Maserati Levante im Handelsblatt-Test Das Italo-SUV kommt spät, aber selbstbewusst

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Man(n) gönnt sich ja sonst auch alles
Glänzend-schwarzes Karbon, geriffeltes Leichtmetall und feines rotes Leder: Die Optik rund um den Wahlhebel der Achtgang-Automatik deutet großen Sport an. Auch wenn der Testwagen als Diesel unterwegs ist. Quelle: Frank G. Heide
Blick in die Mittelkonsole

Glänzend-schwarzes Karbon, geriffeltes Leichtmetall und feines rotes Leder: Die Optik rund um den Wahlhebel der Achtgang-Automatik deutet großen Sport an. Auch wenn der Testwagen als Diesel unterwegs ist.

(Foto: Frank G. Heide)

An Komfort mangelt es nicht, obwohl das Raumgefühl besser sein könnte. Für ein SUV der Luxusklasse, das Q7 und Cayenne angreift, ist die Möblierung im Levante etwas zu üppig ausgefallen, man fühlt sich unter anderem von der gewaltigen Mittelkonsole als Fahrer so eingebaut, wie in einem kleinen Wohnzimmer von einer mächtigen Eiche-Schrankwand. Nur schicker. Und knallrot eben.

Eine erste Enttäuschung allerdings ist das Getucker und Gerassel, das man vom kalten Triebwerk hört – ich kann kaum abwarten, bis er endlich warmgelaufen ist und das besser wird. Doch Maserati beherrscht auch das andere Extrem: Die sehr gute Geräuschdämmung innen passt zu den hohen Reisegeschwindigkeiten des Levante. Allerdings sang die fette Winterbereifung im Hintergrund immer mit.

Betrachtern fällt es schwer, sich dem Auftritt des Levante zu entziehen. Das Italo-SUV fordert Aufmerksamkeit ein, zum Beispiel mit sehr sportlichem Auspuffklang. Und er ist ein Riese: Mit etwas mehr als fünf mal zwei Meter Länge und Breite sowie fast 1,70 Meter Höhe. Quelle: Frank G. Heide
Eine souveräne Erscheinung

Betrachtern fällt es schwer, sich dem Auftritt des Levante zu entziehen. Das Italo-SUV fordert Aufmerksamkeit ein, zum Beispiel mit sehr sportlichem Auspuffklang. Und er ist ein Riese: Mit etwas mehr als fünf mal zwei Meter Länge und Breite sowie fast 1,70 Meter Höhe.

(Foto: Frank G. Heide)

Weil man sich ein Auto mit dem berühmten Dreizack im Logo wohl meist vorrangig aus emotionalen Gründen zulegen wird, probieren wir den Sportmodus: Der wird zweifach aktiviert, erst der Motor, dann das Fahrwerk. Das zeigt Wirkung, das ganze Auto strafft sich, lehnt sich in flotten Kurven gerne auf die superbreiten Reifen und reckt sich dem Gasfuß förmlich sensibel entgegen, wo vorher eine gewisse Trägheit regierte.

Selbstverständlich ist neben einer Geländeautomatik auch ein Allradantrieb an Bord, der dank Torque Vectoring die Kraft intelligent für alle Räder managed und sie in Millisekunden so verteilt, dass immer ordentlich Grip spürbar ist. Gut gefallen hat uns auch, dass der über 88.000 Euro teure Testwagen aber grundsätzlich mit Heckantrieb unterwegs ist, und dieser drehmomentstarke Schub von hinten fühlt sich schon richtig gut an.

Geht es flott in Asphaltbiegungen, so merkt man: Einen besonders guten Seitenhalt haben die Sitze nicht. Man rutscht in durcheilten Kurven von links nach rechts und wünscht sich, tiefer im Leder zu sitzen, statt oben drauf. Letzteres ist übrigens sowas von grell kirschrot, falls wir es noch nicht erwähnt hatten.

Gerade weil der Levante nach hinten raus extrem unübersichtlich ist und schon ohne Außenspiegel zwei Meter breit, hilft die Rückfahrkamera. Sie ist in dieser Fahrzeug- und Preisklasse obligatorisch. Quelle: Frank G. Heide
Das hilft in engen Parkräumen

Gerade weil der Levante nach hinten raus extrem unübersichtlich ist und schon ohne Außenspiegel zwei Meter breit, hilft die Rückfahrkamera. Sie ist in dieser Fahrzeug- und Preisklasse obligatorisch.

