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Mazda 6 Kombi im Test: Viel Platz da, im Mazda

Für diesen Kombi braucht man kriminelle Energie: Das Navigationsgerät wird mit Radarwarner ausgeliefert. Doch wer das Risiko eingeht, erhält einen zuverlässigen Kombi, der außen was hermacht und auch innen überzeugt.

Eine lang gezogene Motorhaube, dazu eine leicht nach hinten abfallende Dachlinie prägen das Design des Mazda 6 Kombi. Quelle: Sebastian Schaal
Eine lang gezogene Motorhaube, dazu eine leicht nach hinten abfallende Dachlinie prägen das Design des Mazda 6 Kombi. Quelle: Sebastian Schaal

DüsseldorfIm Handbuch steht: 1,96 Meter Ladefläche. So viel Platz verspricht der Mazda 6 in der Kombi-Variante bei umgeklappter Rückbank. Ich stehe im Baumarkt und habe eine zwei Meter lange Glastür gekauft. Mal schauen, ob der Angabe zu trauen ist – und sich vielleicht die vier Zentimeter auch noch rauskitzeln lassen.

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Zuerst müssen zwei Rollos im Heck entfernt werden. Das eine enthält die Kofferraumabdeckung, das andere ein Fangnetz, dass die Passagiere gegen umherfliegende Teile schützen soll. Das braucht nur ein bisschen Koordination; danach die Sitze umzuklappen ist ein echtes Kinderspiel.

Mazda 6 Kombi in Bildern Selbstbewusster Angriff auf die Mitte

  • Mazda 6 Kombi in Bildern: Selbstbewusster Angriff auf die Mitte
  • Mazda 6 Kombi in Bildern: Selbstbewusster Angriff auf die Mitte
  • Mazda 6 Kombi in Bildern: Selbstbewusster Angriff auf die Mitte
  • Mazda 6 Kombi in Bildern: Selbstbewusster Angriff auf die Mitte

In der Innenseite des Kofferraums gibt es zwei Öffnungsgriffe, die Rückbank fällt in Sekundenbruchteilen nach vorne. Dann noch den Fahrersitz per elektrischem Stellmotor in eine sehr aufrechte Position gebracht und nach vorne gefahren – und tatsächlich passt auch die Glasplatte hinein. Das ist umso erstaunlicher, als dass der Kombi sogar ein paar Zentimeter kürzer ist als die Limousinen-Variante des Mazda 6. Okay, eine längere Fahrt ist dann in eingezwängter Haltung hinter dem Lenkrad nicht mehr möglich. Aber den Nachhauseweg vom Baumarkt hat die Tür unbeschadet und bei geschlossener Heckklappe überstanden.

Die ebene Ladefläche ist ein Argument, mit dem der Mazda 6 zu überzeugen weiß. Außerdem ist die Ladekante niedrig und die Kofferraumöffnung breit. Auch das Äußere des Mazda 6 ist gefällig, doch das dynamische Design hat seinen Preis. So fällt die Heckscheibe schräg ab, nicht steil – dadurch geht Laderaum verloren. Und auf der möglichen Zubehörliste fehlt ein für einen Kombi hilfreiches Ausstattungsmerkmal: eine elektrisch schließbare Heckklappe.

Das Cockpit. Das Plastik der Knöpfe am Lenkrad wirkt nicht so hochwertig wie der Rest der Ausstattung. Das Display in der Mittelkonsole ist relativ klein und hat – in der heutigen Zeit schon fast selten – keinen Touchscreen. Quelle: Sebastian Schaal
Das Cockpit. Das Plastik der Knöpfe am Lenkrad wirkt nicht so hochwertig wie der Rest der Ausstattung. Das Display in der Mittelkonsole ist relativ klein und hat – in der heutigen Zeit schon fast selten – keinen Touchscreen. Quelle: Sebastian Schaal

Dafür glänzt der Mazda an anderer Stelle. Nach dem Einstiegen braucht es keine Eingewöhnungszeit, wenn man das Starten per Knopfdruck gewöhnt ist. Die wichtigen Bedienhebel und -knöpfe finden sich an den gewohnten Stellen. Der Mazda 6 fährt sich angenehm: Der getestete 165-PS-Benzinmotor spricht schnell an, die Schaltung hat kurze Wege und selbst Kopfsteinpflaster fängt die Federung gut auf.

Der Verbrauch liegt im Test bei 6,8 Litern auf 100 Kilometern – bei weder extrem agiler noch sehr zurückhaltender Fahrweise. Zu dem Wert trägt bei, dass der Wagen eine tadellos arbeitende Start-Stopp-Automatik hat. Nimmt man an der Ampel den Gang raus, schaltet sich der Motor ab. Außerdem ist der getestete Wagen mit einem Rückgewinnungssystem ausgestattet, das Bremsenergie in Strom für die elektrischen Verbraucher an Bord (wie die Klimaanlage) umwandelt.

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Testfahrzeug

  • Alltagstauglich?

    Auf jeden Fall – sowohl Familie als auch Handwerker. Trotz der Länge von 4,80 Metern ist der Wagen übersichtlich, auch wenn natürlich trotzdem Abstandswarner das Einparken zusätzlich erleichtern.

  • Das schönste Detail?

    Die Hebel an beiden Seiten des Kofferraums, die ein Bücken zum Umwerfen der Rückbank unnötig machen.

