Kia Optima im Handelsblatt-Test
Bunte Socke der Mittelklasse

Wenn einer bunte Socken trägt, dann hat er keine Angst aufzufallen. Wenn ein Hersteller sagt, sein Auto sei ein bunte Socke, dann könnte man an einen Exoten denken. Aber eher nicht an einen Kia Optima. Oder etwa doch?

DüsseldorfTja, der neue Kia Optima. Eine weitere ausgereifte Mittelklasse-Limousine, die gegen Passat, Insignia & Co. antritt. Wer soll darüber lachen? Das ist ja vielleicht sogar das Schwierigste. Und doch, es geht. Das bewies Kia neulich mit einem extra für das Superbowl-Finale des American Football kreierten TV-Spot (siehe oben). Der kostet zu dieser Prime Time gerne auch mal 4,5 Millionen Dollar für 30 Sekunden, weil beim Sport-Highlight bis zu 100 Millionen US-Zuschauer vor der Glotze hocken. Da lassen sich Kreative natürlich was Besonderes einfallen.

So agiert im Kia Optima-Spot ein zwischen unbeteiligt und genervt wirkender Christopher Walken (Achtung, Wortspiel!) im walk in-closet eines Beige-Socken-Trägers. Der Mime im begehbaren Kleiderschrank erklärt mittels Strumpf, warum der neue Kia Optima die bunte Socke in der automobilen Mittelklasse ist, die Farbe ins Leben ihres Fahrers bringt. Witzig gemacht, dank Walken.

Die zu diesem Zeitpunkt auf Youtube rund vier Millionen Mal angeklickte und etwa 10.000 mal kommentierte Werbung hat aber mit der Realität so viel zu tun, wie die Kuh mit dem Sonntag. Rein emotional betrachtet ist der Optima genau so eine blasse Socke, wie viele andere Mittelklasse-Limousinen in diesem traditionell konservativen Wettbewerbsumfeld. Zumindest wirkt das auf uns Deutsche so, die wir seit Jahren mehrheitlich lieber in SUV, Kombis oder Sportwagen einsteigen. Der Amerikaner hat, ebenso wie der Chinese, ein deutlich entspannteres Verhältnis zur kutschenförmigen Karosserie.

Der Optima hat es in anderen Ländern demzufolge leichter, von den weit über eine Million produzierten Brot-und-Butter-Autos pro Jahr fahren hierzulande nur einige Hundert herum. Hersteller sprechen in solchen Fällen gerne vom wichtigen „Markenbotschafter“.

Dabei kann man dem Optima technisch und optisch gar nichts vorwerfen; er ist rundum gut gelungen. Was ihm abgeht, ist genau der Schuss Emotion, Frechheit, Vorwitz, den die Werbung so gerne heraufbeschwören möchte.

Zwar wirkt der Neue mit seinem schärfer konturierten Blech optisch etwas weniger belanglos als die vorige Generation, aber richtig aufregend sieht er halt immer noch nicht aus. Auf Anhieb besser als beim Vorgänger: Die 4,86 Meter Länge sind etwas coupéhafter gestreckt und eine neue Fensterlinie verhilft der Seitenlinie zu mehr Präsenz auf der Straße.

Die breite und flache Front ist Kia-typisch mit einem „Tigernase“-Kühlergrill geschmückt, was hier auch Sinn macht, weil es nicht aufgezwungen wirkt, wie beim neuen Sportage. Größere Lufteinlässe, Spoiler und um die Ecken gezogene Leuchten unterstreichen eine Dynamik, die sich aber nur demjenigen erschließt, der sich überhaupt Mittelklasse-Limousinen anschaut.

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