Maserati Gran Turismo Sport
„Riecht wie im Schuhladen“

Der Maserati Gran Turismo Sport polarisiert, nicht nur wegen der blauen Farbe. Die italienische Luxuskarosse begeistert die Damen mit ihrer Ausstattung. Herren hören genauer hin und erleben eine Kathedrale des Sounds.
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DüsseldorfBlau. Warum ist dieser Bolide leuchtend blau? Gut  -  Rot trägt die italienische Konkurrenz von Ferrari bis Alfa. Aber Schwarz oder ein elegantes Grau stünde diesem Maserati Gran Turismo Sport garantiert besser. Dieses Blau springt ins Auge, wie ein Tintenfleck auf der weißen Hose, denn der Wagen ist auffällig genug: Die tiefgezogene Schürze mit dem geöffneten Haifischmaul und dem Maserati Dreizack vorne erträgt keiner lang in seinem Rückspiegel. Von hier sind es 4,88 Meter bis zu den Dioden-Rückleuchten.

Das Coupé dazwischen ist elegant, harmonisch und mit geschwungener Linie gezeichnet. Aston Martin und der moderne Jaguar E-Type lassen grüßen. Understatement allerdings sieht anders aus. Wer die Modelle aus Bologna aus den neunziger Jahren kennt, erinnert sich an unauffällige Typen, die innere Werte besaßen. Ein Maserati protzte nicht, sondern ein Maserati beeindruckte die, die ihn chauffierten und die, die seine Rücklichter sahen. Und jetzt dieses Geschoss in Blau.

Ich setze mich hinein. Es duftet nach Leder, unweigerlich möchte ich mit meiner Hand die hellen Sitze befühlen. Dieses Cockpit ist kein Schlafzimmer und kein Arbeitsraum – es ist die gute Stube. Hier haben die Hausherren alles zur Schau gestellt, was sie zu bieten haben: Ein Lenkrad aus kaltem Karbon, das oben in der Mitte einen silbernen Streifen trägt. Später wird mir ein Mann vom Fach erklären, dass Rennfahrzeuge diesen Streifen tragen, falls sie ins Fliegen kommen. Dann muss der Pilot darauf achten, die Markierung genau in der Mitte zu halten, damit beim Aufsetzen die Räder geradeaus fahren.

In der Mitte sind Radio, Navi und Belüftung untergebracht. Sie bestätigen im Laufe der Testwoche den ersten Eindruck: Die Bedienung ist nur mit Handbuch möglich. Und wer liest schon Handbücher, wenn er gerade von null auf hundert in 4,8 Sekunden beschleunigt? Über der Bedientafel tickt dafür eine brave, ovale, silberne Uhr. Eine Homage an frühere Modelle. Die Uhr hat sich nie verändert und ist wie Omas heilige Keksdose in der Wohnzimmervitrine drapiert.

Schwarzes Karbon auf den Innenverkleidungen der Türen zeichnen diese „S-Klasse“ aus. Mein Eindruck: Der Innenraum ist schön, aber etwas weniger wäre mehr gewesen. Auch wenn ich in einem Gran Turismo sitze, überwiegt der Sportwagencharakter des Wagens und ich mag es puristischer. Der Porsche Panamera, in dem ich neulich saß, kommt mit gefühlt weniger Knöpfen daher, obwohl bei ihm die beiden hinteren Sitze einzeln verstellbar sind. Dieser Maserati wildert mit einem Grundpreis von 112.000 Euro im gleichen Revier. Den Vergleich muss er aushalten.

Ich stecke den Schlüssel ins Schloss. Ein leichter Druck – und was nun passiert, ist großes Kino. Oder besser großes Konzert: Es sind die Bläser, die sich nicht erst langsam mit dem Gaspedal zum Crescendo steigernd emporarbeiten, sondern die unmittelbar, als würde ein Trompetenventil unter dem angestauten Druck nachgeben, einen ohrenbetäubende Fanfarenstoß von sich geben.

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