Jaguar F-Type im 100. Handelsblatt-Autotest
Gentleman, start your engine!

Mit weit aufgerissenen Auspuffklappen lässt der F-Type beim Motorstart einer schier unbändigen Lebensfreude freien Lauf. Doch nicht nur beim Anlassen vermittelt der 911er-Konkurrent vor allem eines: Fahrfreude pur.
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Viele Autobauer haben inzwischen den klassischen Zündschlüssel durch einen modernen Startknopf ersetzt. Mal dezent in Armaturenbrett oder Mittelkonsole integriert, mal auffällig lackiert, wie der Startknopf einer Rakete. Jaguar geht beim F-Type einen anderen Weg: Der kupferfarbene Anlass-Knopf sieht schick aus, der Start-Schriftzug flackert rot hinterleuchtet auf – im Rhythmus eines Herzschlags. Als ob er darum bettelt, endlich gedrückt zu werden. Um anzudeuten, was danach mit dem Puls des Fahrers passiert: Herzrasen.

Tun wir ihm den Gefallen.

Mit weit aufgerissenen Auspuffklappen lässt der F-Type beim Motorstart einer schier unbändigen Lebensfreude freien Lauf. Während der Drehzahlmesser in die Höhe schnellt, trompeten die beiden mittig angebrachten Endrohre das Fauchen des Motors in die Umwelt.

Ja, das machen inzwischen viele Sportwagen, es gehört zum wohl kalkulierten Erlebnis besonders schneller und teurer Autos. Doch die Inbrunst, mit der der F-Type sich zum Dienst meldet, lässt nicht nur unbeteiligte Kinder und Haustiere in seiner Umgebung erschrecken. Auch der erfahrene Autotester liest es an den aufgerichteten Häärchen an den Unterarmen ab: Das ist was Besonderes.

Und dabei steht der 380 PS starke Sechszylinder gerade erst mal in der Garageneinfahrt. Wie muss dann erst der große Fünfliter-V8 das Wohngebiet erbeben lassen, wenn bereits der V6 – in der Basis auch mit 340 PS erhältlich – den Nachbarn am Sonntag Morgen aus dem Bett fallen lässt? Aus Gründen der Nachbarschaftspflege wollen wir das zunächst einmal nicht wissen.

Akustische Erektion

Was Sportwagen-Fans alter Schule schöner als Musik in den Ohren klingt, kann überzeugte Radfahrer oder ÖPNV’ler schnell in Wallung versetzen. Dabei sieht man dem F-Type den akustischen Krawall zunächst gar nicht an. Das Cabrio bedient sich der Proportionen des legendären Vorgängers E-Type. Vor dem weit nach hinten versetzten Fahrgastraum türmt sich eine lange Motorhaube auf – die Maße eines BMW Z4 erreicht der F-Type-Maschinenraum allerdings nicht.

Sportlich, aber eher elegant als prollig, wirkt das auf die Augen der meisten Betrachter. Bis zum Anlassen. Und das kann auch nach dem 32. Druck auf den Startknopf peinlich werden, denn Abschalten lässt sich die akustische Erektion nicht.

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