Nissan 370Z Nismo im Test
Godzillas kleiner Bruder greift an

Der Nissan 370Z Nismo sieht aus wie das Ergebnis eines Tuning-Laien-Wettbewerbs. Doch der „kleine Bruder“ des GT-R ist kein Blender – sondern ein ehrlicher Sportwagen, der auch einen Porsche überraschen kann.
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Wer in Deutschland einen „M“-, „RS“- oder „AMG“-Schriftzug auf seinem Kofferraumdeckel spazieren fährt, bekommt von den meisten Sportwagenfans Respekt und ein anerkennendes Kopfnicken. Kein Wunder, schließlich zählen die flotten Wagen à la BMW M3, Audi TT RS oder Mercedes C63 AMG zu zugleich gefürchteten wie bewunderten Rennern auf Landstraße und Nordschleife.

Und was ist, wenn in silber-roten Lettern „Nismo“ auf dem Heck prangt? Nun, in Japan würden Sie bei Passanten damit wohl ähnliche Reaktionen hervorrufen wie in Deutschland mit einem Porsche Cayman S. Hierzulande erhalten Sie aber eher ein müdes Lächeln als Respekt.

Der ein oder andere Kollege konnte sich einen herzhaften Lacher nicht verkneifen, als ich zu dem Nissan 370Z Nismo in der Tiefgarage führte. Zugegeben, die Ansicht von hinten mit dem wohl größten Heckflügel, den ein Testwagen bei uns je hatte, zwei fetten Auspuff-Endrohren mit je 12 Zentimetern Durchmesser und den überbreiten Radkästen erinnert eher an das Ergebnis eines schlechten Tuning-Wettbewerbs von Hinterhof-Schraubern als an einen Sportwagen von der Stange.

Wer die prollige Optik des 370Z Nismo nur auf eine Bewerbung für den nächsten Bodybuilding-Wettbewerb reduziert, tut dem Wagen Unrecht. Alles, was die Designer geändert haben, folgt auch einem technischen Zweck. Alleine die aggressiver gezeichnete Front mit tief heruntergezogener Schürze samt anthrazit-farbenem Splitter verbessert in der Theorie die turbulenzfreie Umströmung der Karosserie.

Wegen des neuen Stoßfängers vorne wächst der Nismo gegenüber dem Standard-Z übrigens um fast zwei Zentimeter in die Länge. All das interessiert den Kollegen schon gar nicht mehr, er hat schon längst etwas mitleidig „Viel Spaß“ gewünscht und sich in seinem Golf Richtung Feierabend aufgemacht.

„Den Spaß werde ich schon haben“, denke ich mir und steige ein. „Ich werde sogar sehr viel Spaß haben.“ Kaum habe ich Platz genommen, stellt sich sofort das typische Sportwagen-Feeling ein. Aber nicht das eines Porsche, wo in einem rundum lederbezogenen Innenraum gleichzeitig auch noch eine Wohlfühl-Atmosphäre herrscht.

Im Nismo ist alles ein wenig enger und dunkler, das Alcantara-Sportlenkrad mit roter 12-Uhr-Markierung, der mittige Drehzahlmesser mit einer Skala bis 9.000 Umdrehungen und die Zusatz-Instrumente auf der Mittelkonsole erinnern eher an einen waschechten Rennwagen als an ein weichgespültes Straßenauto.

Auch der leicht heisere Motorensound aus den fetten Endrohren verspricht vor allem eines: Vortrieb. Doch von den 344 PS des 3,7 Liter großen V6 brauche ich zunächst nur einen Bruchteil. Es herrscht Stau auf der Autobahn nach Hause. Statt mich an den knackig-kurzen Schaltwegen der Sechsgang-Handschaltung – eine Automatik oder Doppelkupplung gibt es im Nismo nicht – erfreuen zu können, kämpfe ich im Berufsverkehr mit der knochenharten Kupplung. Der sehr klar definierte Schleifpunkt ist super, um beim Beschleunigen möglichst flott die Gänge zu wechseln. Beim ständigen Anfahren im Stop&Go-Verkehr oder beim zentimetergenauen Rangieren hilft das allerdings wenig.

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