Honda HR-V im Handelsblatt-Test: Der macht erst „Sitz!“, dann „Platz!“

Honda HR-V im Handelsblatt-Test
Der macht erst „Sitz!“, dann „Platz!“

Immer mehr Käufer möchten kompakte City-SUV, und die Hersteller liefern. Honda etwa belebt den HR-V neu. Und der bietet moderne Basismobilität, aber kaum Emotionen. Reicht das gegen die starke Konkurrenz?

DüsseldorfEs gibt Autos, die sind so vernünftig, und so wenig emotional, dass man sie glatt übersehen könnte. Wenn sie nicht so viele gute Eigenschaften für den Alltag hätten. Der Honda HR-V, kleiner Bruder des sehr erfolgreichen CR-V, und seit etwa einem Jahr im deutschen Handel, ist so ein Kandidat.

Der metallicblaue Testwagen in Form eines Kompakt-SUV fiel keinem Nachbarn auf, kein Passant drehte sich neugierig rum, kein Kollege fragte, ob er denn vielleicht auch mal fahren dürfe. Und doch bringt der kompakte Honda vieles mit, was man für einen pragmatischen, vielseitigen, sicheren und modernen Bestseller braucht. Vor allem die Sitze haben es in sich.

Er tritt kein leichtes Erbe an, der HR-V, denn er hatte vor etwa zehn Jahren einen etwas glücklosen Vorgänger, der genauso hieß. Der war als hochbeiniger Van mit auffälliger Karosse zwar innovativ, aber kein echter Verkaufserfolg.

Diesmal tritt Honda direkt im zurzeit am stärksten boomenden Segment an: Kompakte SUV. Dort muss man dem Kunden allerdings schon was bieten, denn die Konkurrenz ist stark und wächst ständig. Zumindest von außen bietet der HR-V aber eher Schonkost, wird dem Honda-Claim „The Power of Dreams“ bei weitem nicht gerecht, denn das City-SUV ist optisch nicht gerade ein Traumwagen.

So beginnt der HR-V mit einem markanten SUV-Gesicht, bei dem die schmalen Scheinwerfer die Breite betonen. Schon von außen ahnt man die erhöhte Sitzposition. Doch die Dachform und das sich stark nach hinten verjüngende Fensterband prägen eine Silhouette, die man als gemäßigt dynamisch bezeichnen darf.

In die C-Säule eingelassenen hintere Türgriffe unterstreichen den Coupé-Eindruck; eine von vorne nach hinten ansteigende, stark ausgeprägte Sicke betont das sich verjüngende Heck. Die Dachlinie ist etwas coupéhaft hinten nach unten geneigt und endet in einem Mini-Dachspoiler.

Innen sitzt man in dem ausschließlich als Fünftürer und Fronttriebler erhältlichen Konkurrenten von Renault Captur, Opel Mokka, Mazda CX-3 und Fiat 500x leicht erhöht, auf eher gemütlichen als sportlichen Sitzen. Und genießt eine gute Übersicht über das gesamte Fahrzeug, blickt zudem auf einen aufgeräumten Arbeitsplatz. Der ist mit Multifunktions-Lederlenkrad, einigen Chromapplikationen, etwas schwarzem Klavierlack, und Lederausstattung gut ausgestattet und überzeugt mit guter Verarbeitung. Andererseits zeigt das Armaturenbrett oben eine große Kunststofffläche, vermittelt so den Eindruck „leicht abwaschbar“.

Armaturentafel und Bedienelemente präsentieren ordentlich und zeitgemäß, allerdings sind recht viele Schalter und Taster rund ums griffig-dicke Lederlenkrad angeordnet. Sie sind leicht erreichbar, aber doch gewöhnungsbedürftig, weil man - wie in den meisten modernen Autos - erst mal lernen muss, sie ohne hinschauen zu bedienen. 

Wer sich mit den Funktionen des Interieurs näher beschäftigt, gewinnt rasch den Eindruck, der Wagen sei innen größer als außen. Es gibt zahlreiche praktische Ablageflächen und -fächer, eine große Mittelkonsole und nicht zuletzt die berühmten „magic seats“ in der zweiten Reihe, die ein Stauvolumen von bis zu 1060 Liter möglich machen. Wer Kombi fährt, wird diese Zahl niedlich finden, aber tatsächlich markiert sie in der Klasse der Kompakt-SUV einen der besten Werte.

Neu sind die magischen Sitze natürlich nicht, Honda baut sie seit Jahren in verschiedene Modelle ein, etwa in den Jazz, auf dessen Basis auch der HR-V steht: Man klappt zunächst die Sitzfläche der Fondssitze hoch und nach vorn, dann die Rückenlehne in die entstandene Lücke, schon ist der Ladeboden völlig eben.

Zudem lassen sich die Zaubersitze auch - fast wie im Kino - hochkant nach hinten klappen, so sind etwa ein Riesen-Plasma-TV oder eine Yuccapalme ohne Probleme aufrecht verstaubar. Möglich wird das Ganze, weil Honda den Tank ungewöhnlicherweise unter den Vordersitzen einbaut. Last but not least ist dank umlegbarer Beifahrersitzlehne auch das Verstauen sehr langer Gegenstände (bis 2,45 m) kein Problem.

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