Ford Ranger im Handelsblatt-Test: Mein Auto ist meine Burg

Ford Ranger im Handelsblatt-Test
Mein Auto ist meine Burg

Sollte morgen die Zombie-Apokalypse hereinbrechen, muss der Survival-Wagen schwer was abkönnen. Für solche Extrem-Aufgaben hat Ford den Ranger gut gerüstet. Der unverwüstliche Pick-up hat aber seine Last im Alltag.

DüsseldorfWeit abstehende Trittbretter in mehr als doppelter Skateboardgröße, armdicke Chrom-Überrollbügel hinter der Doppelkabine, eine massive Metallstrebe mit keck auf Schienbeine zielender Anhängerkupplung. Dieser Ford heißt Ranger, und er ist nicht zum Spaß hier. Stolz reckt er einen Kühlergrill, dessen glänzende Oberkante an die Brust von Ein-Meter-Neunzig-Männern stößt.

Er will, ja, er muss arbeiten, ist immer auf dem Weg zum nächsten schmutzigen Projekt. Sein gewaltiger Diesel rasselt so erwartungsvoll wie ein schottisches Schloßgespenst mit seinen Ketten. Und wie man es von einem abgerockten Baustellenlaster mit amerikanischen Wurzeln erwartet spielt sein Radio gegen das permanente Getucker mit beiden Musikarten an: Country und Western.

Dieser raue Kerl mit rauer Schale und grobem Kern zeigt außen wie innen Kante: Alles ist grob und groß. Für Männerhände gebaut, die gerne in Arbeitshandschuhen stecken dürfen. Ein Trittbrett und Haltegriff helfen nach dem Aufwuchten des massigen Fahrerportals beim Einstieg auf die hohe Sitzposition. Von hier oben aus schaut man locker auf Audi-Q7-Fahrer herab, aber ohne mit dem Diesel-Lastesel irgendwelchen Sozialneid zu wecken.

Außen seht in großen Lettern „4x4“ aufgeklebt. Schade, dass das Bordbuch weniger werbewirksam darauf hinweist: Auf Allrad und Getriebeuntersetzung bitte nur im Stand wechseln, möglichst nicht während oder nur bei langsamer Fahrt, gedacht ist dieser Antrieb etwa für den Baustellenschlamm, wenn nur Traktion und kein Tempo gefragt ist.

Zu solchen äußeren Verhältnissen passt auch sein Innenraum, dessen grauer Kunststoff den Eindruck hinterlässt, ein heißer, harter Dampfstrahl wäre angebrachter als ein velourweiches Mikrofasertuch. Selbst das schwarze Leder im Testwagen wirkt, als ob es nicht chic sein wolle, sondern einfach nur haltbarer.

Ein reinigender Dampfstrahl ist später auch hinten gefragt: Auf der gewaltigen Ladefläche. Denn ich oute mich direkt am ersten Testtag als Pick-up-Anfänger, als ich eine Tasche mit Einkäufen einfach hinter die Heckklappe abstelle.

In der ersten Kurve höre ich schon Pfirsiche poltern, beim Bremsen klonkert Katzenfutter gegen die Rückwand der Doppelkabine. Als ich später mit Besen und Kärcher Joghurt und Zuckerrübensirup von der Ladefläche vertreibe, habe ich was gelernt: Leichtes Ladegut besser in den Innenraum.

Nur gut, dass Ford die Ladefläche hinten mit einer dickwandigen Kunststoffwanne schwarz ausgekleidet hat. Hier kann man ohne Rücksicht auf Lack und Wertverlust einfach alles reinschmeißen, was lang und schmutzig ist. Und mit der Leichtmetalljalousie aus dem überreichen Ranger-Zubehörprogramm wird Verstautes wetterfest und diebstahlsicher verrammelt und verriegelt.

Allerdings: Der meterlange Gurt, mit dem man die etwas holprig durch die Laufschiene ruckelnde Heckjalousie zu sich hinzieht, ist bei Ladegeschäften ständig im Weg. Dass der Hersteller Mountaintop noch nicht mal ein Häkchen bietet, ist so nervig wie ein Schnürsenkelknoten, der ständig aufgeht. Noch schlimmer ist der läpern wirkende Plastikhaken zur Bedienung des Verriegelungsmechanismus der Jalousie, bei dessen Handhabung drei von drei Testfahrer spontan versagen. Und das trotz „hilfreichem“ Diagramm.

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