Nissan Leaf im Handelsblatt-Test
Gemütlicher Schnurrer für vermögende Pendler

Der Nissan Leaf kann für Berufspendler ein ideales Elektro-Alltagsauto sein, vorausgesetzt man hat eine kurze Strecke und einen eigenen Stromanschluss. Aber der Wertverlust treibt einem die Tränen in die Augen.
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DüsseldorfDen Durchbruch für das Elektroauto in Deutschland könne er bringen, der neue Elektro-Golf, glaubt die Fachpresse. Doch das anlässlich der IAA präsentierte Auto der Wolfsburger wird erst 2014 auf die Straßen kommen, und längst sind Mitbewerber unterwegs, die dem Golf weit enteilt sind.

Einen davon habe ich eine Woche lang als typischer Berufspendler genutzt, bin jeden Tag etwas mehr als 60 Kilometer damit zur Arbeit und zurück nach Hause gefahren. Nach einigen zusätzlichen Kurzausflügen bin ich nicht nur von seiner Alltagstauglichkeit absolut überzeugt. Ich glaube sogar, dass der Elektro-Golf keine Chance haben wird, den Nissan Leaf der zweiten Generation zu schlagen. Die wichtigsten Argumente im Überblick:

Bedienung: Ein Knopf zum Ein- und Ausschalten, ein leuchtender Knubbel in der Mittelkonsole mit nur drei Symbolen: Vorwärts, rückwärts, parken, dazu eine Fuß- und eine Feststellbremse sowie eine Eingang-Automatik. Wie einfach kann Autofahren noch werden? Was Nissan im Leaf bietet, kann ein Golf VII auch als Elektrofahrzeug allenfalls anstreben, optimieren kann man diese entspannende Simplizität wohl kaum.

Preis: Nissan hat reduziert, um 3.000 auf nun 29.690 Euro. VW sagt zwar offiziell noch nichts zum E-Golf-Preis, gemunkelt werden ca. 35.000 Euro. Die Wolfsburger verlangen aber schon für den auf der IAA im September präsentierten E-Up so viel wie Nissan für die preiswerteste Leaf-Variante – und letzterer liegt eine ganze Fahrzeugklasse über dem Up. Zudem lockt Nissan mit einem besonderen Angebot: Mietet der Kunde die Batterie zu einer monatlichen Pauschale, kostet der Leaf nur noch 23.790 Euro. Die genauen Kosten hierfür variieren allerdings nach der vereinbarten Laufleistung. Da hier jeder Kunde das Angebot nach seinen individuellen Bedürfnissen durchrechnen muss, haben wir diesen Punkt nicht weiter berücksichtigt. Wer zudem die übliche Aufpreispolitik des Wolfsburger Konzerns kennt und sich die Extras im serienmäßigen Leaf betrachtet, wird sagen: Vorteil Japan.

Design: Ein Golf ist ein Golf und bleibt ein Golf. Somit ist seine größte Stärke auch seine Design-Schwäche. Er ist das Jedermann-Auto, die goldene Mitte, der vom Mainstream glattgespülte Kiesel. Was aber viele Käufer auch gut finden. Der Nissan bietet mir persönlich aber mehr, weil er unverwechselbarer ist. Klar, nicht jeder wird seine hervorquellenden Scheinwerfer-Augen und das asiatische Neo-Barock-Design mögen. Aber der Punkt für den mutigeren, selbstbewussten Auftritt geht nach Japan.

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Restwerte des Grauens

Kommentare zu " Nissan Leaf im Handelsblatt-Test: Gemütlicher Schnurrer für vermögende Pendler"

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  • Einige Hersteller haben es ja bereits begriffen: Wenn Elektroantrieb, dann mit Range Extender. Was den Spaß verteuert.

  • @Sebastian:
    In Grundzügen gebe ich Dir Recht.
    Es liegt aber auch mit an der jetzigen Batteriegeneration - die ist noch teuer. Es ist bekannt, dass bei Markteintritt alle draufzahlen: Hersteller, Kunden, etc. Aller Anfang ist schwer.

    Ein Auto "für alles zu nutzen" macht zunehmend immer weniger Sinn. Es können sich aber nicht alle Menschen zig Lösungen leisten. Sinnvoller wäre es aber von einem MIX auszugehen (Auto, Fahrrad/e-Fahrrad, Roller/Motorrad mit/ohne e-Komponenten, öffentl. Nahverkehr). Beim Auto macht es häufiger weniger Sinn, weit über 1 Tonne zu bewegen, um 1 Person irgendwo hin zu kutschieren. Es ist aber "bequem" und zählt noch zur Normalität. In Ballungszentrum kommen zudem Staus und enorme Parkplatznöte hinzu. Ein z.B. Motorroller ist hier viel flexibler.

    Alles mit einem Erdgasauto zu lösen macht so auch wenig Sinn. Erdgasautos sind häufig häßliche Autos; Emotion Null. Warum die Autoindustrie sich hier selbst so drangsaliert, läßt sich nicht klar beantworten. VW hat aber zukünftig durch die Baukastenvariationen viel schnellere Möglichkeiten dem Kunden bei immer mehr Fahrzeugen mehr Antriebswege aufzeigen zu können.

    Zukünftige Konzerne wie VW, TOYOTA, etc. kommen aber nicht umhin, auch Mobilität unterhalb eines Autos anzubieten. Diese Strategie steckt aber noch in den Kinderschuhen. Es fällt Autounternehmen schwer, nicht nur Auto zu denken.

  • Ich habe mir in Toronto de Tesla angeschaut. Der Leaf soll änlich aufgebaut sein allerding ist die Reichweite nur 30% verglichen mit Tesla aber auch der Preisunterschied ist vergleuchbar.
    Beim Tesla ist es ganz einfach. 2 E-antriebsmotoren, ein E-motor für die Lenkung und Batteriemodule.
    Grdundsätzlich kann da nicht viel kaput gehen und auch dann ist das schnell auszuwechseln.

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