  • Enttäuschend?

    Das Display neben Tacho und Drehzahlmesser überzeugt nicht. Zu viele Daten auf einen Rutsch - oder unnützte Daten - werden dort angezeigt.

  • Ist er`s wert?

    Der Wagen schlägt in der Testversion mit etwa 38.000 Euro zu Buche. Das ist happig für die meisten Familienetats, aber dafür hat der Mazda 6 dann auch Komplettausstattung. Ob 19-Zoll-Felgen ein so cleveres Extra sind, lässt sich aber angesichts der Preise für einen Satz Winterreifen (ca. 800 Euro) anzweifeln.

  • Sound?

    Außengeräusche stören erst ab etwa Tempo 140, der Motor klingt knackig.

  • Wie grün ist das Auto?

    Im Test verbraucht der Wagen 6,8 Liter auf 100 Kilometern, ein durchaus solider Wert.

  • Vorbildlich?

    Die ebene Ladefläche und die Ausstattung des Kofferraums: Verzurrösen, Haken zum Aufhängen kleinerer Einkäufe, breite Ladekannte.

  • Was sagt der Nachbar?

    Hübsch.

  • Wer guckt?

    Der Familienpapa auf Autosuche. Die Mama will ja lieber VW. Oder Audi.

  • Wie fährt er sich?

    Durchzugsstark und elegant.

  • Wo gehört er hin?

    Für den Fuhrpark des Elektrikers ist er eigentlich zu schick, daher in den Familien-Carport.

Das System scheint gut zu funktionieren, anders als die Aussprache der Entwicklung: „i-Eloop“ haben die Japaner sie getauft. Darauf ist Mazda sogar so stolz, dass auf einem Display neben dem Tacho die Aufladewerte jederzeit angeschaut werden können. Die Grafik erschließt sich allerding kaum und ist überflüssig. Auch sonst ist das Display im Cockpit wenig hilfreich, da zu viele Informationen gleichzeitig um die Aufmerksamkeit des Fahrers ringen.

  • 09.05.2013, 11:27 UhrDiMax

    Da gebe ich Ihnen Recht! Heutzutage muss jeder schauen wo er bleibt. Zwar ist die Idee des Schreibers "Santos" gut gemeint, aber heutzutage nicht durchsetzbar. Seinen ganzen Konsum darauf auszurichten, der deutschen Wirtschaft einen Gefallen zu tun, ist nicht zeitgemäß.

    Und wie ich schon mal sagte: Wenn ich sehe, dass Herr Winterkorn und Komplizen mehrerer Millionen im Jahr verdienen und am Ende des Jahres auch noch jeder Arbeiter 8000 € Prämie erhält, dann muss einem doch etwas klar werden. Die deutschen Fahrzeuge sind künstlich überteuert. Diese Prämie zahlt Herr Winterkorn doch nicht aus eigener Tasche, bzw. kein Mensch würde doch einfach so einem Arbeiter am Ende des Jahres 8000 Prämie bezahlen. D.h. VW und die anderen haben einen riesigen Überschuss angesammelt, den man ohne Schmerzen verteilen kann.

    Bei den Zulieferern, die meist viel mehr zum Fahrzeug beitragen, beträgt die Prämie nicht mal 1000€. Soweit ich weiß, konnte nur ZF seinen Arbeitern dieses Jahr 900€ ausbezahlen.

    Wenn "Santos" Herr Winterkorn und Konsorten subventionieren möchte, dann nur zu!!! Mich subventioniert keiner.

  • 09.05.2013, 11:02 UhrInternational

    Die meisten Firmen in Deutschland leben davon ihre Produkte ins Ausland zu verkaufen. Von meiner Firma, Landmaschinenhersteller, gehen über 70 Prozent der Produktion ins Ausland, vor allem die größten und teuersten Maschinen. Wenn man nun also dort sagen würde, wir kaufen keine Maschinen mehr aus Deutschland, könnten die meisten bei uns zu hause bleiben. Also bevor man solche Sprüche wegen deutscher Autos von sich gibt sollte man erst mal nachdenken. Zumal gerade auch Mazda ein wichtiges Entwicklungszentrum in D. unterhält, also hochqualifizierte Arbeitsplätze anbietet. Im übrigen ist die gesamte Autoindustrie heutzutage so international, dass solche Aussagen einfach nur dumm und primitiv sind.

  • 08.05.2013, 19:05 UhrDiMax

    Sie sind ein Vorzeigebürger! Schade, dass ich Ihnen nicht auf die Schulter klopfen kann für Ihre gute Tat an der deutschen Wirtschaft!!!

    Wenn sie nur wüssten, wie viele Bauteile eines "deutschen Fahrzeugs" aus anderen Ländern kommen, dann würden Sie bestimmt nicht mehr solche Statements abgeben.

    Auch deutsche Authersteller würden keinen einstellen, wenn dieser Arbeiter nichts auf dem Kasten hat. Sie sollten ihr Geld lieber in die Ihre Bildung oder die Bildung Ihrer Kinder investieren, statt in ein deutsches Premiumfahrzeug, dass Sie sich nur mithilfe eines Kredits leisten können.

    Das Unternehmen, das vernünfigte Autos zu einem vernünftigen Preis baut, sollte auch Marktführer sein - unabhängig davon ob deutsch oder japanisch. So funktioniert unsere Wirtschaft.

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