Honda Civic Tourer im Handelsblatt-Test
Der Quartalssäufer

Der Honda Civic Tourer kombiniert Platzangebot, Nutzwert und Komfort mit einem sehr sparsamen, aber lauffreudigen Diesel. Der Japaner empfiehlt sich als Reise- und Flottenfahrzeug – wenn man das ausgefallene Design mag.
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DüsseldorfWenn man sich bei 23 Grad Außentemperatur ins Auto setzt um gut 400 Kilometer in den Schwarzwald zu fahren, macht man sich über den Winter keine großen Gedanken. Wenn man zwei Tage später auf dem Feldberg aus dem Fenster schaut und feststellt, dass über Nacht zehn Zentimeter Neuschnee gefallen sind, fragt man sich: Wo kriege ich jetzt Handschuhe und Mütze her? Wenn man eine lange Serpentinenfahrt später in Freiburg steht und sich nicht einmal Gedanken darüber macht, ob der Wagen Winterreifen hat, denkt man sich: „guter Wagen“.

Diese Einleitung nebst Loblied hat sich der Honda Civic Tourer verdient. Seit Februar rollt der japanische Klassiker, nunmehr in der achten Generation, als Kombi durch Deutschland. Die Gene des altehrwürdigen Westentaschensportlers CRX sind beim Tourer kaum noch zu erkennen. Bei einer Länge von gut 4,5 Metern erwartet das aber auch niemand. Honda bietet den Kombi in zwei Motorvarianten an, als 1,8 Liter Benziner mit 141 PS sowie als 1,6 Liter Diesel mit 120 PS. Letzterer fand sich dann auch in unserem Testfahrzeug und verdient besondere Aufmerksamkeit – doch dazu später mehr.

Der erste Eindruck kann ja bekanntlich entscheidend sein. Und auch wenn Schönheit immer im Auge des Betrachters liegt: Das Design des Honda lässt keinen Spielraum für Grautöne (mit Ausnahme der Wagenfarbe, versteht sich). Die Optik polarisiert. Mir gefiel er zunächst gar nicht, das häufigste Feedback ist „ganz eigen“ – aber gerade wegen der auffälligen Linienführung zieht der Civic Blicke auf sich. Gut, auch weil im tiefsten Schwarzwald das gelbe britische Nummernschild ins Auge sticht.

Die abfallende Nase ist beim Civic ja bekannt. Der gewölbte Hintern lässt den Tourer bulliger und behäbiger aussehen als er eigentlich ist. Letztlich stellt sich das Auge jedoch auf die vielen Diagonalen ein. Die Fenster laufen zum Heck hin elegant zusammen. Gerade beim Schulterblick geht das aber zulasten der Übersicht. Auch vorne hilft es nicht, dass der Fahrer ein gutes Stück hinter der Schnauze sitzt. Das Abknicken macht es schwierig, die Dimensionen des Wagens abzuschätzen. In der Breite ist die Überraschung hingegen positiv: Keine 1,80 Meter misst der Kombi ohne Spiegel, bietet dafür aber viel Platz und ein gutes Gefühl in Engpässen. Auch an die Höhe von nur 1,48 Meter und den tiefsitzenden Dachhimmel gewöhnt man sich schnell.

Gut, dass zumindest der Testwagen mit einer Fülle von Helferlein ausgestattet ist. Gerade der Spurhalteassistent übertreibt zwar ganz gerne, wenn es um Abstände zum Fahrbahnrand oder den Spurwechsel geht. Insbesondere die Parksensoren, Rückfahrkamera und Toter-Winkel-Assistent sind beim Tourer aber kaum verzichtbare Hilfen.

Beim Thema Sicherheit macht Honda keine Kompromisse. Zwar fehlt das HUD, der Fahrer findet die wesentlichen Informationen jedoch allesamt in der digitalen Anzeige am oberen Rand der Armaturen. Selbst der Griff zum Lüftungsknopf gelingt blind, da auf dem geteilten Display die Infos im Sichtbereich während der Fahrt ausgespielt werden. Zudem zieht der Spurhalteassistent mittels zweier Pfeile auf die Fahrbahnmitte. Fährt man gerade, leuchtet es grün, zieht man zur Seite, wird die Anzeige blau. Ob und wie man Bremsassistenten, Abstandhalter und Cruise Control braucht und einsetzt, muss jeder für sich entscheiden.

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