Jeep Grand Cherokee im Test: Spaghetti-Western mit Regie-Schwächen

Jeep Grand Cherokee im Test
Spaghetti-Western mit Regie-Schwächen

Dieser ur-amerikanische Großstadt-Cowboy rettet dem italienischen Fiat-Konzern die Bilanz. Der frisch überarbeitete Jeep Grand Cherokee verkauft sich prächtig - und zeigt doch viel Raum für Optimierungen.

DüsseldorfWer dieses Auto bewegt, gibt ein Statement ab. Im Jeep Grand Cherokee sagt man seiner Umgebung: "Ich throne über der Masse, bewege mit Leichtigkeit etwas Mächtiges, und bin dabei besser geschützt als der Durchschnitt." Das muss nicht jedem gefallen. Ein Nachbar schimpft über das schwarze Riesen-SUV in meiner Einfahrt: "Das ist ja obszön, wie groß der ist. Das braucht doch kein Mensch!"

Doch da täuscht er sich gewaltig: Rund fünf Millionen Jeep Grand Cherokee sind seit dessen Markteinführung 1992 verkauft worden. Dieser Wagen, der mir so typisch amerikanisch vorkommt wie ein Big Mac, ist mittlerweile das in Europa meistverkaufte Auto seiner Klasse. Und die Fiat-Tochter hat als Submarke von Chrysler 2013 den besten Absatz ihrer Geschichte hingelegt: Weltweit 731.565 verkaufte Fahrzeuge, das sind vier Prozent beziehungsweise fast 30.000 Autos mehr als im Jahr davor.

In Deutschland zogen die Verkäufe des Grand Cherokee von 2012 auf 2013 um rund 60 Prozent an, ab Februar 2014 kann Fiat-Chef Marchionne sogar die Preise des Modells dezent erhöhen. Davon träumen die meisten anderen Anbieter.

Meine erste Vermutung angesichts des schwarzen Testfahrzeugs mit dem aggressiven Kühlergrill im Gitterstabdesign einer Gefängniszelle: Den kaufen sich kleine Männer als großen Ego-Booster. Doch die Erfolgsgeschichte wird von guten Argumenten getragen: Jeep-Käufer mögen das im Verhältnis zum Wettbewerb bemerkenswerte Preis-Leistungsverhältnis, die seit Jahrzehnten gereifte Allrad-Kompetenz, die Wohnzimmer-mäßige Ausstattung, und den luftgefederten Fahrkomfort. Und neuerdings, seit dem jüngsten, dezenten Facelift des Wagens, auch eine neue Acht-Stufen-Automatik.

Gerade diese Neuerung zeigt aber im Testbetrieb Schwächen. So landet man oft ungewollt beim Losfahren bei S, also im Sport-Modus, wenn man den Wählhebel von der Park-Stellung aus auf D zieht. Das liegt daran, dass die Position D/S (Dauerbetrieb/Sport) doppelt belegt ist, man wechselt zwischen beiden Modi durch einmaliges ziehen.

Wer mit den Paddles am Lenkrad schaltet, bewirkt damit, dass der sparsame Eco Modus verschwindet, und nur über Umwege wieder aktiviert werden kann. Das ist umständlich, nervig.

Drehzahlen jenseits der 3.000 Touren verhindern außerdem, dass man manuell überhaupt herunter schalten kann. Eine technische Bevormundung, die stärkeren Einsatz der Motorbremse verhindert, und das Vorhandensein der Paddles infrage stellt.

Rätselhaft blieb außerdem für mehrere Testfahrer, warum die Automatik zwar grundsätzlich die Drehzahl sehr niedrig hält, und spritsparend früh und butterweich hoch schaltet, von diesem Prinzip aber auffällig oft willkürlich und nicht nachvollziehbar abweicht.

Der auf diese Art verblüffte Fahrer kontrolliert, ob er versehentlich im Sportmodus fährt, was aber nicht der Fall ist. Es kann also nur am Gasfuß liegen, dessen Druck von der Elektronik anders interpretiert wird, als es der Fahrer sich denkt. Nur ein Übersetzungsfehler? Es war trotz intensiver Bemühungen aber nicht plausibel belegbar was diese plötzlichen Eigenwilligkeit der Automatik erzwingt bzw. vermeidet.

Eigenmächtigkeiten nimmt sich Jeep bei der Navi-Bedienung heraus, diese funktioniert nur während der Fahrt, wenn man den Dialog mit der Maschine sucht. Der Tot-Winkel-Warner und der Notbremsassistent zeigten sich ebenso wie der Tempomat technisch nicht auf dem Niveau von Premium-Konkurrenten (siehe Fahrtenbuch auf Seite 3).

Immerhin: Der Sportmodus funktioniert ausgezeichnet. An der Ampel ein Sprintkönig zu sein, ist mit diesem Schrank von Auto kein Problem. Und wer gerne mit Wohnwagen oder Pferdeanhänger unterwegs ist wird sich über eine Anhängelast von 3,5 Tonnen freuen. Der drei Liter große V6-Diesel hat ein sattes Drehmoment von 570 Newtonmeter schon bei 2.000 U/min und verfügt über 250 PS bei 4.000 Touren. Ein starkes Herz für einen gewaltigen Körper.

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