Motorradtest BMW K1600 GT
Ein Motorrad wie eine Stunde Yoga

Klein, leicht, preiswert und sexy. All das ist sie nicht, die K1600. Im Stand ruft BMWs Sechszylinder-Reisemotorrad massig Kritik hervor. Wer viel damit unterwegs ist, sieht das aber ganz anders. Vor allem entspannter.
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Düsseldorf„Ey, stell mal deinen Elefanten da unten woanders hin, der braucht ja zwei Stellplätze!“ Frech, wie ein Kollege mein Testmotorrad bezeichnet. Aber er bringt es auf den Punkt: Dinosaurier-Motorräder mit Goldwing-Abmessungen liebt oder hasst man – dazwischen gibt es wenig. Das gilt offenbar auch für die BMW K1600 GT, die es mit Gepäck und Fahrer mal eben auf eine halbe Tonne bringt. Ein Elefant eben.

Doch wer sich für eine K1600 entscheidet, tut das aus einem guten Grund: Ein mächtiger Motor, hervorragender Windschutz und fette Koffer. Kurzum, die Lust am Reisen. Der famose Reihensechszylinder verspricht eine hohe Laufruhe und Leistung satt, das elektrisch verstellbare Fahrwerk Komfort pur und ein Blick auf die breiten Koffer bestätigt, dass diese einiges an Gepäck schlucken.

Dazu kommen alle möglichen Annehmlichkeiten, von denen ein Biker nur träumen kann – oder ums Verrecken nicht träumen will: Eine in fünf Stufen beheizbare Sitzbank (auch für die Sozia), in derselben Anzahl kann die Heizung der Griffe reguliert werden, ein elektrisch verstellbarer Windschild, ein Bordcomputer, der dem aus so manchem Mittelklasseauto Konkurrenz machen könnte, ein Radio samt USB-Anschluss und nicht zu vergessen ein fest verbautes Navigationssystem. In einem Motorrad. Den einen freut’s, der andere dreht sich kopfschüttelnd weg. Oder nennt das Bike wenig respektvoll nur „Vier Zimmer, Küche, Bad.“

Egal wie man zu vollausgestatteten Luxus-Tourern steht, der turbinenartige Antrieb fasziniert so gut wie alle Motorradfans. Der 1.649 Kubikzentimeter große Reihensechszylinder erwacht mit einem wohlig-schaurigen Fauchen. Fast schon aggressiv röhrt es aus den sechs Mündungen der beiden Auspuffstränge.

Dann heißt es Aufsteigen. Wer sein Bein sonst über Sportler oder Naked Bikes schwingt, wird von der massigen K1600 GT anfangs gefordert. 332 Kilogramm vollgetankt wollen erst einmal balanciert werden, beim Rangieren sieht der GT-Neuling aus wie ein blutiger Anfänger. Auch wegen der nicht sehr feinfühligen Kupplung denkt der Novize auf seinen ersten Metern vor allem an eines: „Nur nicht umfallen.“

Doch schon nach wenigen Minuten sind die anfänglichen Zweifel fast alle vergessen, der ruhige Charakter der GT holt seinen Fahrer ein. Das wenige Gefühl im Kupplungshebel wird einfach mit etwas mehr Gas kaschiert, den mächtigen Bremsen (zwei 320-mm-Scheiben vorne, eine 320-mm-Scheibe hinten) vertraut man blind, das serienmäßige ABS regelt vollkommen unauffällig. Nur die enorme Breite wegen der beiden Koffer kann ich im Stadtverkehr nicht vergessen.

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