Honda Civic im Handelsblatt Autotest: Augen zu und durch

Honda Civic im Handelsblatt Autotest
Augen zu und durch

Ein Auto, das seit 1972 gebaut wird, sich weltweit millionenfach verkauft, und mit einer sparsamen Maschine des weltgrößten Motorenbauers ausgestattet ist. Was soll da noch schief gehen? Zum Beispiel das Design!
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DüsseldorfEin zuverlässiger und sparsamer japanischer Kompaktwagen, der sich seit mehr als 40 Jahren millionenfach weltweit verkauft und seit neun Modellgenerationen mit guter Technik, kultivierten Motoren und hoher Wirtschaftlichkeit punktet. Was könnte daran nicht stimmen? Genau, das Design.

Seine Form ist es, die den Honda Civic schon seit einer kleinen Design-Revolution im Jahr 2006 von anderen Wettbewerbern in der unteren Mittelklasse unterscheidet, was ihn anders macht als etwa Ford Focus, Mazda3 oder VW Golf. Er soll besonders aerodynamisch sein, aber er ist vor allem asiatisch-barock. Das gilt insbesondere für die Rückleuchten, die stark aus dem Heck hervorragen. Ein Nachbar, den meine Testwagen immer neugierig machen, bringt es auf den Punkt: „Der sieht aus, als hätte er zwei Beulen am Hintern.“ Das ist hart, aber nicht unwahr.

Ich verteidige den etwas unübersichtlichen Civic mit der spacigen, geteilten Heckscheibe: „Die Form ist Geschmacksache. Wie Sushi. Das hat sich ja auch von Japan aus weltweit durchgesetzt.“

„Mag sein“, entgegnet der Nachbar, der einen 24 Jahre alten Mazda pilotiert, „aber nur weil er sich gut verkauft, muss ich ja kalten rohen Fisch nicht mögen.“ Das akzeptiere ich, über Geschmack lässt sich halt streiten. Aber zum Glück für den Honda-Testwagen mit 2,2-Liter-Turbodiesel sind da ja die ganz rationalen Fakten, die für ihn sprechen.

 

Wie zum Beispiel der Verbrauch, die Fahreigenschaften, der große, praktische Kofferraum, der neue Notbremsassistent und die niedrigen Unterhaltskosten, denn der feuerrote Testwagen präsentiert sich ungemein sparsam. Der Hersteller, größter Motorenbauer weltweit, gibt ihn mit einem Normverbrauch von nur 4,4 Liter an. Wir wissen natürlich alle, was diese überalterten Normangaben in der Realität wert sind. Aber mit dem Honda lässt sich der angegebene Verbrauch tatsächlich fast mühelos im Alltag erreichen.

Das funktioniert vor allem dank des Prinzips mit dem grünen Knopf ohne große Mühe. Einmal auf den „Eco Assist“ links neben dem Lenkrad gedrückt, sind alle von der Technik beeinflussbaren Parameter des Fahrzeugs auf Verbrauchsoptimierung voreingestellt. Der Fahrer muss nur noch ein wenig behutsam mit dem Gasfuß umgehen, wird dabei aber von einer gut eingeteilten und vorbildlich ablesbaren Verbrauchsanzeige unterstützt.

Und die blauen, roten oder grünen Leuchtringe um die klassischen Displays zeigen schnell eine erzieherische Wirkung. Am Ende des 14-tägigen Tests mit ca. 60 Prozent Autobahn und 40 Prozent Stadtverkehr liegt der Honda bei rund 5 Liter Diesel auf 100 km.

Für mich wäre dieser Wert kein Anlass, einen neuen, kleineren Motor auf den Markt zu bringen. Aber Honda schmiedet das Eisen Civic, so lange es noch heiß ist: Am Markt eingeführt wird derzeit der neue 120 PS starke 1,6-Liter-Diesel, der ein wahrer Sparkünstler sein soll. Das Fahrzeug verbraucht nach EU-Norm im Schnitt 3,6 Liter auf 100 Kilometer.

Ich kann diesen Trend zu immer sparsameren und Hubraum-reduzierten Motoren – siehe Ford Ecoboost- und Mazda Skyactive-Technologie – zwar grundsätzlich nur begrüßen, sehe aber nicht, dass dies eines der Probleme des aktuellen 2,2-Liter-Honda-Turbodiesel war.

Selbst ein in Zukunft noch niedrigerer Verbrauch durch den neuen Einstiegsdiesel wird den Civic optisch nicht ansprechender machen. Sein dicker Hintern bleibt eine Problemzone. Wer sich den aktuellen Civic und die Vorgänger-Generation mal genau ansieht, wird verstehen, warum Honda Deutschland-Vertriebsleiter Christoph Stadler zugeben muss: „Offenbar spricht das Design die emotionale Ebene der Fahrer von Fremdfabrikaten nicht an.“

In anderen Worten: Diese Formensprache versteht man in Deutschland nicht. Das Heck ist im Vergleich zur Gesamtkarosse übermächtig. Eine nach vorne zulaufende Keilform der Seitenlinie wirkt halbherzig, weil sie in der Mitte zu bauchig wird. Die geteilte Heckscheibe wird von einer gewaltigen Kunststoffspange unterbrochen. Die Dachlinie wirkt coupehaft, aber halbherzig.

Kommentare zu " Honda Civic im Handelsblatt Autotest: Augen zu und durch"

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  • Der erfolgreiche Civic aus den USA hat übrigens auch nichts mit Japan zu tun. Aber auch nicht mit Europa. Da gab es ein schickes Coupe und jetzt eine langweilige Limo. Zumindest aber kein Raumschiff. Der letzte Civic in Japan war auch eine Limo aber die war wenigstens schick: http://www.maxrev.de/civic-type-r-limousine-07-t34554.htm#pic32324

  • Der Civic ist kein Japaner. Auf Grund des mäßigen Verkaufserfolgs hat Honda den Verkauf in Japan bereits mit dem letzten Modell eingestellt. Wobei der auch hässlich war. Der neue wurde dann nur in und für Europa herausgebracht. Der einzige Civic der sich gut verkauft hat war der zwischen 1992 und 1995. Schaut man sich den aktuellen Scirocco an weiß man wie ein Nachfolger hätte aussehen müssen.

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