Hyundai i20 im Handelsblatt-Test
Leisetreter mit Herz für Hinterbänkler

Dieser Polo-Konkurrent glänzt in Sachen Verbrauch, Garantie und Nutzwert, ist aber trotz Frischzellenkur keine Design-Offenbarung. Und im Alltagstest des City-Zwergs Hyundai i20 ist eine Schwäche nicht zu übersehen.
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DüsseldorfMit Tempo 80 im Hyundai i20 folge ich einem Wursthersteller-LKW auf der A52. Auf seiner Hecktür steht: „Dicke Sauerländer unterwegs“. Jaja, denke ich, „und stille Reisschüsseln auch“. Wie schon öfter in den vergangenen Tagen ist mir langweilig am Steuer des kleinen Wagens, skurriler wird es nicht mehr in den insgesamt 14 Testtagen mit diesem kompakten Koreaner, der sich ganz der Vernunft und dem Stadtverkehr verschrieben hat. Nur, wenn ich den LKW überholen wollte, würde der Adrenalinpegel steigen. Aber dazu später mehr.

Im Windschatten des Metten-Brummers fällt zunächst der Autobahnverbrauch des i20 erstklassig aus: Nur fünf Liter sind es im Durchschnitt, wenn man einfach auf der rechten Spur Richtung Düsseldorf im Pendlerfluss mitschwimmt. Und dabei herrscht im dem Auto eine Ruhe wie in der Mittelklasse.

Dass mehr als 13 Sekunden vergehen, bis die 100-km/h-Marke fällt, ist kein Drama, man wird dies in der Praxis – also in der der City und auf Kurzstrecke – dem in der Türkei gebauten Auto nur selten abverlangen. Wer regelmäßig auf die Autobahn muss, sollte etwas Geduld mitbringen: Der 1,2-Liter-Vierzylinder Benziner mit 84 PS und 5-Gang-Handschaltung braucht eine gefühlte halbe Ewigkeit, um mit zittriger Tachonadel auf Spitzentempo 170 zu kommen.

Am besten gelingen solche Sprint-Eskapaden auf abschüssiger Strecke, denn schon lange vorher, ungefähr ab Tempo 130, geht dem kleinen Koreaner mit türkischen Wurzeln die Puste aus. Wer dann noch vier Mitfahrer an Bord hat, stirbt beim Überholen aus dem Lkw-Windschatten heraus einen von Lichthupen flankierten Leistungstod am Berg – und reiht sich schlimmstenfalls wieder hinter dem Lkw ein.

Aber es ist letztlich nicht der unübersehbare Mangel an Spurtvermögen oder die fehlende Bequemlichkeit auf den viel zu kurzen Sitzpolstern, was bei längeren Autobahnfahrten unangenehm auffällt: Es fehlt schlicht der sechste Gang, und die Lenkung ist zu sensibel. Ersteres würde helfen, den geringen Durst weiter zu senken, letztere ist voll auf Stadtverkehr und Leichtigkeit eingestellt, ohne dass der Fahrer daran etwas verändern kann. An Präzision und Handling haben wir zwar nichts zu meckern, denn das Fahrwerk findet einen vernünftigen Mittelweg aus Komfort und Straffheit; aber in puncto Rückmeldung und Lenkprogression sind andere Anbieter einfach weiter.

Dass ein Auto aus dem Heimatland von Samsung, wo jedes neue Smartphone sich zu technologischen Höhenflügen aufrafft, keine Online-Anbindung oder Handy-Navigation per App anbietet, müssen wir nicht verstehen. Eine integrierte Navi-Lösung soll in ein paar Monaten verfügbar sein, doch im i20-Testwagen pappte noch ein externes Tomtom an der Frontscheibe.

Auch die Klangqualität des Unterhaltungssystems sowie dessen Einstellmöglichkeiten wirkten wie von vorgestern und waren bestenfalls Standard-Untergrenze. Beispiel: Wer den Fader des Audiosystems im fummeligen Menü auf dem kleinen Monochrom-Display auf die hinteren Boxen im Fond einstellt, erlebt: Stille. Die Ansteuerung ist da, die Lautsprecher nicht.

Für 1200 Euro Aufpreis gibt es zumindest in der von uns gefahrenen „Trend“-Ausstattung (ab 15.250 Euro mit 84 PS-Benziner) inzwischen das angekündigte Touchscreen-Navi mit Rückfahrkamera, Digitalradio und kostenlosen Kartenupdates. Aus den Türen in Reihe zwei ertönt erst in der Top-Ausstattung „Style“ Musik (ab 17.200 Euro mit 84 PS-Benziner). Alternativ offerieren die Koreaner deutschen Käufern einen Lautsprechersatz für die hinteren Türen für 40 Euro plus Montage.

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Zähe Quälerei mit dem Benziner

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