Ford Kuga im Handelsblatt-Autotest
Probier's mal mit Gemütlichkeit!

Fords SUV Kuga verzückt hierzulande die Käufer. Grund genug, dem Phänomen in zweiter Baugeneration auf den Grund zu gehen. Das Kölner Dickerchen überzeugt mit tadellosem Verhalten und Komfort – hat aber seinen Preis.
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DüsseldorfDer SUV mausert sich Stück für Stück zu der Deutschen liebstem Kind. Was bösen Zungen zufolge einst in Düsseldorf begann, als gut betuchte Senioren und Arztgattinnen die Idee hatten, sich einen Land oder Range Rover zu besorgen um damit bessere Übersicht und mehr Schutz im dichten innerstädtischen Verkehr zu genießen, ist längst globaler Megatrend.

Seitdem aus wilden, unbeugsamen, Sprit vernichtenden Ungetümen mit dem einzigen Lebenzweck, durch felsiges Gelände, schlammigen Untergrund und absurde Steigungen zu pflügen, domestizierte Haustiere gezüchtet wurden, erobert der einstige Geländewagen den Asphaltdschungel. So manches Schaf im Wolfspelz verzichtet gänzlich auf den eigentlich definierenden Vierrandantrieb.

Bei Ford ist man noch nicht ganz so weit. In Köln ist Allrad zumindest noch optional. So auch beim Zugpferd Kuga, der seit 2013 in der zweiten Generation vom Band rollt und unlängst zum SUV mit den meisten Neuzulassungen in Deutschland aufgestiegen ist. Zumindest auf Monatsbasis. Das Dickerchen auf Focus-Basis scheint etwas an sich zu haben – und anders als bei der Konkurrenz ist es nicht der Preis.

Der geht bei 24.800 Euro ab Werk los (rund 5.000 Euro mehr als beim direkten Konkurrenten Nissan Qashqai), kann sich über eine ganze Reihe von Assistenzsystemen, Annehmlichkeiten und Extras bis auf 37.150 Euro hochschaukeln. Unser Testwagen hat, das muss der Fairness halber erwähnt werden, einen Gegenwert von 36.930 Euro – und ist damit praktisch das All-Inclusive-Paket.

Am Anfang steht die Frage, die ich mir persönlich eigentlich immer stelle: Wozu eigentlich SUV? Die Antwort ergibt sich beim Kuga schon schnell nach dem Einsteigen. In der Tiefgarage wirkt der optisch wirklich gelungene Wagen, nun, dicklich. Groß, behäbig, schwergängig – und es macht sich die latente Angst vor einem schwer überschaubaren Ungeheuer breit.

Einmal auf dem Bock, sprich: Fahrersitz, stellt sich umgehend ein anderes Gefühl ein: Erhabenheit. Tatsächlich bietet der Kuga nicht nur wegen seiner Höhe viel Übersicht. Und wirkt von innen für ein Auto seiner Größe erstaunlich schmal.

Sei es der Weg durch und aus der Tiefgarage, die Autobahnbaustelle oder die schmale Landstraße: Niemals vermittelt der SUV einem das Gefühl, jetzt ginge es nicht weiter.

Die Kölner machen sich schon bei der Grundeigenschaft ihres Kuga das Herausstellungsmerkmal des SUV zu eigen und perfektionieren es. Der Schnitt der Fenster, die Ausrichtung der Spiegel, Parksensoren und Rückfahrkamera, Panoramaschiebedach – das Gefühl von Freiheit ohne das Gefühl von Unbeherrschbarkeit.

Das Konzept wird konsequent verfolgt, die Fußräume vorne sind äußerst geräumig, es gibt zahlreiche Stau- und Ablageräume. Der Fahrer darf es sich gemütlich machen, der Beifahrer auch.

Bei den Gästen im Fonds hat Ford jedoch etwas geknausert. Gerade die Deckenhöhe auf der Rückenbank, die dank der aerodynamischen Linie (laut Hersteller 7,5 Prozent effizienter als beim Vorgänger) des Kuga steil nach hinten abfällt, könnte üppiger ausfallen.

Für Gepäck ist im Laderaum genug, aber ebenfalls nicht unbegrenzt Platz. Für zwei Erwachsene und zwei Kinder alles kein Problem, ab drei Erwachsenen stößt der Kuga allmählich an seine Grenzen. Die Rückbank ist übrigens in Windeseile umgeklappt und auch wieder zurückgebaut.

Die Heckabdeckung funktioniert nach dem bewährten Rollprinzip, rastet aber schon durchs bloße ausziehen zuverlässig ein. Ein Haken: Schlägt übers geöffnete Fenster der Wind nach hinten, löst sich die Plane mit lautem Schnappen – die ersten Male fährt der Schreck mit.

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