Ferrari F12 Berlinetta im Handelsblatt Autotest: Die ultimative Fahrmaschine

Ferrari F12 Berlinetta im Handelsblatt Autotest
Die ultimative Fahrmaschine

Ein Ferrari mit 740 PS ist ein radikales Sportgerät – denkste. Der F12 Berlinetta ist zwar stärker und schneller als die meisten anderen Sportwagen, aber gleichzeitig wahnsinnig komfortabel – und sogar alltagstauglich.
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Ein Ferrari ist von Natur aus kein langsames Auto. Selbst das untere Ende des Angebots, das derzeit auf den Namen California hört, ist ein sehr fähiger Sportwagen. Doch der Mythos der Geschosse mit dem springenden Pferd auf der Haube lebt nicht von den Einsteiger-Modellen, sondern von den schnellsten Exemplaren.

Egal ob ein Turbo-beatmeter F40 aus den 1980er Jahren oder ein V12-befeuerter Enzo aus dem 21. Jahrhundert: Die schnellsten Ferraris für die Straße waren stets extreme Gefährte, ihr Kampfanzug gespickt mit allerhand Spoilern, um ihre brachiale Power auch nur ansatzweise auf den Asphalt zu bringen. Im Ergebnis waren diese PS-Protze meist nur von Könnerhand sicher und schnell zugleich zu bewegen und vermittelten Otto Nomalautofahrer gerne den Eindruck, unkontrolliert aus einer Kanone abgeschossen zu werden. 

Ein Auto, das noch schneller als diese Benzin-Ikonen alter Schule ist, muss ein radikaler Sportwagen sein. Inzwischen gibt es diesen Wagen, der die hauseigene Ferrari-Strecke in Fiorano stolze zwei Sekunden schneller umrundet als der 660 PS starke Enzo. Ausgerechnet dieses Auto sieht aber gar nicht nach einem drahtigen Extremsportler aus, sondern eher wie eine Skulptur auf vier Rädern.

Kein Wunder – schließlich ist der F12 Berlinetta ein Gran Turismo und kein Rennwagen. Also eher ein schnelles Reiseauto für die große Tour als ein Vollblut-Racer für die Rennstrecke. Und trotzdem soll dieses flügellose Langstreckenauto schneller sein als ein Enzo?

Dass der F12 ohne Flügel oder ähnliches Blendwerk auskommt, hat er ein paar schlauen Einfällen seiner Designer zu verdanken. Mit einigen Kniffen und Anleihen aus dem Rennsport – etwa dem mächtigen Diffusor am Heck – ist es den Entwicklern gelungen, auch ohne Spoiler genügend Abtrieb zu erzeugen. Ein ganz besonderes Highlight sind hier die sogenannten „Aero-Bridges“. Durch diese beiden armdicken Löcher zwischen Motorhaube und Kotflügel streift so viel Luft, dass der Wagen von zusätzlichen 50 Kilogramm Anpressdruck auf den Asphalt geklebt wird. Und schön anzusehen sind die ausgeprägten Sicken in Motorhaube und Türe ganz nebenbei auch noch.

Trotz all der Aerodynamik-Kniffe ist unter dem maßgeschneiderten Kleid des F12 auch noch Platz für Gepäck. Der Kofferraum fasst ordentliche 320 Liter, nimmt man die Ablage hinter den beiden Sitzen, auf denen das Gepäck mit edel vernähten Leder-Bändern fixiert werden kann, noch hinzu, bietet der Wagen mehr Stauraum als ein Golf.

Gut, neben der intelligenten Epidermis braucht der F12 auch noch etwas Elektronik, um die 740 Pferde seines V12-Frontmittelmotors einigermaßen brauchbar auf die Straße zu bringen. Sie haben richtig gelesen, der F12 Berlinetta hat einen 740-PS-Motor unter der adretten Haube. Und diese Leistung geht ausschließlich an die Hinterachse. Ja, ein Ferrari ist schon etwas besonderes.

Es ist nicht so, dass vor meiner Haustüre noch nie ein extrem schnelles oder wahnsinnig teueres Auto stand. Aber mit einem Ferrari in der Garage stellen sich die wichtigen Fragen des Lebens: Kann ich am Morgen kurz in Jogginghose zum Brötchen holen fahren? Darf ich den F12 vor einem gewöhnlichen Supermarkt parken oder muss ich jetzt zum Feinkosthandel?

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