Hyundai i30 im Handelsblatt-Test Kein Volkswagen, aber einer für jedermanns Alltag

In punkto serienmäßiger Sicherheit und Ausstattung ist der neue i30 ein Vorbild unter den Kompakt-Pkw. Auch optisch hat sich die koreanische Golf-Alternative dem Wolfsburger Rivalen angenähert. Kann er ihn überholen?
Der neue Hyundai i30 tritt in der so genannten Golf-Klasse gegen beinharte Wettbewerber an. In Sachen Design und Ausstattung kann der in Europa designte und gebaute Koreaner aber zunächst mal Punkte sammeln. Quelle: Frank G. Heide
Der neue Hyundai i30

Der neue Hyundai i30 tritt in der so genannten Golf-Klasse gegen beinharte Wettbewerber an. In Sachen Design und Ausstattung kann der in Europa designte und gebaute Koreaner aber zunächst mal Punkte sammeln.

(Foto: Frank G. Heide)

München/DüsseldorfEr tritt gegen VW Golf, Ford Focus, Opel Astra, Mazda3, Nissan Pulsar, und Renault Mégane an, um hier nur mal die namhaftesten Gegner des Hyundai i30 zu nennen. Ist der in Europa designte, erprobte und gebaute Korea-Kompakte also nur einer unter Vielen? Oder stellt die dritte i30-Generation doch etwas Besonderes dar?

Von außen betrachtet stimmt erst mal alles: Scharfe LED-Scheinwerfer, die aber nicht aggressiv wirken, schauen mich aus einer flachen, langen Motorhaube an. Sie nehmen einen kaskadenförmig gestalteten Chrom-Kühlergrill in die Zange, der das Selbstbewusstsein der Marke signalisiert: Sie möchte kein asiatisches Billig-Schnäppchen sein.

Der i30 sieht tatsächlich wohltuend moderner, akzentuierter aus als sein rundlicherer Vorgänger. Die Präsenz auf dem Asphalt ist nun dynamischer. Was auch daran liegt, dass er insgesamt länger, breiter und flacher geworden ist, ohne im geringsten aufdringlich zu wirken.

Was am Hyundai i30 gefällt, und was nicht
Geschärfter Blick und neuer Kaskaden-Kühlergrill im kompakten Blech
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Der neue Hyundai i30 tritt in der so genannten Golf-Klasse gegen beinharte Wettbewerber an. In Sachen Design und Ausstattung kann der in Europa designte und gebaute Koreaner aber zunächst mal Punkte sammeln.

Elegant wirkt das neue Markengesicht
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Unter der langen, nach vorn gerundeten Motorhaube und den trapezförmigen angeschnittenen Scheinwerfern liegt der neue „von herabfließendem Stahl inspirierte Kaskaden-Kühlergrill“, wie Hyundais Marketing ihn nennt, und den sollen künftig alle Modelle der Kia-Mutter tragen.

Der Touchscreen des Multimedia-Infotainments ist ein echtes Highlight
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Das „schwebend“ vor dem Armaturenbrett angebrachte Display ist für den Fahrer leicht erreichbar und sehr gut sowie fast völlig blendfrei einsehbar.

Was sofort auffällt:
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Kniffe und Schwünge im Blech sind verschwunden. Front und Flanken nun sehr flächig gestaltet. Eine dezente Schulterlinie von den Rückleuchten bis zu den Scheinwerfern sowie eine leichte Vertiefung zwischen vorderen und hinteren Radhäusern geben der Karosse Kontur.

Mehr Luxus an Bord, wenn die Kreuzchen auf der Optionsliste stimmen
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Mehrstufige Sitzkühlung und Lenkradheizung haben auch bei Hyundai ihren Preis und gehören bei den Basisversionen nicht zur Ausstattung. Wer sie sich gönnt, wird aber zu Sommer- und Winterzeiten deutlich mehr Komfort genießen.

Um vier Zentimeter auf 4,34 Meter gestreckt und fast zehn Zentimeter breiter präsentiert sich der neue i30
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Außerdem steht er nun flacher als der Vorgänger auf den Reifen, was ihn stattlicher erscheinen lässt. Auch wenn der Radstand mit 2,65 Meter unverändert blieb, schaffen die gewachsenen Proportionen mehr Platz für Passagiere und Pakete.

Blick auf den Fahrer-Arbeitsplatz
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Die Lenkung funktionierte bei ersten Testfahrten sehr leicht und präzise, sie macht vor allem in der Stadt Spaß. Das Fahrwerk ist eher auf Komfort ausgelegt als auf sportliche Kurvenjagd, die Sitze böten dafür auch zu wenig Seitenhalt.

