Mazda MX-5 RF im Handelsblatt-Test Vorübergehend geschlossen

Mazda stellt den Roadster-Fan beim MX-5 nun wieder vor die Wahl: Klassisches Stoffdach, oder automatisches Targadach? Geschlossen sieht der neue RF noch mal knackiger aus. Offen zeigt das Klappdach aber seine Tücken.
Die japanische Roadster-Legende war auch in vierter Generation zunächst mit Stoffdach unterwegs. Mittlerweile gibt es aber die RF-Version mit Targa-Klappdach. Ist das einige tausend Euro teurere und schwerere Modell die bessere Wahl? Quelle: Florian Hückelheim
Mazda MX-5 RF im Handelsblatt-Test

Die japanische Roadster-Legende war auch in vierter Generation zunächst mit Stoffdach unterwegs. Mittlerweile gibt es aber die RF-Version mit Targa-Klappdach. Ist das einige tausend Euro teurere und schwerere Modell die bessere Wahl?

(Foto: Florian Hückelheim)

DüsseldorfHui, das Heck kommt raus, schon in der ersten Kurve. Ich habe gerade in den zweiten Gang geschaltet und gebe nur mittelprächtig Gas. Doch schon deutet der MX-5 an, er könne sich selbst überholen. Dabei ist es heiß, und die Pneus kleben geradezu auf dem Asphalt. Er bringt einen immer wieder zum Grinsen, dieser Fluchtwagen aus dem Alltag, mit seinem locker eingestellten ESP. So soll Roadsterfahren sein: knackig, kernig, offen, reduziert auf Wesentliches. Der Fahrer lenkt, nicht das Auto.

Dass Mazda das kann, das müssen die Japaner beim MX-5, dem weltweit meistverkauften Roadster, niemand mehr beweisen. Die vierte Generation seit 1989 wurde sogar im Vergleich zur dritten, dem etwas pausbäckigen NC, wieder leichter, kleiner, direkter. Und so winzig, dass noch nicht mal Platz für ein Handschuhfach blieb. Großgewachsene streifen sich den knapp geschneiderten Japan-Sportler über wie eine Laufhose: Am besten, man hat nur den Schlüssel und die Papiere dabei.

Was am Mazda MX-5 RF gefällt, und was nicht
Ganz. Schön. Klein.
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RF steht bei Mazda für „Retractable Fastback“. Und der sieht auch tatsächlich deutlich besser aus als sein Bruder, der Stoffmütze trägt. Das Targa-Dach als neue Karosserie-Variante hebt das frische und kantige Mazda-Design auf eine höhere Stufe, besonders in der Seitenansicht und hinten.

RF steht bei Mazda für „Retractable Fastback“
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Und der Neue sieht auch tatsächlich deutlich besser aus als sein Bruder, der Stoffmütze trägt. Das Targa-Dach als neue Karosserie-Variante hebt das frische und kantige Mazda-Design auf eine höhere Stufe, besonders in der Seitenansicht und hinten.

Dieser Blick
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Eine von mehreren Schokoladenseiten des MX-5 ist die Front mit den auffällig gestalteten Scheinwerfer-"Augen", die die niedrige Bauhöhe des Fahrzeugs und die lange Schnauze betonen.

Platz ist in der kleinsten Hütte?
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Der Innenraum des MX-5 ist so knapp geschneidert wie ein Surfanzug. Wenn man erst mal drin ist, passt vieles wie angegossen. Aber wenn was zwickt, dann wird es schwierig.

Klassische Anordnung der Instrumente
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Die Drehzahlentwicklung behält man im MX-5 gerne genau im Blick, hier geht es mitunter rasant zu. Der 160-PS-Vierzylinder gibt gerne und reichlich, zeigt aber kein besonders beeindruckendes Drehmoment. Richtig lebendig wirkt das Wägelchen ab 4000 Umdrehungen.

Der wirkt fast wie ein Spielzeugauto
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Und dieser Eindruck verstärkt sich, wenn man in den Fahrersitz hinuntersteigt und einen LKW überholt. Dessen Reifen wirken auf einmal viel größer als früher.

Schöne Felgen, 205er müssen reichen
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Besonders große Felgen und dicke Bereifung, das überlässt der MX-5 gerne der Konkurrenz. Der pure Roadster-Fahrspaß funktioniert auch ohne. Aber im Fall des Testwagens dafür mit Sportfahrwerk. Motto: Hart, aber herzlich.

