Focus Turnier im Handelsblatt-Test
Endlich ein Ford, der selber parkt

Global gesehen ist er ein Bestseller, in Deutschland fährt er dem Golf hinterher. Ford hat seinen Focus kräftig entrümpelt und aufgerüstet. Aus den 18 neuen oder verbesserten Assistenzsystemen ragen im Test zwei hervor.
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DüsseldorfFür Erwin und Marie-Luise war die Sache klar: Der Neue soll ein Auto mit Einparkassistent und Rückfahrkamera sein. Das rüstige Rentnerehepaar aus meiner Nachbarschaft hat kein Problem damit, es zuzugeben: An der eigenen Beweglichkeit und Übersicht hat der Zahn der Zeit genagt, manche Fahrmanöver fallen nicht mehr so leicht wie früher. Doch der technische Fortschritt im Auto gibt den Ford-Veteranen etwas vom Verlorenen zurück, in Form von Fahrassistenten.

Dass ihre Wahl auf einen Ford Focus fällt, dafür nennen sie gleich mehrere gute Gründe: Erstens fuhr man schon früher Focus. Zweitens sind Autohaus und Werkstatt direkt im Ort. Drittens nehmen sie prinzipiell kein SUV, denn so alt fühlen sie sich nun doch noch nicht, und wie Marie-Luise betont: „Wir sind keine Angeber.“

Viertens hat Erwin gelesen, dass die Möchtegern-Geländewagen im Durchschnitt ungünstiger sind im Verbrauch. Fünftens bietet Ford nun genau die eingangs genannten Wunsch-Extras an, zu fairen Preisen.

Restwertprognosen im Vergleich von Bähr & Fess Forecasts:

MarkeModellPSNeupreisRestwert 2019Wertverlust
FordFocus Turnier 2.0 TDCi150

27.860 €

50% / 13.930 €

13.930 €

Peugeot 308 sw Active150

26.150 €

50,5% / 13.206 €

12.944 €

OpelAstra Sports Tourer136

23.610 €

50% / 11.805 €

11.805 €

Was die beiden nicht ausdrücklich sagen, schwingt dennoch mit, wenn wir über das Auto sprechen, das ich gerade teste, und das sie direkt zum Marktstart gekauft haben: Es ist eine preisbewusst-trotzige „Mehr Auto brauch ich nicht“-Haltung.

Die teilen sie mit Millionen anderen Pragmatikern. Wohl wissend, dass es deutlich emotionalere Autos gibt, verhindert der Taschenrechner, dass man dem Bauchgefühl nachgibt. Ein echtes Erfolgsrezept, dass den in Saarlouis gebauten Focus in den Jahren 2001 und 2002, 2012, 2013 und 2014 zum am meisten verkauften Auto der Welt machte.

Mehr als zwölf Millionen Focus wurden seit 1998 verkauft, dem Jahr als er den Escort ablöste, darunter 6,9 Millionen in Europa. Im vergangenen Jahr waren es rund 1,1 Millionen, davon mehr als 300.000 in China. Erfolgreich sein kann man also ohne große Gefühle. Wichtiger ist den Käufern so genannter Brot- und Butter-Autos regelmäßige Modellkosmetik, mit der man der Kundschaft Innovationskraft zeigt, die das Autofahrerdasein ein wenig erleichtert und die Konkurrenz auf Distanz hält. Beim Ford Focus war es im Oktober 2014 wieder so weit, als der Facelift der dritten Generation auf dem Markt kam.

Ford spricht zwar von mehr Emotion im Design, aber nur echte Markenfans werden die Äußerlichkeiten vom Vorgänger unterscheiden können. Augenfälliger sind die Änderungen innen, wobei die Gestalter nach eigener Auskunft den Käuferwünschen folgten: Die wollten mehr Unkompliziertes im Auto.

Und genau das zeigt auch unser feuerwehrroter Testwagen: Weniger verwirrende Bedienelemente und Schalter. Ein sauberer, modern-aufgeräumter Look unterstützt nun logische und intuitivere Bedienfunktionen, ohne aber das klare Design eines Peugeot 308-Innenraums zu erreichen, der als perfekt aufgeräumt, sprich Maßstab gelten darf. Die Kunststoffe sind an den Softtouch-Oberflächen wertig strukturiert, neue Stoffe, die Kombination von Schwarz mit Chrom und ausgezeichnete Sitze runden den guten Eindruck innen ab.

Leider haben die Kölner vom Vorgänger wieder das kleinteilige Zentraldisplay zwischen den beiden Rundinstrumenten übernommen. Das kann mancher Konkurrent in dieser Preisklasse übersichtlicher. Und Wettbewerb hat der Focus reichlich: Astra, i30, Auris, Golf, Leon und 308 heißen die wichtigsten.

Um die Konkurrenz auf Distanz zu halten fährt der Focus nun das neue Familiengesicht spazieren mit geschärftem Scheinwerfer-Blick und dem bei Aston-Martin abgeguckten Kühlergrill, was auch dem Kombi gut steht. Am auffälligsten ist an unserem Testwagen noch die feuerwehrrote Lackierung, die ihm einige Blicks und positive Kommentare einbringt. Innen gibt es zudem zwischen Fahrer- und Beifahrersitz eine neue Konsole, auf ihrem Schiebedeckel kann man den Unterarm ablegen, und allerlei Zeugs darunter verstauen.

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