Opel Corsa im Handelsblatt-Test: Für 30 Euro selten so voll gewesen

Opel Corsa im Handelsblatt-Test
Für 30 Euro selten so voll gewesen

Seit über 30 Jahren rollt der Opel Corsa über die Straßen. Der Dauerbrenner hat seine Schwächephase überwunden und glänzt in der Generation E mit Pragmatik und Sparsamkeit. Das entschädigt für Sünden der Vergangenheit.

DüsseldorfEs gibt diese Autos, die gibt es immer. Da wäre der VW Golf, seit über 40 Jahren Bestseller und Dauerbrenner. Da war fast 50 Jahre der Toyota Corolla. Da sind der Suzuki Swift und bis Ende Januar noch der Land Rover Defender. Und seit 1982 ist da immer der Opel Corsa. Die Rüsselsheimer schicken inzwischen die fünfte Generation, den Corsa E, ins Rennen um die begehrte Kleinwagensparte.

Und so klein und so unscheinbar der Klotz, der in Eisenach und Saragossa verschraubt wird, auch ist, für mich ist es eines der Autos, mit denen ich am meisten Erinnerungen verbinde. 1988 wurde ein Opel-blauer Corsa mit 45 PS und Choke das neue Familienauto. Und damit nach dem Führerschein zehn Jahre später auch mein erster fahrbarer Untersatz.

Der Keilriemen quietschte bei Nässe, die Kühlschläuche mussten regelmäßig abgedichtet werden, er war von Blechschäden gezeichnet und alle Nase lang war ein Loch im Auspuff. Doch wie es so ist mit der ersten großen Liebe, da stören einen die Fehler nicht, man ist schlichtweg froh, dass man sie gefunden hat.

Auf das unfallbedingte Ableben des 86 gebauten Corsa folgte ein weiterer A, Baujahr 1991. Statt der riesigen Glaskästen als Scheinwerfer hatte der schnittig dreinblickende Schlitze. Und er war Direkteinspritzer. Kein Choke mehr, dafür reichlich Elektronikprobleme. Auch die Löcher im Auspuff blieben.

Dafür brach dann noch der Fahrersitz. In der Tiefgarage der Uni hatte ich einmal die Schaltstange in der Hand. Und irgendwann kochte das Kühlwasser. Nach etwa fünf Jahren ging er an einen Bastler.

Bühne frei für den Corsa B, Baujahr 2000, Sonderedition 100, 1,0 Liter, Dreizylinder, Benziner. Ein Motor, der so unrund lief, dass der Wagen im Stand ruckelte wie ein Traktor. Auch hier brach der Fahrersitz, Stellmotor und Steuergerät versagten, der komplette Kabelbaum musste gewechselt werden, dreimal gab es eine neue Lambda-Sonde.

Die knapp über 50 PS schoben den leichten Zweitürer aber recht flott durch den Stadtverkehr. Aber der ewige Ärger über die Unzuverlässigkeit des Corsas – er wurde mindestens fünfmal abgeschleppt und blieb einmal in einem sich auflösenden Stau auf der linken Spur liegen – und die unerträglichen Marotten der Kiste machten mir nach zehn Jahren Corsa klar: nie wieder Opel. Ich hatte einfach keine Lust mehr.

So wie mir ging es vielen Fahrern, die Qualitäts- und Innovationskrise wurde zur Absatzkrise und letztlich zur Konzernkrise. Erst durch einen radikalen Wandel, neue Modelle, bessere Haltbarkeit und Extras zu kleineren Preisen hat Opel in den vergangenen Jahren langsam wieder die Kurve gekriegt. Und das führt uns wieder zum Anfang: dem Opel Corsa E.

Als es hieß, der Neue ist in der Stadt, hob ich den Finger. Denn mit etwas Abstand war sie dann doch da, die nostalgische Verklärung, die Autoromantik. Noch einmal einen Corsa fahren? Ja bitte. Und wenn es nur darum ginge, die Schrottkistenimpressionen der vergangenen Generation zu bestätigen. Eins vorweg: Während sich der Corsa in vielen Dingen grundsätzlich verändert hat, sind manche Dinge einfach gleich geblieben.

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