Maserati Levante im Handelsblatt-Test
Das Italo-SUV kommt spät, aber selbstbewusst

Man(n) gönnt sich ja sonst auch alles

An Komfort mangelt es nicht, obwohl das Raumgefühl besser sein könnte. Für ein SUV der Luxusklasse, das Q7 und Cayenne angreift, ist die Möblierung im Levante etwas zu üppig ausgefallen, man fühlt sich unter anderem von der gewaltigen Mittelkonsole als Fahrer so eingebaut, wie in einem kleinen Wohnzimmer von einer mächtigen Eiche-Schrankwand. Nur schicker. Und knallrot eben.

Eine erste Enttäuschung allerdings ist das Getucker und Gerassel, das man vom kalten Triebwerk hört – ich kann kaum abwarten, bis er endlich warmgelaufen ist und das besser wird. Doch Maserati beherrscht auch das andere Extrem: Die sehr gute Geräuschdämmung innen passt zu den hohen Reisegeschwindigkeiten des Levante. Allerdings sang die fette Winterbereifung im Hintergrund immer mit.

Weil man sich ein Auto mit dem berühmten Dreizack im Logo wohl meist vorrangig aus emotionalen Gründen zulegen wird, probieren wir den Sportmodus: Der wird zweifach aktiviert, erst der Motor, dann das Fahrwerk. Das zeigt Wirkung, das ganze Auto strafft sich, lehnt sich in flotten Kurven gerne auf die superbreiten Reifen und reckt sich dem Gasfuß förmlich sensibel entgegen, wo vorher eine gewisse Trägheit regierte.

Selbstverständlich ist neben einer Geländeautomatik auch ein Allradantrieb an Bord, der dank Torque Vectoring die Kraft intelligent für alle Räder managed und sie in Millisekunden so verteilt, dass immer ordentlich Grip spürbar ist. Gut gefallen hat uns auch, dass der über 88.000 Euro teure Testwagen aber grundsätzlich mit Heckantrieb unterwegs ist, und dieser drehmomentstarke Schub von hinten fühlt sich schon richtig gut an.

Geht es flott in Asphaltbiegungen, so merkt man: Einen besonders guten Seitenhalt haben die Sitze nicht. Man rutscht in durcheilten Kurven von links nach rechts und wünscht sich, tiefer im Leder zu sitzen, statt oben drauf. Letzteres ist übrigens sowas von grell kirschrot, falls wir es noch nicht erwähnt hatten.

Sprachsteuerung, Navigation, Smartphone-Anbindung und Herumspielen mit der klanggewaltigen Stereoanlage: Alles klappt auf Anhieb, nichts stört, das hatten wir gar nicht erwartet. Macht uns der so gar nicht kapriziös auftretende Levante zum Opfer unserer eigenen Vorurteile?

Nicht ganz, es gibt ja noch die Preisliste: Größer als 88.000 ist die Zahl, die da am Ende steht, zusätzlich zum Basispreis von rund 70.000 Euro haben die Italiener für 18.000 Euro tiefschwarz-glänzendes Carbon verbaut. Und Leder von einem Rot, wie Sie es noch nicht gesehen haben.

Für den Preis darf eine feine Uhr im Big Boy Toy nicht fehlen, man(n) gönnt sich ja sonst auch alles. Der Zeitmesser thront mitten im Armaturenbrett und macht einen tollen Eindruck.

Dass aber ebenso Nützliches wie Sicheres und in dieser Fahrzeugklasse gleichermaßen Erwartbares wie Rückfahrkamera und Toter-Winkel-Assistent auch noch gegen weiteres Aufgeld erworben werden muss, das könnte bei der verwöhnten Klientel für eine hochgezogene Augenbraue sorgen.

Das Lenkrad war für unseren Geschmack ist ein bisschen groß geraten, wie so vieles an diesem Auto. Aber halb so wild: Auch die nicht mitlenkenden Schaltpaddles sind riesig, man ertastet das edle Leichtmetall problemlos auch bei vollem Lenkeinschlag. Es hindert allerdings teilweise am Erreichen des Blinkerhebels.

Auch der Umwelt hat Maserati ein paar Gedanken geschenkt, so schaltet sich das Triebwerk bei kurzen Stopps automatisch an und aus, und man sieht auf einer kleinen aber scharfen Grafik, wieviel Kraft die Elektronik gerade auf die Vorder- und die Hinterachse verteilt.

Überhaupt gibt es in dem Mäusekino zwischen Tacho und Drehzahlmesser viele mehr oder weniger nützliche Informationen abzurufen. So informiert es zuverlässig darüber, was man gerade an Funktionen und Assistenten ein oder ausgeschaltet hat über die Kunststoffknöpfe am Lenkrad, die nicht die feine Haptik haben, wie man sie etwa von Audi kennt.

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