Lada Taiga im Handelsblatt-Autotest
„Verdienter Held der Sowjetunion“

Der prominenteste Chauffeur des Lada Taiga heißt Wladimir Wladimirowitsch Putin. Was würde der russische Präsident wohl sagen, wenn er Testfahrer unseres Handelsblatt-Autotests wäre? Wir geben ihm das Wort.
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Düsseldorf/MoskauMein „Schätzchen“! So würdet ihr in Deutschland "Lada Niva“ übersetzen. Und ich bin der Meinung, das passt besser als „Taiga“ – so wie ihr Fritzen ihn neuerdings umgetauft habt.  „Taiga“ – das klingt nach Nadelwald und Dauerfrost. In Niva dagegen steckt Gefühl, da steckt Seele, darin steckt Russland. Deswegen bleibt euer Taiga für mich mein Lada Niva.  Ich habe den Geheimdienst gefragt: „Warum nehmen die Deutschen einen neuen Namen?“ Die Antwort war, dass der Niva die deutschen Crash-Vorschriften nicht schafft. 

Und da unsere Ingenieure gerade U-Boote, Raumfahrzeuge und Raketenabwehrkanonen konstruieren und keine Zeit haben, sich um so etwas zu kümmern, haben unsere Exporteure vorgeschlagen, den Niva umzubenennen und ihn in Deutschland als Kleinserienfahrzeug anzumelden. Da sind die Vorschriften dann nicht so streng. Findige Leute, diese Exporteure.

Ich habe gesagt: Macht, was ihr wollt mit den pingeligen Fritzen. Die können nicht mal eigene Mondraketen bauen, aber wollen uns Russen etwas in Technik vormachen? Nein – das macht ihr nicht mit mir. Nicht mit Waldimir Wladimirowitsch, der sein Schätzchen liebt. So wie ich einst Ljudmila liebte, bevor wir uns auseinander gelebt haben. Aber was rede ich da.

Ich fahre Niva. Basta. Der Schröder hat mir gesagt, bau hinten einen Gastank ein, dann kannste Gazprom tanken. Der Schröder ist ein Schlitzohr. Hatte wieder seinen eigenen Vorteil im Kopf – und vergaß glatt darüber, dass Gazprom auch in Öl macht. Ich hab es ihm zu Liebe und wegen der deutsch-russischen Freundschaft dennoch gemacht. Habe für 2.850 Euro einen Gastank einbauen lassen, schön unsichtbar unter dem Kofferraum. Wenn ich mehr als 10.000 Kilometer pro Jahr mit dem Schätzchen fahre, habe ich den Preis nach gut drei Jahren drin. 

Dafür ist mein Niva etwas langsamer mit Gas. Ich kann aber mit einem Knopfdruck auf Benzin umschalten. Dann habe ich zwei Tanks und komme glatt von Moskau bis Polen ohne zu halten. Hätte Väterchen Stalin gefallen. Auch dass er säuft, egal ob Benzin oder Gas, hätte ihn nicht gestört. Ich selbst finde das auch nicht so schlimm. Ich kann mich zwar zügeln, aber ich werde doch russische Urtugenden nicht unterdrücken. Ich bin ja nicht der Zar!

Das Getriebe macht abenteuerlichen Radau ab Tempo 130. Radio hören kann ich vergessen, mache ich aber sowieso nicht mehr, seit die nur noch Pussy Riot rauf und runter spielen. Beim ehemaligen kapitalistischen Klassenfeind wird der Lärm auf unsere russischen Wälzlager zurückgeführt. Sie sind in der Tat eine hervorragende Erfindung aus der Sowjetunion – aber gehen eben wie alles wahrhaft Lebendige irgendwann über die Wolga. Wer will schon ewig leben?

Dass alle im Lada verbauten Wälzlager noch von einer sozialistischen Planungspanne mit anschließender Überproduktion aus den siebziger Jahren stammen, ist eine böse Unterstellung des Klassenfeinds. Ich sage ja auch nichts gegen die rollenden Reisschüsseln aus Korea und Japan, die in den Schlämmen Sibiriens aufgeschmissen wären. Gut – der Zylinderkopf und das Verteilergetriebe waren vor 35 Jahren, als der von mir sehr geschätzte Genosse Leonid Illjitsch Breschnew den ersten Lada Niva betrachtete, eine Eigenkonstruktion.

Den Rest haben wir damals von Fiat bekommen. Irgendwie hielt das, was die Italiener machten, länger, während unsere Zylinderköpfe dauernd platzten. Ich habe damals dafür gesorgt, dass der Berlusconi an die Regierung kommt, seitdem geht es mit Italien bergab, während wir uns mit russischer Ausdauer nach vorne kämpfen.

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  • Was hat Odessa mit Russland zu tun? Seit wann heißt Niva Schätzchen? Und Selbstgebrannter ist Samogon, kein Wodka. Schlechte Recherche - überheblicher Unterton. Schade!

  • Ich bin gerade in den letzten 2 Wochen den Lada 4x4 in Iceland gefahren. Nicht als snob, sondern weil Leihwagen schweineteuer in Iceland sind. So auch der Lada für 2 Wochen incl Ersatzkanister und Abschleppseil für 1.700 Euro. Das Teil ist oberammergeil. Rauh, zuverlässig und mit wilderness-Charme. Jeder akzeptiert die Schleuder als off-roader, selbst nach der Krise in Iceland fährt jmd mit Status-Gehabe die Russenschleuder niemals mehr, es sei den Hartz 4 hat ihn gebucht. Aber irgendwie hat der die Seele eines selbstgebrannten Vodka - der muckt nie ( er hat keine Elektronik, sondern nur einen echten Knüppel - aber was sage ich!) und haut kräftig im Gelände ran. Ich überlege, einen solchen Kumpel in Ddorf in die Garage zu stellen und den Rest der Truppe neidisch nebendran zu stellen.

  • Der Lada Niva ist im Gelände unschlagbar oder versuchen Sie das mal mit einem anderen Offroader nachzumachen:

    http://www.youtube.com/watch?v=M6h9IBfZ-RY

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