Honda HR-V im Handelsblatt-Test: Knackig schalten wie im MX-5

Honda HR-V im Handelsblatt-Test
Der macht erst „Sitz!“, dann „Platz!“

Knackig schalten wie im MX-5

Nicht ganz so einfach geht es vorne in der Mittelkonsole zu, die optisch mit schwarzem Klavierlack glänzt: Sie ist in zwei Ebenen unterteilt, die untere beherbergt unter anderem mehrere USB-Anschlüsse. Wer diese erreichen möchte, sucht sich aber am besten ein ruhigen Parkplatz und lockert schon mal die Handgelenke. Denn die Nische ist klein und vom Sitz aus nur unter Mühe und orthopädisch bedenklich zu erreichen. Da könnten die Entwickler für meinen Geschmack gerne noch mal ran.

Besser gefallen hat mir der vordere Bereich der Mittelkonsole, da sitzt ein zunächst zu klein wirkender Schalthebel, eher ein schlanker Joystick. Wer mal einen Mazda MX-5 gefahren hat, wird sich an das Gefühl erinnern. Und zum Glück geht der Mini-Schaltstock roadstermäßig flott und knackig durch alle sechs Gänge. Mir hat das so viel Spaß gemacht, dass die ebenfalls angebotenen Automatik-Versionen schon deshalb keine Chance hätten.

Gegen die Automatik sprechen auch die überwiegend negativen Eindrücke anderer Tester-Kollegen, die zwar Verbesserungen gegenüber früheren CVT-Versionen einräumen, aber immer noch von nervig zäher und dauerhaft lauter Leistungsentfaltung schreiben.

Apropos Lautstärke: Eine der wenigen auffälligen Schwächen des City-SUV sind der laute, rauhe, und somit aufdringliche Lauf des Dieselaggregates, der kaum besser wird, wenn es auf Betriebstemperatur ist. Natürlich ist es nicht schlimm, wenn man einen Diesel als solchen auch im Kaltlauf akustisch erkennt. Aber im HR-V drängte sich zeitweise eine Traktor-Eindruck auf. Das wirkt einfach nicht so modern wie etwa die gute Auswahl an Fahrassistenten und das gelungene Multimedia-Infotainment.

Immerhin: Ein Drehmoment von 300 Newtonmeter bei nur 2.000 Touren fühlt sich schon richtig satt an, und mit 120 PS ist der 1,6-Liter-Vierzylinder-Turbodiesel in allen Alltagssituationen gut versorgt. Zum Sprintkönig wird der Japaner dadurch natürlich nicht: In 10,5 Sekunden geht es aus dem Stand auf Tempo 100, bei 192 km/h ist Schluss.

Zeigemäße Elektronik hat der HR-V an Bord: „Honda Connect“ bindet das eigene Smartphone ein. Über Mirrorlink lassen sich dessen Inhalte auf dem Touchscreen in der Mitte der Armaturentafel darstellen. Das Internet fährt ebenfalls mit, Garmin liefert die Navigation zu. Ein Notbremssystem gehört zum Serienumfang, und mit dabei sind eine Kollisionswarnung, ein Spurhalteassistent, ein Fernlicht-Assistent und eine Verkehrszeichenerkennung.

Hat man auf der Optionsliste noch den adaptiven Tempomaten angekreuzt, lässt sich das City-SUV um ein System erweitern, das den Wagen stets exakt in dem Tempo führt, die die Kamera am Straßenrand abgelesen hat. Und das Extra „Auto Brake Hold“ hindert den Wagen am Zurückrollen, selbst wenn man ausgekuppelt hat und der Bremsfuß neben dem Pedal ruht. In solchen Fällen leuchtet das Bremslicht.

Was könnte neben den beschriebenen Stärken und Schwächen den Erfolg des CR-V verhindern? Honda bietet zwar in den drei Ausstattungslinien „Comfort“, „Elegance“ und „Exklusive“ zwischen 19.900 und 27.490 Euro viel Auswahl, und hat (bei „Elegance“) mit Sieben-Zoll-Touchscreen, LED-Scheinwerfern, Glas-Hebe-Schiebedach, Teil-Lederausstattung, 17-Zoll-Alus und Rückfahrkamera auch moderne Zutaten an Bord. Auf der Habenseite steht außerdem ein 5-Sterne-Ergebnis beim Crashtest, und ausreichende Kopffreiheit auf den hinteren Plätzen auch für Menschen über 180 Meter Körpergröße.

Aber es gibt eben nur Frontantrieb, und nur zwei Motoren. Den 1.6 i-DTEC genannten Diesel mit 120 PS, und den Benziner als 1.5i VTEC mit 130 PS und schlappen 155 Newtonmeter Drehmoment. Und immer noch die bekannten Schwächen der 1300 Euro Aufpreis teuren CVT-Siebengang-Automatik (mit Schaltpaddles). Meine Empfehlung ist der drehmomentstarke Diesel als knackiger Handschalter.

Fazit: Brot mit Butter, plus Zaubersitze. Wer ein vor allem vielseitiges, ladefreundliches und unauffälliges City-SUV sucht, und sich selbst als pragmatischen Fahrer bezeichnet, der sollte bei einer CR-V-Probefahrt vor allem darauf achten, ob ihm Diesel oder Benziner und Automatik oder Schalter besser gefallen. Dazwischen liegen Welten.

Wirklich billig ist im Vergleich zur großen Konkurrenz keine der CR-V-Varianten. Aber unser Test-Diesel war nicht zuletzt dank aerodynamischer Finessen wie dem verkleideten Unterboden auch richtig sparsam: Nur etwas mehr als fünf Liter im ganz normalen Alltag, das ist ja nicht das schlechteste Kaufargument.

Technische Daten Honda HR-V 1.6 i-DTEC Exklusive

Motor1,6 i-DTEC Vierzylinder-Diesel, Reihe, Turbo
AntriebFrontantrieb
Getriebe6-Gang-Handschaltung
Hubraum1597 Kubikzentimeter
Leistung120 PS bei 4000 U/min
Drehmoment bei Umdrehungen300 Newtonmeter / 2000
Höchstgeschwindigkeit192 km/h
0 - 100 km/h10,5 Sekunden
Verbrauch/Testverbrauch4,0 l (Norm) / 5,4 l
CO2-Emissionen108 g/km
SchadstoffklasseA
Länge / Breite / Höhe4294 mm / 1772 - 2030 mm / 1605 mm
Kofferraumvolumen453 - 1026 l
Tankinhalt50 Liter
Leergewicht / inkl. Fahrer1315 / 1395 Kilo
Zuladung475 kg
Dachlast75 kg
Anhängelast1000 / 500 kg
Wendekreis10,6 - 11,4 Meter
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Frank G. Heide
Frank G. Heide
Handelsblatt / Redakteur Auto + Motor
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