(Foto: Frank G. Heide)

Sprachsteuerung, Navigation, Smartphone-Anbindung und Herumspielen mit der klanggewaltigen Stereoanlage: Alles klappt auf Anhieb, nichts stört, das hatten wir gar nicht erwartet. Macht uns der so gar nicht kapriziös auftretende Levante zum Opfer unserer eigenen Vorurteile?

Nicht ganz, es gibt ja noch die Preisliste: Größer als 88.000 ist die Zahl, die da am Ende steht, zusätzlich zum Basispreis von rund 70.000 Euro haben die Italiener für 18.000 Euro tiefschwarz-glänzendes Carbon verbaut. Und Leder von einem Rot, wie Sie es noch nicht gesehen haben.

Hier ist der Allrader zwar im Geländemodus unterwegs, da die Reifen aber ausreichend Grip finden, gegen 100% der Motorleistung an die Hinterachse. Ändern sich die Haftungsverhältnisse verteilt das Q4-System dank Torque Vectoring die Kräfte in Millisekunden anders zwischen den Achsen. So hat man zwei Eindrücke fast gleichzeitig: Souveränen Heckantrieb und kontrollierte Agilität. Quelle: Hersteller
Blick aufs Mäusekino zwischen den Rundinstrumenten

Hier ist der Allrader zwar im Geländemodus unterwegs, da die Reifen aber ausreichend Grip finden, gegen 100% der Motorleistung an die Hinterachse. Ändern sich die Haftungsverhältnisse verteilt das Q4-System dank Torque Vectoring die Kräfte in Millisekunden anders zwischen den Achsen. So hat man zwei Eindrücke fast gleichzeitig: Souveränen Heckantrieb und kontrollierte Agilität.

(Foto: Hersteller)

Für den Preis darf eine feine Uhr im Big Boy Toy nicht fehlen, man(n) gönnt sich ja sonst auch alles. Der Zeitmesser thront mitten im Armaturenbrett und macht einen tollen Eindruck.

Dass aber ebenso Nützliches wie Sicheres und in dieser Fahrzeugklasse gleichermaßen Erwartbares wie Rückfahrkamera und Toter-Winkel-Assistent auch noch gegen weiteres Aufgeld erworben werden muss, das könnte bei der verwöhnten Klientel für eine hochgezogene Augenbraue sorgen.

Das Lenkrad war für unseren Geschmack ist ein bisschen groß geraten, wie so vieles an diesem Auto. Aber halb so wild: Auch die nicht mitlenkenden Schaltpaddles sind riesig, man ertastet das edle Leichtmetall problemlos auch bei vollem Lenkeinschlag. Es hindert allerdings teilweise am Erreichen des Blinkerhebels.

Man ahnt es schon von außen: Die C-Säule hinter dem schmal zulaufenden Fensterband ist extrem breit. Außerdem senkt sich die Dachlinie hinten coupéartig nach unten. Von Übersicht nach hinten kann da für den Fahrer keine Rede mehr sein. Quelle: Frank G. Heide
Nicht gerade die Schokoladenseite des Levante

Man ahnt es schon von außen: Die C-Säule hinter dem schmal zulaufenden Fensterband ist extrem breit. Außerdem senkt sich die Dachlinie hinten coupéartig nach unten. Von Übersicht nach hinten kann da für den Fahrer keine Rede mehr sein.

(Foto: Frank G. Heide)

Auch der Umwelt hat Maserati ein paar Gedanken geschenkt, so schaltet sich das Triebwerk bei kurzen Stopps automatisch an und aus, und man sieht auf einer kleinen aber scharfen Grafik, wieviel Kraft die Elektronik gerade auf die Vorder- und die Hinterachse verteilt.

Überhaupt gibt es in dem Mäusekino zwischen Tacho und Drehzahlmesser viele mehr oder weniger nützliche Informationen abzurufen. So informiert es zuverlässig darüber, was man gerade an Funktionen und Assistenten ein oder ausgeschaltet hat über die Kunststoffknöpfe am Lenkrad, die nicht die feine Haptik haben, wie man sie etwa von Audi kennt.

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