Kia Sorento im Handelsblatt-Test
Der Koreaner, der Q5 und Co. herausfordert

Der Kia Sorento kann alles, was man von einem modernen SUV erwartet. Was nicht heißt, dass er es besser macht als andere. Er punktet bei Extras, Garantie und Preis. Eine andere Sache ist das mit dem Premium-Anspruch.
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DüsseldorfDer weiße Riese hat einen Claim: „The Power to surprise“. So lautet der Anspruch des Kia-Marketings: Man hat die Kraft zu überraschen. Zwar ist der Werbeanspruch der Hyundai-Tochter hierzulande weithin unbekannt, aber das zum Claim passende Testfahrzeug soll ja den echten Beweis antreten. Er ist tatsächlich ein weißer Riese, der neue Sorento, mit dem Kia aus der Mittelklasse heraus in Richtung Premium steuert. Zu fairen Preisen, und einem Extra, das kein Konkurrent bietet: Sieben Jahre Garantie, die koreanische Spezialität des Hauses.

Gewachsen ist das SUV, das es mit und ohne Allradantrieb gibt, in jeder Beziehung. Um knapp zehn Zentimeter auf fast vier Meter achtzig legte der Sorento in dritter Generation zu und ist weiterhin als Fünf- oder Siebensitzer erhältlich. Damit entfernt sich der Sorento wieder vom etwas kleineren Sportage, und von seinen Wurzeln, denn er startete mal als Geländewagen unter den SUV.

Das neue Basismodell für mindestens 34.990 Euro fährt wie bisher mit einem 2,4 Liter großen Vierzylinder und 138 kW/188 PS, aber ohne Allrad. Unseren Testwagwen treibt allerdings die einzige in Deutschland angebotene Dieselmotorisierung an, ein 2.2 CRDi mit 200 PS. Er dürfte, mit gehobener Inneneinrichtung, wohl 90 Prozent des Verkaufs ausmachen.

Die Ausstattungsskala reicht vom Einstieg mit „Edition 7“ über „Vision“ und „Spirit“ bis hin zur „Platinum-Edition“, die wie im Fall des Testwagens mit Sechs-Gang-Automatik und Allradantrieb mit 51.190 Euro in der Liste steht. Das hört sich viel an für einen Kia.

Mit Blick auf die deutschen Mitbwerber und ihre extralangen Optionslisten muss man aber festhalten: Es ist wirklich eine Menge drin in diesem Preis, darüber hinaus kann man nur noch eine dritte Sitzreihe (900 Euro), Metallic- oder Perleffekt-Lackierung (580 Euro) und abnehmbare Anhängerkupplung (690 Euro) ordern. Der Vergleich mit einem Touareg zeigt: Dort passen 100 Liter weniger hinten rein, eine dritte Sitzreihe bietet VW gar nicht erst an.

Intelligent einparken, Heckklappe sensorgesteuert öffnen, Verkehrszeichenerkennung, Spurwechselassistent, adaptive Geschwindigkeitsregelung inklusive Frontkollisionswarner, der auch automatisch bremst, Sitzkühlung, zehn Infinity-Boxen, Zweizonen-Klimaautomatik, Xenon-Scheinwerfer, Querverkehrswarner: Der Blick auf Extras, Assistenten und Sicherheitsfeatures, die unser weißer Riese auffährt, überrascht echt, das hatten wir so nicht erwartet. Bislang war dieser Kia ein großer Unbekannter auf der persönlichen Wahrnehmungsskala.

Vielleicht war er bislang nicht emotional genug? Was bei einem Mittelklasse-SUV ja auch schwer ist. Doch nun hat das Designteam um den Deutschen Peter Schreyer wieder den Bleistift angesetzt. Den neuen Sorento haben die Gestalter dynamischer, kraftvoller gezeichnet: Der Kühlergrill wurde im Vergleich zum Vorgänger größer, und die tropfenförmigen Elemente innerhalb der spangenförmigen Maske wirken stylish - wie beim Mercedes CLA wurde hier einiges auf jugendlich getrimmt.

Zehn Zentimeter Längenzuwachs (acht sind es beim Radstand) wurden außerdem genutzt, um die Form zu strecken. Zum Beispiel mit einem schmaleren, nun hinten sehr spitz zulaufenden Fensterband. Und auch das gewaltige SUV-Heck mit der nun elektrisch öffnenden Heckklappe ist optisch leichter, sportlicher geworden.

Die erste Platzprobe zeigt, die Entwickler gingen auch innen ehrgeizig ans Werk. Alle Bedienelemente sind klar gegliedert, das Cockpit ist groß, das Display des Multimedia-Infotainments sauber und ebenso wie die Lüfterdüsen mit Chromumrandung aufgewertet. Alles sieht gut und hochwertig aus. Fasst man allerdings das Armaturenbrett fest an, wird klar: Das ist geschäumter Kunststoff, der dank einer Pseudo-Naht seinen Leder-Look bekommt. Das mag pflegeleicht sein, hat man beim Wettbewerb aber auch schon hochwertiger gesehen.

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