Nissan GT-R im Handelsblatt-Test
Mit Sicherheit unvernünftig

Den GT-R von Nissan kann man kaum verstecken. Im Alltag auf der Straße kommt er rüber wie der Ork inmitten der Elfenschar. Dass er sich Protzerei locker leisten kann, macht ihn reizvoll. Und 97.000 Euro zum Schnäppchen.
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Düsseldorf„Schön ist ja irgendwie anders“, sagt ein Nachbar als er den großen, bulligen Nissan-Supersportler GT-R in der Einfahrt sieht. Ein kantiges Breitheck a la Nascar, mit vier Auspufftöpfen, in die man eine Männerfaust stecken könnte, gekrönt von einem gewaltigen Spoiler-Geweih. „Schön muss auch nicht“, verteidige ich meinen silbergrauen 550-PS-Boliden, „der ist schnell und exotisch. Und für die Leistung muss du bei anderen doppelt so viel zahlen.“

Wer mit der Playstation und Gran Turismo vertraut ist, der weiß in der Theorie schon um die Vorzüge dieses Sportwagens, den Nissan 2009 endlich auch auf den deutschen Markt brachte, der seitdem jedes Jahr ein werksseitiges Update bekommt und dessen Motor in einer staubfreien Fabrik von Japans besten Ingenieuren und Motorenbauern immer noch von Hand zusammengesetzt wird.

In der Praxis fährt der aktuelle GT-R-Jahrgang zum Preis von 96.400 Euro Leistungsdaten auf, die ihn nicht nur für Videospieler zum Traumwagen machen: 550 Pferdestärken aus einem hoch drehenden V6-Motor mit 3,8 Liter Hubraum und zwei Turboladern, satte 632 Newtonmeter Drehmoment, die bereits ab 3.200 Umdrehungen anliegen, Allradantrieb, Doppelkupplungsgetriebe, Launch Control, Fahrwerkstechnik vom Feinsten und Heerschaaren elektronischer Helfer, vereint in einer dynamisch niedrig geduckten Karosse, die - ganz vorsichtig ausgedrückt - angriffslustig wirkt.

Aber wie der Nachbar schon bemerkte, gefällt dieses kantig-bullige Design des Japan-Sportlers eben nicht jedem. Eleganz nach europäischem Verständnis ist das jedenfalls nicht, eher schon klare Anmache. Mit dem GT-R lebt man auf der lauten Seite des Lebens, manche finden so viel zur Schau getragene Power sogar ein bisschen prollig.

Der Druck auf den roten Startknopf macht den Letztgenannten klar: Der bellt aber nicht nur, der beißt auch gnadenlos zu. Spielen möchte er eher nicht. Fürs Brötchenholen beim Bäcker gibt’s andere Fahrzeuge. Dieses hier hat sich seine Spitznamen Godzilla und Porsche-Killer nicht in der Innenstadt verdient.

Auf den ersten Kilometern klingt auch in der jüngsten Auflage noch immer vieles aufdringlich mechanisch. Ohne Komfortmodus hört man die Automatik deutlich klackend runterschalten, ab und zu scheint von irgendwo auch mal ein Schleifgeräusch zu kommen, dann ist es plötzlich wieder weg. Auch das Fahrwerk rumpelt vernehmlich. Aber alles in Ordnung, keine Angst, das gehört beim GT-R schon immer dazu.

Leicht zu lenken ist er in der Stadt auch immer noch nicht, die breiten Reifen laufen jeder Spurrille und Straßenbahnschiene nach. Die Übersicht nach hinten raus ist mickrig, man orientiert sich halt nach vorn im GT-R.

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