Mercedes A200 im Test
Gentleman mit Warnweste

Die neue A-Klasse von Mercedes überholt das Vorgängermodell beim Komfort und überrundet es beim Design. Doch wie sich im Handelsblatt Autotest zeigt, neigt der Wagen auch dazu, den Fahrer zu bevormunden.
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DüsseldorfVon rechts zieht der Fahrer eines klapprigen Mercedes aus vergangen Tagen plötzlich in meine Spur und ich habe das Gefühl, er wolle die neue A-Klasse rammen. Vielleicht hat der Fahrer ja ein Problem damit, dass Mercedes mit dem kleinsten Modell der Marke einen Design-Sprung gewagt hat: Weg vom biederen Großvater-Image, hin zum modischen Großstadt-Gefährt mit zackigen Kanten in der Seitenpartie. Es sind nur ein paar Zentimeter, die nach einer Vollbremsung noch zwischen den beiden Fahrzeugen mit dem Stern liegen und eine Delle im Testwagen verhindern.

Eine Delle in der Außenhaut, die so viel Aufmerksamkeit auf dieses Mercedes-Modell gelenkt hat – ein Grafiker unserer Redaktion schnalzt sogar mit der Zunge angesichts des Anblicks. Die Seitenpartie erinnert allerdings an den 1er-BMW, gegen den das neue Modell ebenso antritt wie gegen den A3 von Audi oder den VW Golf. Vorbei ist die Zeit, als die A-Klasse ein Mini-Van war, der vor allem mit der hohen Sitzposition bei älteren Herrschaften punktete.

Beim Beinahe-Crash in Düsseldorf wird mir nach einer kurzen Schrecksekunde klar: Die A-Klasse hat mich gar nicht vor einem möglichen Zusammenprall gewarnt. Sie hat vor dem Beinahe-Crash nicht geblinkt, vibriert oder gepiepst. Der einzige Moment während der zwei Wochen mit dem Wagen, in denen ich mich unsicher gefühlt habe – und ausgerechnet jetzt hat sich der neue Mercedes von dem Uralt-Modell fast überrumpeln lassen.

Denn das Gefühl, überrascht zu sein, kam während der Fahrten in dem Wagen sonst nicht auf. Er ist vollgestopft mit Assistenzsystemen, die etwa Tempo-Schilder automatisch lesen und im Display zwischen Tachometer und Drehzahlmesser anzeigen. Ein Spurhalteassistent lässt das Lenkrad vibrieren, wenn auf der Landstraße oder Autobahn der rechte Pfad verlassen wird ohne zu blinken und beim Einparken helfen Kamera und Abstandswarner. Ein Tote-Winkel-Assistent meldet durch in die Außenspiegel integrierte Lichter und auch durch Warnsignale, ob sich Autos gefährlich nähern.

Doch gerade die Tote-Winkel-Hilfe ist gleichzeitig ein Armutszeugnis für den Wagen: Die Übersichtlichkeit des kleinsten Mercedes wurde dem Design geopfert. Ein Schulterblick ist in dem Fahrzeug überflüssig, da der Mittelpfosten so breit geraten ist, dass das Drehen des Kopfes keinen Sinn macht. Den Eindruck der Enge verstärken die hoch gezogenen Türen – und wer hinten sitzt, dem wird der Ausblick durch die Designlinie des Fahrzeugs ebenfalls erschwert.

Kommentare zu " Mercedes A200 im Test: Gentleman mit Warnweste"

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  • tagesguck zur Warenwestenpflicht und für dei Kidner gibt es die AUTOMATISCHEN VERKEHRZEICHENERKENNUNGs-APP (Sie haben vor ein Stoppschild überfahren und sind aktuell zu schnell unterwegs in der tempo 100-Zone)!

    [...]

    TERROABWEHR macht definitv notwendig UMTS Funksmasten zu vernetzen und Bewgungsprofile jedes Mobilteflons mitzuschneiden.

    [...]

    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Interessant wird sein, wie es wird, wenn diese Ausgeburt mal auf den Kiesplätzen steht. Der Gebrauchtwagenkäufer ist im Gegensatz zum Neuwagenkäufer eher der Pragmatiker und der überlegt sehr genau, ob er einen Teufel an Geld für ein fahrendes Design-Gimmick ausgeben möchte. Vermutlich nicht. In der Folge wird sich dann auch der Neuwagenkäufer überlegen, ob einen Wagen kauft, dessen Wert nach Kauf förmlich verreckt. So wie die Fa. Daimler die A's gerade in den Markt drückt, wird es auch in Kürze ein gewisses Überangebot an Gebrauchtfahrzeugen geben, weil die Erstbesitzer dann merken, WIE fürchterlich unpraktisch das Teil ist. Vom Design allein kann man sich halt nichts kaufen. Ich hatte erst vor kurzem ein Gespräch mit dem Besitzer einer Fahrschule, die eigentlich immer Mercedes-Fahrschulwagen hatte, meist A und C. Der hat gesagt, daß sie jetzt auf Audi umgestiegen sind, alle angestellten Fahrlehrer hätten bei der Probefahrt nur geflucht.

  • In vielen anderweitigen Tests der neuen A-Klasse wird immer wieder über die recht harte Federung, also mangelnden Komfort geschrieben. Der Vorgänger war definitiv praktischer. Und der Preis des Testwagens spricht für sich, wie auch die gesamte Preisgestaltung der A-Klasse.

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