Mercedes SLK 250 CDI im Handelsblatt-Test
Warmluftschal mit Diesel-Power

Roadster stehen für sportliche, offene Zweisitzer, die Spaß machen sollen. Der Mercedes SLK 250 CDI hält mit einem sparsamen Diesel und allerhand Technik-Schnickschnack dagegen. Ob das gut geht, zeigt unser Test.
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DüsseldorfEr ist in Deutschland eigentlich kein ungewöhnliches Auto, aber auf seine Art und Weise trotzdem ein Exot: der Mercedes SLK. Denn er hat einen Dieselmotor. Und das ist etwas Außergewöhnliches, zumindest in der Klasse der Roadster und Cabriolets.

Für diesen Schritt hat Mercedes lange gebraucht. Seit 1996 haben die Schwaben den kompakten Roadster im Programm, doch erst seit Beginn dieses Jahres gibt es ihn auch mit einem Diesel unter der Haube. Ein Diesel-SLK brachte es 2005 immerhin zu einem kurzen Messeauftritt, danach verschwand das Einzelstück dann aber wieder in der Versenkung. Bei Audi war man etwas schneller, hier hat es nur zehn Jahre nach der Markteinführung gedauert, bis die Ingolstädter 2008 einen TT mit TDI-Motor auf den Markt brachten. BMW ziert sich bis heute und verwehrt dem Z4 die Selbstzünder-Motorisierung, obwohl sich die Münchner selbst als Hersteller sparsamer Autos verstehen. 

Die Gründe für diese Abneigung der Autobauer gegen den Diesel im Roadster liegen auf der Hand: Sport und Diesel passen in den Köpfen vieler Kunden einfach noch nicht zusammen. Zwar dominiert Audi in Le Mans traditionell mit Diesel-Boliden, doch das ist eben Rennsport. Fürs breite Publikum war offenbar schon der Einsatz der Selbstzünder in viersitzigen Cabriolets ein großer Schritt, den sportlichen Zweisitzern blieben sie noch etwas länger vorenthalten. Nun ist aber ein moderner Diesel in Sachen Laufkultur und dem charakteristischen Lärm nicht mehr mit den nagelnden und tuckernden Wanderdünen von vor 30 Jahren zu vergleichen.

So stellt sich heute die Frage, ob sich Diesel und Roadster immer noch ausschließen. Deswegen ab in die Tiefgarage, denn dort wartet ein solches Exemplar auf seinen Einsatz. 

Beim ersten Kaltstart können sich Skeptiker der Diesel-Roadster-Kombination bestätigt fühlen. Der Selbstzünder nagelt wie erwartet deutlich hörbar vor sich hin. Und das klingt in diesem ersten enttäuschenden Moment nach vernünftigem Kompaktwagen, nicht nach sportlichem Zweisitzer. 

Doch das ändert sich schon nach wenigen hundert Metern. Sobald der Diesel etwas warm wird, übertönt bei geöffnetem Dach der Wind die Geräusche aus dem Motorraum - selbst bei Stadt-Tempo. Jenseits der 80 Stundenkilometer ist der Diesel auch bei geschlossenem Dach akustisch abgemeldet. 

Die Geräusche, die bei warmem Motor noch in den Innenraum dringen, können auch Roadster-Fans zufrieden stellen. Im SLK darf der intern OM651 genannte Diesel deutlich kerniger klingen als beispielsweise in der S-Klasse. Spätestens jetzt muss jeder Skeptiker seine Vorurteile fallen lassen. 

Zum Klangbild trägt die Siebenstufenautomatik einen wichtigen Teil bei. Im Eco-Modus wechselt sie früh in den nächsthöheren Gang, hält so die Drehzahl sehr niedrig. Das schlägt sich natürlich auch im Verbrauch nieder. Beim gemütlichen Cruisen, der Stärke des SLK, steht locker eine fünf vor dem Komma. In unserem Testschnitt waren es mit 6,5 Litern auch nicht bedeutend mehr. 

Kommentare zu " Mercedes SLK 250 CDI im Handelsblatt-Test: Warmluftschal mit Diesel-Power"

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  • Ich fuhr einne E Klasse 250 CDI; ich dachte am Anfang der Motor ist kaputt - wurde aber eines besseren belehrt - ist das normale Motorgeräusch - meine E Klasse klang wie ein LKW aus Rusland

  • Ich kann in Bezug auf den SLK 250 CDI mitreden, denn seit gut drei Monaten fahre ich einen mit 7-G-Tronic: Beim Anfahren klefft die Maschine wie ein Straßenköter - das finde ich ernüchternd. Der 220 D/8 meiner Eltern war nicht lauter, klang aber sanfter. Doch das Blatt wendet sich, sobald Tempo 50 erreicht ist. Das Motorgeräusch geht in eine mechanisch-sonore, angenehm gedämpfte Tonlage über. Beim Gleiten mit niedrigsten Kurbelwellendrehzahlen (knapp 1500 1/min bei einer Tachometeranzeige von 100 km/h) tuckert die Maschine wie ein Schiffsdiesel, nur kaum hörbar. Wer das Hammer-Drehmoment auskosten möchte - und das ist meine Empfehlung -, muss seinen Gasfuß etwas üben, damit die Getriebeautomatik nicht völlig unnötig herunterschaltet. Erfolg dieser Mühe: Der Wagen beschleunigt aus niedrigsten Kurbelwellendrehzahlen heftig, und das nahezu geräuschlos! Die berichteten Testverbräuche von mindestens 6,5 L/ 100 km habe ich noch nicht erreicht. Nicht angezeigte, sondern errechnete 5,5 L/ 100 km auf agil gefahrenen Strecken sind problemlos möglich, wenn die Bewegungsenergie nicht immer wieder von der Bremsanlage in Wärme umgewandelt wird. Auf meinen täglichen Fahrten zur Arbeit (75 km, 64 km/h im Schnitt) sind Treibstoffverbräuche von echten 4,2 L/ 100 km mit ruhigem Gasfuß beim Beschleunigen ohne Weiteres möglich, Warmlaufphase inbegriffen. Der Treibstofftank fasst statt der angegebeben 60 L knapp 80 L, so dass die Reichweite je Tankfüllung 1500 km übersteigt. Wer das Fahrpedal des SLK 250 CDI so feinfühlig wie ein Instrument bedient, wird an der Kombination aus Offenfahren und grandiosen Zwischenspurts seine helle Freude haben.

  • Neider muss man sich erkämpfen! Obwohl es MERCEDES nicht nötig hat. Der SLK ist nicht nur optisch eine Wucht. Und die nähe zum SL wird ihn zum Klassiker machen.Da bin ich mir sicher....

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