Land Rover Discovery im Handelsblatt-Test Allrad-Star ohne jegliche Allüren

Seit 25 Jahren schwimmt der naturverbundene Land Rover Discovery gegen den Modetrend zum SUV. Der knorrige Allradler hat als waschechter Offroader im Gelände mehr zu bieten, als die meisten Fahrer sich trauen.
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Das muss das Auto abkönnen: Bei einem Land Rover Discovery gehört Auslauf im rauen Gelände und Schmutz zur artgerechten Haltung. Er ist ein Geländewagen, kein SUV. Und taugt doch für lange Reisen. Quelle: Sebastian Schaal

Das muss das Auto abkönnen: Bei einem Land Rover Discovery gehört Auslauf im rauen Gelände und Schmutz zur artgerechten Haltung. Er ist ein Geländewagen, kein SUV. Und taugt doch für lange Reisen.

(Foto: Sebastian Schaal)

DüsseldorfEr ist seit Jahren so etwas wie die graue Maus im Modellangebot von Land Rover. Zwischen dem glamourösen Range Rover samt dynamischem Sport-Ableger und dem Verkaufsschlager Evoque wirkt der Discovery ein wenig aus der Zeit gefallen. Vermutlich, weil es sich über inzwischen 25 Jahre treu geblieben ist. Als Geländewagen, nicht als modischer SUV.

Wo sich so manch SUV mit seinem adaptiven Sportfahrwerk brüstet oder andere vollends im automobilen Luxus schwelgen, winkt der kantige Allrad-Klassiker jeweils ab. Er stellt inzwischen eine Art eigenes Genre dar: Ein komfortables Reiseauto, gepaart mit einem expeditionstauglichen Allradantrieb und viel Nutzwert.

Stadt, Land, Fluss und Steinbruch
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Der Land Rover Discovery gehört zu den letzten waschechten Geländewagen. Selbst ein Mercedes G-Modell ist inzwischen des Luxus wegen „verweichlicht“, bei den großen Offroadern steht dem „Disco“ eigentlich nur noch der Toyota Land Cruiser entgegen. Und natürlich der nicht tot zu kriegende Land Rover Defender. Doch es gibt einen großen Unterschied zwischen den beiden Landis: Was im Defender mechanisch funktioniert, wird im Discovery von der Elektronik erledigt.

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Um die Geländefähigkeiten des Discovery ein wenig auszuloten, haben wir das Trainingsgelände von Land Rover Experience in Wülfrath besucht. In dem ehemaligen Steinbruch im Bergischen Land fordern extreme Gefälle, Treppen, Wasserlöcher und weitere Hindernisse die Luftfederung und die beiden Sperrdifferenziale heraus.

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Eine Steigung von 110 Prozent zu überwinden ist selbst für ein SUV machbar. Mit etwas Schwung geht das. Der Discovery wäre kein echter Geländewagen, wenn er da nichts draufsetzen könnte: Er kann an dieser Steigung sogar anhalten und ohne größere Probleme wieder anfahren. Das fordert die variable Steuerung des Allradantriebs heraus.

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Sämtliche Übungen wie auch dieses Treppensteigen haben wir mit der Serienbereifung bewältigt. Grobstollige Geländereifen würden an solchen Hindernissen oder auf schlammigen Boden mehr Traktion liefern, müssten aber nach dem Tag im Steinbruch wieder runter. So konnten wir einfach den Dreck abspritzen und nach Hause fahren – ohne Reifenwechsel.

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Kleinere und wendigere Geländewagen würden sich bei der ein oder anderen Übung vermutlich etwas wohler fühlen als der Discovery. Sein Gewicht von über 2,5 Tonnen und die Länge von 4,83 Metern sind im Gelände nicht immer von Vorteil.

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Diesen Nachteil versucht er mit moderner Technik zu kompensieren. Und das ist nicht die übliche SUV-Technik, die den großen Kasten zu einem besseren Auto auf der Straße und in der Stadt macht, sondern die Vorteile im Gelände bringt.

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Während so manch Straßenautos Rundum-Kameras nutzt, um besser in schwer einsehbare Kreuzungen blicken zu können, helfen die beiden nach unten gerichteten Kameras in den Außenspiegeln abseits der Straßen. So hat der Fahrer auf dem Monitor bestens im Blick, was neben seinen Vorderreifen geschieht: Komme ich um den Felsen herum oder in unserem Fall die schmale Rampe mittig hinauf?

Es mag kleine und leichte Offroader à la Suzuki Jimny geben, die im Gelände aufgrund ihrer Wendigkeit besser sind. Es mag große Reise-SUVs vom Schlage eines Mercedes GL geben, die noch mehr Komfort und Luxus bieten.

Aber auch große Geländewagen wie den Toyota Land Cruiser, die einen ebenbürtigen Allradantrieb haben. Aber die Kombination aus Geländefähigkeiten, Komfort und einem ansprechenden Innenraum bietet sonst kaum einer.

Dieser Nutzwert-Anspruch wird bereits von außen deutlich: Beim kantigen Aufbau wurde kein Zentimeter für eine dynamische Optik verschenkt. Mit der Dachrehling ragt der Discovery je nach Einstellung der Luftfederung bis zu 1,97 Meter in die Höhe. Zusammen mit der Breite von 2,20 Metern inklusive Außenspiegel und einer Länge von 4,83 Metern ergibt das eine mächtige Erscheinung.

Abgerundet wird der imposante Auftritt im Rückspiegel durch den neuen Kühlergrill und die an den großen Range angelehnten Tagfahr-LEDs, die der Discovery bei der aktuellen Modellpflege in diesem Frühjahr erhalten hat. Da unser Testwagen allerdings mit dem optionalen „Black Pack“ ausgerüstet war, wirkte der schwarz lackierte Kühlergrill etwas dezenter als die Alu-Standardausführung.

Ebenfalls optional ist die dritte Sitzreihe, die den Discovery für 1.570 Euro zu einem Siebensitzer macht. Hier kommt wieder die kantige Form zum Tragen: Selbst auf den im Kofferraumboden versenkbaren Klappsitzen können zwei Erwachsene relativ bequem Platz nehmen – Freiraum an Beinen und Kopf gibt es mehr als genug.

Auch der Einstieg ist recht komfortabel. Da die beiden Sitze wegen der Radkästen etwas nach innen versetzt sind, könnte man sich an der Schulter etwas näher kommen.

Deutlich luftiger geht es in den ersten beiden Sitzreihen zu. Hier spielt der Discovery eine seiner Stärken aus: das luftgefederte Reisemobil. Sanft bügelt das Fahrwerk die meisten Unebenheiten im Asphalt aus und gibt nur wenig an die Insassen weiter.

Robuster Innenraum
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