaltung, Kreuzfahrtschiffe, Schiffe überhaupt, Textilproduktion in sonstwo und über den Teich schippern...und sonstwo aufhören...

  • Also der Jeep Grand Cherokee mit 3.0 CRD hat glaube ich 540NM, nimmt ca. 13 Liter in der Stadt und ... lässt im Anzug so manchen Spportwagen rechts stehen.

  • lol; also ich beeindrucke auch ohne meine Fahrzeugsammlung und mein Ego passt ganz gut; von daher kann ich das so nicht unterschreiben...;-)

    Die einen spielen den ganzen Tag Warcraft oder wie das Ding so heisst; und die anderen sind mehr oder weniger Autonarr. Natürlich sind SUV´s Schwachsinn; aber die ganze Welt ist schwachsinnig...also lassen Sie dochmal den Schwachsinn Schwachsinn sein.

    Übrigens gehe ich auch gerne zu Fuß und fahre MTB; auch toll ( trotzdem heize ich auch gerne mal den 6 oder 8 Zylinder ).

  • Ich finde die Diskussionen über SUV einfach immer wieder albern. Ob ich mir einen Sportwagen kaufe oder einen SUV, was den Verbrauch angeht, habe ich da wenig Unterschiede.

    Und um auf den Evoque zurück zu kommen...es ist einfach ein geiles Auto. Ich werde mein gerade mal 12 Monaten altes Auto meiner Frau übergeben und mir einen richtig geilen Evoque bestellen. Ich weiß nur noch nicht, ob es der 190 PS Diesel oder der 240 PS Benziner wird :-) Wer da Erfahrungen gemacht hat, kann mit gerne eine Mail schicken --> markus.kerschis@outlook.com

  • Der Tester sollte weiter Motorrad fahren...

  • Doktoren und Professoren haben eben einen erleseneren Geschmack!!!

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