Kia pro_cee´d GT im Test
Sports-Kanönchen mit hübscher Tiger-Nase

Wer hätte das gedacht? Kia, die sachliche und preisbewusste Hyundai-Tochter wird plötzlich emotional, grell geschminkt und ein bisschen laut. Ist es die Pubertät? Den Jungs gefällt es jedenfalls.
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DüsseldorfWow, dieses Auto hat das Kia-Team um den ehemaligen VW-Designer Peter Schreyer aber wirklich gut hinbekommen: Aggressiv und dynamisch präsentiert sich der sportlichste Kompakte, den Kia im Programm hat. Scharfe Linien und schwungvoll geformte Scheinwerfer streben nach hinten und verleihen dem pro_cee´d GT dadurch einen richtig angriffslustigen Blick.

Der schwarze „Tigernasen“-Frontgrill und der Frontspoiler machen einen auf klassische GTI-Optik, und als Highlight gibt es bei der 204 Turbo-PS starken Sport-Variante des cee´d ja noch die „Ice Cubes“. So heißen die zum Quadrat gebündelten jeweils vier LED-Spots ganz unten in der Frontschürze. Die können sich schon deshalb sehen lassen, weil sie die gleiche Lightshow veranstalten wie ein Porsche Panamera Turbo S.

Optisch nah dran an den Wolfsburger GTI-Modellen, an denen sich in dieser Klasse alles messen lassen muss, ist die Außenoptik mit den auffällig lackierten Bremssätteln hinter den schwarzen 18-Zoll-Sportreifen und den kleinen Seitenschwellern sowie den dicken Lufteinlässen in der Frontschürze. Sie zeigen, warum braucht die Hyundai-Tochter das Modell überhaupt im Programm hat: Ein Kompaktsportler ist immer ein wenig unvernünftig, sprich emotional – und damit besser fürs Image als vernünftige Brot-und-Butter-Wagen.

Das schneeweiße und flach auf die Breitreifen geduckte Korea-Coupé erinnert an den Scirocco und den Volvo C30. Auch die haben ganz typische und weit ausgestellte hintere Radläufe, die dem Heck eine unverwechselbare, muskulöse Optik verleihen.

Bei unserem GT kommt noch ein großflächiges Panorama-Glasdach hinzu, dass die von roten Zierlinien umrahmte weiß-schwarze Gesamtoptik enorm aufwertet. Hinten rundet ein gut integrierter Dach-Spoiler das Kraftpaket ab.

Die Annäherung an den einladend sportlichen Testwagen fällt leicht, genauso wie die erste Sitzprobe in den eng geschnittenen Recaros. Die sind nur eines von zahlreichen Highlights im komplett schwarzen Cockpit und halten jedermann seitlich gut fest. Wie sich später auf Langstrecke zeigt, sind sie aber auch Teil des Vorwurfs, dass der „GT“ einen falschen Namen zur Schau stellt.

Denn durch die angedeutete Form einer Renn-Sitzschale ragt die Kopfstütze auffällig weit nach vorn, zu weit. Was auf kurzen Strecken tolerierbar ist, wird auf Autobahn-Etappen zur Zumutung. Ich fahre Düsseldorf- Hamburg-Düsseldorf an einem Wochenende, und muss mir prompt den steifen Nacken wegmassieren lassen.

Ein Zugeständnis an den Preis, der deutlich unter 30.000 Euro liegt, findet sich ebenfalls am Gestühl: Lediglich der Fahrersitz war im Testfahrzeug komplett elektrisch verstellbar, der Beifahrer musste noch selber Hand anlegen.

Bis auf diese Kleinigkeit macht der Sport-Kia aber lange wie und kurze Ausfahrten zum Vergnügen. Er ist leicht, kompakt, und tritt stets agil zum Zwischenspurt an. Ein potenter, Turbo GDi genannter, Vierzylinder-Benziner mit 1,6 Liter Hubraum bekommt als Direkteinspritzer durch einen Twin-Scroll-Turbo richtig Druck. 265 Newtonmeter Drehmoment liegen bei 1.750 bis 4.500 Touren an, das ist zwar leicht unter Golf-GTI-Niveau, reicht aber aus, um den Spurt aus dem Stand auf 100 km/h in 7,7 Sekunden zu bewältigen.

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