Maserati Levante im Handelsblatt-Test: Das Italo-SUV kommt spät, aber selbstbewusst

Maserati Levante im Handelsblatt-Test
Das Italo-SUV kommt spät, aber selbstbewusst

Dieser Italiener fordert Porsche Cayenne, Jaguar F-Pace, BMW X4 und Audi Q5 heraus. Und das tut er auf typisch italienische Art: Mit Grandezza im Auftritt, Fortissimo-Klang am Auspuff, und einigen lästigen Flausen.

Düsseldorf„Auch du, Brutus!", denkt man, wenn man dem gewaltigen Levante ins weit aufgerissene Kühlergrill-Maul schaut. Jetzt also sogar Maserati. Nach 100 Jahren mit atemberaubenden Coupés und betörenden Limousinen. Als wäre das Angebot an potenten SUV nicht groß genug, baut nun ebenfalls die Alfa-Romeo-Tochter einen City-Geländewagen. Verrat an der eigenen Sache, oder spätes Lernverhalten im Fiat-Chrylser-Konzern?

Tatsache ist, wie bei Bentayga, X6, und GLE Coupé, dass man den Levante nur schwer übersehen wird, denn er ist einfach ein gewaltiger Klotz. Fünf Meter Außenlänge, fast 1,70 Meter Höhe und mehr als zwei Meter Breite hat die Karosse, die im Fall unseres Diesel-Testwagens weit über zwei Tonnen auf die Waage bringt. Das ist vor allem im engen Stadtverkehr keine leichte mediterrane Küche, das ist schon richtig schwere Kost, die über den Tellerrand hinausragt. Auch was die Übersicht betrifft. Und den Innenraum.

Innen sehen wir vor allem Rot. Ein üppiges Lippenstift-Rot, das auch zu sexy Stöckelschuhen prima passen würde. Sie bannt die Blicke, diese Lederausstattung, umrahmt von tiefschwarzem Dachhimmel, üppigen Carbon-Intarsien und zahlreichen gestickten Dreizack-Logos.

Schon Wahnsinn dieser erste Eindruck, das bestätigen vielen „Wows“ der Betrachter, die sich kaum sattsehen können. Doch nicht jedem gefällt der aufdringliche Stil: „Ein bisschen wie ein Bordell auf Rädern, oder?“ sagt der - vermutlich neidische - Nachbar. Aber erste Eindrücke können ja auch täuschen, widersprechen wir zaghaft.

Dass es nur zwei Motoren für den Cayenne-Herausforderer gibt werden selbst leistungshungrige Maserati-Fans verschmerzen können, denn beide Triebwerke sind potent: 275 PS leistet der Diesel, der vor allem mit 600 Newtonmeter Drehmoment schon bei niedrigen Drehzahlen beeindruckt. Sogar 430 Pferdestärken bringt der Levante S auf den Asphalt, das Spitzenmodell mit 88.000 Euro Basispreis.

Und sogar der V6-Diesel klingt so, wie wir das vom Maserati Ghibli schon kennen: Selbstzünder und potentes Abgasgebrabbel, dass muss sich dank Klappenauspuff und zeitgemäßen Sound-Engineerings nicht mehr gegenseitig ausschließen. So fordert auch unser Testwagen akustisch genau die Aufmerksamkeit vom Straßenrand ein, die man erwartet, wenn man zu einem exotischen Italo-SUV greift.

Positiv überrascht haben uns innen die unzähligen kleinen und großen Ablagefläche und Staufächer sowie die wirklich intelligenten Zubehörteile im Kofferraum. Das hatten wir von Maserati gar nicht erwartet. Man unterstellt einer klassischen Sportwagenschmiede doch keine Detailversessenheit à la Skoda.

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