Innen setzt sich der gute Eindruck fort: Vor allem die besser ausgestatteten Versionen verwöhnen mit guter Materialauswahl und ungewöhnlichen Extras, tadellose Verarbeitungsqualität und eine besonders lange Garantie sind ohnehin selbstverständlich. Man sitzt gut, das Raumgefühl ist besser als der Begriff Kompaktklasse verspricht, und die Bedienung sämtlicher Fahrzeugfunktionen konnte während der ersten Testfahrt-Kilometer quasi nebenbei „gelernt“ werden.

Andererseits kommt ein Hyundai immer noch nicht an die vorbildliche Haptik der VW-Bedienelemente und die aufgeräumt-sachliche Anmutung von Wolfsburger Innenräumen heran.

Wer nachzählt, kann im i30 rund 50 Knöpfe und Schalter entdecken. Andererseits haben Designer und Ingenieure sie gut und in Ebenen gruppiert, sodass niemand verwirrt dreinschauen muss. Außerdem liegt alles Wichtige gut erreichbar nah für den Fahrer.

Doch schon nach wenigen Minuten gibt es was zu meckern: Ausgerechnet der Motor, dem Hyundai in Deutschland die besten Verkaufsprognosen stellt, macht mir beim Anfahren und Schalten wenig Freude. Der 1,4 Liter-Turbo-Vierzylinder-Benziner hat eine Leistungslücke, die ihn nur mit Verzögerung anfahren lässt und die den Durchzug unterbricht, wenn man sich nicht auf mindestens mittlerem Drehzahlniveau befindet. Im Bereich zwischen 1.200 und 2.500 Umdrehungen ruckelt der Wagen oft, der Beifahrer bestätigt das bei Schaltvorgängen durch unfreiwilliges Kopfnicken in den Leistungslöchern.

Ab 3.000 Touren zieht der Turbo gut durch, ab 5.000 Umdrehungen wird es dann jedoch zäh. Ein Geduldsspiel beginnt und die Nadel des Drehzahlmessers kriecht dem roten Bereich entgegen, der bei 7.000 Touren liegt. Das Geräuschniveau dabei ist gut, die Dämmung der Kompaktklasse angemessen.

Zweiter Kritikpunkt: Das Fahrwerk dürfte für meinen Geschmack etwas härter, sportlicher sein. Die Federung ist komfortabel, mir persönlich war sie zu weich, was sich bei forscher Fahrweise in einer nicht unerheblichen Seitenneigung und einem unwiderstehlichen Drang nach außen an den grünen Grasrand schneller Kurven ausdrückt.

Nicht wirklich beunruhigend, der Wagen sendet einfach nur das Signal: „Bitte keinen Sport. Ich bin ein Held des Alltags.“ Wer Kurvenhatz möchte, sollte auf die bereits angekündigte supersportliche „N“-Variante warten, die bereits auf der Nordschleife Renneinsätze probt.

Das „schwebend“ vor dem Armaturenbrett angebrachte Display ist für den Fahrer leicht erreichbar und sehr gut sowie fast völlig blendfrei einsehbar. Quelle: Frank G. Heide
Der Touchscreen des Multimedia-Infotainments ist ein echtes Highlight

Das „schwebend“ vor dem Armaturenbrett angebrachte Display ist für den Fahrer leicht erreichbar und sehr gut sowie fast völlig blendfrei einsehbar.

(Foto: Frank G. Heide)

Andererseits: Das war es auch schon mit der Kritik, ohne Erbsenzählerei findet sich ansonsten wirklich nichts zu meckern am i30. Großes Lob verdienen beispielsweise zwei der Motor-Alternativen zum 1,4-Liter-Turbo: Der 1,0-Liter Drei-Zylinder-Turbo ist ein unerwarteter Quell der Freude. Er wirkt quirlig, spritzig, fällt anders als sein größerer Bruder auch nicht ins Turboloch.

Und er wird im Alltag mit 120 PS spielend mit allen Herausforderungen für den i30 fertig, vielleicht mal abgesehen von Anhänger ziehen. Dafür empfiehlt sich natürlich das stärkste und beste im Programm: Der bewährte 1,6-Liter Diesel, ein alter Bekannter, Soundmäßig versteckt er seine 136 PS nie, und sein vorzeigbares Drehmoment von 300 Newtonmeter macht einfach Spaß.

Viel Sicherheit, wenig Emotion
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