Nissan Micra im Handelsblatt-Test Die Micramorphose des kleinen Runden

Globalisierung geht nach hinten los, wenn ein „Weltauto“ in Europa nicht verstanden wird. Da hilft nur: Neuerfinden. Nissan hat es getan, beim neuen Micra. Der Kleine ist ein ganz Großer. Mit Abstrichen beim Motor.
Nissan vollführt beim Generationswechsel des Micra auch einen des Konzepts. War das alte Modell ein blasses Weltauto, ist der Neue ein schnittiger Stadtflitzer nach europäischem Geschmack. Quelle: Frank G. Heide
Nissan nennt es die Micramorphose

Nissan vollführt beim Generationswechsel des Micra auch einen des Konzepts. War das alte Modell ein blasses Weltauto, ist der Neue ein schnittiger Stadtflitzer nach europäischem Geschmack.

(Foto: Frank G. Heide)

Die noch aktuelle Generation des beliebten Kleinwagens Nissan Micra war ein echtes Weltauto. Und das hieß: schmaler und höher als der rundliche Vorgänger. So hoch, dass man innen problemlos Turban tragen konnte, das war beabsichtigt. So schmal, dass man auf Dritte-Welt-Straßen gut klarkam. Viel mehr muss man kaum wissen, um zu verstehen, warum sich das Fahrzeug in Premium-Dienstwagen-Deutschland schlechter verkaufte als seine erfolgreicheren Vorgänger.

Nun soll niemand behaupten, Nissan würde nicht lernen. Also wird die Turban-Idee zum alten Hut, die Japaner proben die „Micramorphose“ vom Weltauto zum Europäer: Der Innenraum wird hochwertiger, das ganze Fahrzeug wächst und wirkt auch viel erwachsener. Man denkt nicht mehr automatisch: „Aha, günstiger Zweitwagen“, wenn man den Neuen sieht. Diese Neuerfindung des Micra wirkt auch, weil der Neue nun knapp vier Meter misst und zudem breiter sowie flacher wurde, was mehr Dynamik auf dem Asphalt vermittelt.

Und doch bleibt vieles wiedererkennbar, etwa auf dem Fahrersitz. Da werden nach Prognose der Schöpfer von Micra-Generation K14 wohl auch in Zukunft vor allem Frauen jenseits der 50 Platz nehmen, - obwohl man sich ehrlich anstrengt, diese so genannten jungen Menschen zu erreichen, von denen ja alle Hersteller träumen. Zum Beispiel mit der aktuellen Werbung „Triff Deinen Komplizen“, die den ewigen Fiesta-Herausforderer zum Fluchtwagen eines Lifestyle-Pärchens stilisiert, das atemlos durchs staubige New Mexico irrt.

In Wahrheit verhalten sich die ersten Fahrerlebnisse mit der nur noch als Fünftürer erhältlichen fünften Generation viel weniger abgehetzt, aufgeregt (und staubig) als in der Werbung. Das beginnt schon beim Betrachten von Karosse und Innenraum, wenn man unweigerlich innehält und sich fragt: „Moment mal, das soll wirklich ein Micra sein?“ Man sitzt gut eingebettet, genießt tatsächlich auf allen Plätzen ein Raumgefühl, das viel mehr Größe und Lifestyle zeigt, als im Gattungsbegriff Kleinwagen üblicherweise mitschwingt.

Und man muss den Japanern Respekt zollen, wie hochwertig und gut aufgeräumt sie den Innenraum hinbekommen haben, der in den Testwagen immer mit zwei wunderbar kontrastierenden Lederfarben daherkam. Überhaupt: Diese leuchtenden Farben! „Lack is the new Orange“, kalauert man beim aktuell wachstumsstärksten japanischen Hersteller, in Anspielung auf einen bekannten Netflix-Serienhit.

Leuchtend umrahmen farbige Applikationen modernes Multimedia-Infotainment, auf Wunsch ergänzt von dickem Leder in Kontrastfarbe. Kurz mal anfassen: Tatsächlich, alles echt! Was schon für ein kleines „Wow!“ sorgen kann.

Junge, bist Du aber groß geworden!
Nissan nennt es die „Micramorphose“
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Nissan vollführt beim Generationswechsel des Micra auch einen des Konzepts. War das alte Modell ein blasses Weltauto, ist der Neue ein schnittiger Stadtflitzer nach europäischem Geschmack. 

Der neue Nissan Micra, Generation 5. Intern heißt sie K14.
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Auf 3,99 Meter streckt sich der sehr erwachsen und modern gewordene Kleinwagen jetzt. Er wurde zudem acht Zentimeter breiter und deutlich flacher als der Vorgänger. Außerdem gibt es ihn nur noch als Fünftürer, auch wenn die schön ins dunkle Fensterband integrierten hinteren Türgriffe das optisch etwas vertuschen.

Die Sicherheitsausstattung kann sich sehen lassen
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Neben den gesetzlich vorgeschriebenen Systemen wie ESP, ABS und Reifendruckkontrolle gehören sechs Airbags, ein Notbremsassistent mit Kollisionswarner, eine Berganfahrhilfe, automatisches Fahrlicht und Warnblinker bei Notbremsungen immer zur Serie.

In höheren Ausstattungen oder optional gesellen sich neben den bereits genannten ein Totwinkel- und Fernlichtassistent, Notbremssystem mit Fußgängererkennung, Rückfahrkamera inklusive Parksensoren sowie eine Verkehrszeichenerkennung.

Ein echter Hingucker
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Von den teils sehr rundlichen Formen seiner vier Vorgänger-Generation hat sich der neue Micra emanzipiert. Ein Highlight an der Front sind die LED-Tagfahrscheinwerfer.

Viel Raum für Individualität
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Die kontrastierenden Farben verfehlen nicht ihre Wirkung auf den Betrachter. Der Micra hinterlässt einen modernen und wertigen Eindruck: Und außen sind sogar mehr als 100 Farbkombinationen inklusive Folierungen möglich.

Modern gezeichneter Innenraum, mit farbigen Applikationen und auf Wunsch umfassend mit Leder ausgekleidet
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Ansehnlich geraten sind auch das zentrale Display (Serie ab Acenta) für die Darstellung der wichtigsten Fahrinformationen sowie der 7 Zoll große Touchscreen für die Bedienung von Multimedia, Navigation oder die Einbindung von Smartphones.

Multifunktions-Lederlenkrad im Nissan Micra
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Für ein etwas sportlicheres Erscheinungsbild wurde der Lenkkranz unten abgeflacht. Die zahlreichen Tasten sind sinnvoll gruppiert, die Bedienung des ganzen Fahrzeugs mitsamt einem Heer von Assistenten ist flott gelernt.

Die bunte Vielfalt geht außen weiter: Zehn verschiedene Basislackierungen gibt es, dazu gesellen sich Styling-Pakete mit Kontrastfarben für Spiegelkappen, Seitenschwellern, Front- und Heckstoßfänger. Zählt man noch die ganzen Akzent-, Teil- und Voll-Folierungen für Haube, Dach und Flanken dazu, ergeben sich über 100 verschiedene Möglichkeiten, mit denen man seinen Micra sehr persönlich gestalten kann.

Und so fährt er sich
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