Doch jetzt macht Mazda es den Roadster-Fans wieder etwas schwerer. Dem bekannten MX-5 mit der Stoffkappe, dem schnellsten Cabriodach der Welt, das man in Sekundenschnelle entriegelt und einfach schwungvoll hinter sich wirft, wird nun wieder eine Version mit Targa-Blechklappdach zur Seite gestellt, der sogenannte RF.

Und der sieht auf den ersten Blick noch mal schärfer aus als sein etwas älterer Bruder, die Proportionen wirken nun einfach etwas dynamischer. Lange Motohaube, kurzes Greenhouse, knackiges Hinterteil, das kennt man schon. Doch der Übergang von der kleinen Fahrgastzelle zum Kofferraum, der ist jetzt einfach spitzenmäßig gelungen. Das Heck ist ein Traum. Und man ahnt von außen gar nichts von der komplexen Technik, die sich darunter verbirgt.

Da bei den Motoren und Ausstattungslinien alles beim Alten blieb, muss sich der MX-5-Fan jetzt vor dem Kauf nur drei Dinge fragen: Lässt er sich vom überwiegend baugleichen aber ganz anders gestylten Fiat 124 verführen, oder bleibt er beim Mazda - und welches Dach nimmt er dann?

Und der Neue sieht auch tatsächlich deutlich besser aus als sein Bruder, der Stoffmütze trägt. Das Targa-Dach als neue Karosserie-Variante hebt das frische und kantige Mazda-Design auf eine höhere Stufe, besonders in der Seitenansicht und hinten. Quelle: Florian Hückelheim
RF steht bei Mazda für „Retractable Fastback“

Und der Neue sieht auch tatsächlich deutlich besser aus als sein Bruder, der Stoffmütze trägt. Das Targa-Dach als neue Karosserie-Variante hebt das frische und kantige Mazda-Design auf eine höhere Stufe, besonders in der Seitenansicht und hinten.

(Foto: Florian Hückelheim)

Das neue Targadach hat den Vorteil, im Herbst und Winter komfortabler und wetterbeständiger zu sein, außerdem wird es dadurch im Innenraum etwas ruhiger. Aber nicht viel. Wer sich nicht verrenken möchte, oder für ein sorgfältig ausgeführtes Öffnen und Schließen extra aus- und einsteigen möchte, wird auch gerne die Wartezeit von 13 Sekunden in Kauf nehmen, die der Tanz der Gestänge und Hebel nun mal braucht. Und: Man sollte anhalten. Bei mehr als 10 km/h tut es die Technik nicht.

Puristen werden bemängeln, dass der MX-5 RF durch die Konstruktion wieder schwerer wird, und das ausgerechnet bei einem so auf Leichtbau getrimmten Auto, dass seine Entwickler bei der ersten Präsentation sogar stolz darauf hinwiesen, dass man nun nur noch vier statt fünf Radmuttern pro Felge brauche.

Doch das Gewicht ist nicht der größte Nachteil des RF-Dachs, der zeigt sich erst auf der Autobahn. Zwar hat der Testwagen ein Windschott, und man kann die Seitenscheiben oben lassen. Aber ab Tempo 120 erstirbt jede Konversation im hereintosenden Orkan, und der reißt auch gleich noch die Frisur mit sich.

OK, dass es laut und windig werden kann in einem Roadster, darüber wollen wir nicht meckern. Aber dass sich das Ganze im RF-Targa schlimmer anfühlt als bei seinem Bruder mit der Stoffmütze, das ist schon etwas merkwürdig. Wenn drei von drei Testfahrern mit unterschiedlichen Körpergrößen und Sitzeinstellungen stört, wie stark der Wind im Cockpit und speziell im Nacken verwirbelt, dann kann man Kaufinteressenten nur noch empfehlen, selber bei einer Probefahrt zu überprüfen, ob sie damit leben können.

Andererseits: Bis Tempo 80 ist die Welt in Ordnung, und wer überwiegend offenes, kommodes Cruisen auf Landstraßen bevorzugt, der kann im RF sogar die Seitenscheiben unten lassen, ohne leiden zu müssen. Es wäre allerdings eine Schande, wenn man die 160-PS-Maschine nicht doch etwas dynamischer fordern würde.

Cupholder vs. Ellbogen
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