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Was ein Porsche im Alltag taugt

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Der neue 911er kann auch anders

Immerhin: Trotz aller Enge bietet der 911er ein Komfortfeature, auf das heute offenbar niemand selbst in einem Sportwagen mehr verzichten mag: nämlich Cupholder. Schön versteckt hinter einer Alublende verbergen sich gleich zwei Halterungen für Cappuccino und Fanta. Und die Bequemlichkeit kennt kein Ende.

Porsche 911 Carrera S: Im alltäglichen Familieneinsatz finden auch kleine Passagiere einen sicheren Platz an Bord. Quelle: Sebastian Schaal
Porsche 911 Carrera S: Im alltäglichen Familieneinsatz finden auch kleine Passagiere einen sicheren Platz an Bord. Quelle: Sebastian Schaal

Kleiderhaken an den B-Säulen und an den Lehnen der Vordersitze und eine umfangreiche Hifi-Anlage gehören auch dazu. Ob die allerdings gleich wie beim Testwagen mit Lautsprechern der Edelmanufaktur Burmester ausgestattet sein muss, sei einmal dahingestellt. Bei einem Porsche sitzt das Orchester hinter dem Fahrer im Motorraum. Egal, Jung und Alt freuen sich auf jeden Fall über alle Audio- und Elektroanschlüsse für iPad, iPhone, Laptop und was sonst noch alles.

Dank einem recht üppigen Handschuhfach und Ablagen in den Türinnenseiten findet auch Kleinkram wie Sonnenbrille und Kaugummi seinen Platz. Dass es für den 911er sogar ein Dachgepäckträger erhältlich ist, verwundert da auch nicht mehr, ermöglicht aber bestimmt nicht nur den Transport von Skiern zum Chalet in den Alpen, sondern auch vom Kinderwagen für den Sohnemann.
Da passt es nur ins Bild, dass sich der Porsche auch auf der Straße lammfromm bewegen lässt. Während sich normale Sportfahrwerke auch bei kleinsten Querrillen gerne mit trockenen Schlägen unangenehm in Erinnerung rufen, behandelt der neue 911er seine Fahrgäste ausgesprochen pfleglich. Selbst über Kopfsteinpflaster rollt der Porsche noch gut gefedert dahin, Frostlöcher oder Gullideckel jagen niemandem einen Schrecken ein.

Notizen aus dem Testbuch

  • Erster Eintrag

    Das Gerücht, dass Frauen sich nichts aus Autos machen, ist nachweislich falsch.

  • Zweiter Eintrag

    Selten war ein Gang in die Tiefgarage so sehr beliebt wie beim Porsche 911. Das gilt vor allem für die Kollegen: “Kannst du mich vielleicht mal aus der Garage fahren?”

  • Dritter Testeintrag

    Dialog an einer Aral-Tankstelle in einem Industriegebiet Leverkusens: “Glückwunsch für den Porsche!” “Danke, gehört mir aber nicht, ist ein Testwagen.” “Trotzdem Glückwunsch!”

  • Vierter Testeintrag

    Lieblingspassage im Nutzerhandbuch auf Seite 147: “Im Modus “Sport Plus” erreichen Sie maximale Performance für rennstreckenähnlichen Betrieb.” Anschließend folgen zehn Unterpunkte.

  • Letzter Eintrag

    Dickes Dankeschön an die Presseabteilung von Porsche, die das gelb-grüne Krokodil und die Rassel des ein Jahr alten Sohns unter dem Rücksitz gefunden und zurückgeschickt hat.

Das gilt eigentlich fürs ganze Auto. Die Ehrfurcht vor dem Namen Carrera gibt sich schnell. Nach den ersten hundert Metern hinterm Steuer fährt sich der Porsche völlig mühelos. Die Lenkung ist präzise, aber leichtgängig. Der Wendekreis ist mit 11,1 Metern erfreulich klein.  Das siebengängige PDK-Doppelkupplungsgetriebe wechselt weich, exakt und mit überraschend viel Gespür für die Launen des Fahrers durch, gemütlich brabbelt der Porsche im siebten Gang durch die City. Und da ist dann dieser eine kleine Moment der Enttäuschung: Porsche fahren ist keine Kunst, auch nicht bei Nässe. Heckschleuder? Das war einmal. Kostprobe: Eine flotte Kurve um den Kreisverkehr bei nass schimmernder Straße ist kein Problem, hier bricht kein Heck mehr aus.

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Die Toleranzgrenze des 911ers ist hoch. Keine Frage, wird das Gaspedal durchgedrückt, erwacht der Carrera in Sekundenbruchteilen und katapultiert seinen Fahrer mit Gebrüll in 4,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h nach vorne. Für solche Ernstfälle hat Porsche auch eine Launch Control mit ins Auto gesteckt, die geübten Fahrern echte Rennstarts ermöglichen soll. Anfängern genügt auch schon ein Druck auf die Sport- oder Sportplus-Taste, die entweder für “hohe Emotionalität und Performance im Alltagsbetrieb” oder gleich für “maximale Performance für rennstreckenähnlichen Betrieb” sorgen. Was das heißt: Das Gaspedal reagiert schneller, die Schaltzeiten werden kürzer, das Fahrwerk härter - und der Carrera verwandelt sich blitzartig von einem Alltagsauto in eine Rennmaschine - und verkürzt die Beschleunigungszeit bis auf 4,1 Sekunden.

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