Porsche 911 Targa 4S im Test
Das klappt ja prima

Lammfromm im Alltag, aber wehe, wenn man ihn loslässt: Der Porsche 911 Targa 4S überzeugt durch seine Vielseitigkeit. Besonders die beeindruckende Dachmechanik zieht die Blicke auf sich.
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DüsseldorfEin Porsche - niemals. So habe ich immer gedacht. Zu teuer, zu protzig, zu viel Klischee. Ich gehöre wohl zu den Autobesitzern, vor denen sich vor allem Sportwagenbauer fürchten: Durch und durch eine Pragmatikerin, was den fahrbaren Untersatz angeht - eigentlich.

Nach ein paar Tagen mit dem 400 PS starken Targa habe ich meine Meinung geändert. Der Wagen macht einfach Spaß und ist nicht so übertrieben alltagsfern und ausgeschlossen spaßorientiert, wie ich es mir vorgestellt hatte.

Was für einen eingefleischten Sportwagen-Fan wohl einen Minuspunkt darstellt, hat mich überzeugt: Die zwei Gesichter des Modells. Auf der einen Seite im Alltag lammfromm. Aber wenn einem danach ist, ein PS-Protz, der Beifahrern den Magen umdrehen kann und zu Adrenalin-Orgien verführt.

Wenn man im Sport-Plus-Modus den zweiten oder dritten Gang bis an den roten Drehzahlbereich bei fast 8.000 Umdrehungen zieht und dann das DSG die nächste Gangstufe reinwuchtet, dann ist sofort die nächste Drehmomentwoge da und spült einen einfach davon. Gewaltig, laut. Aber kontrolliert. Und süchtig machend.

Was für Anfänger auf den ersten Kilometern wie für ältere Markenfans auch nach zig-sten Fahrt in einem 911er faszinierend bleibt, ist das Gefühl ganz nah an Antrieb und Technik zu sitzen, den gewaltigen Schub sehr direkt unterm Gesäß zu spüren. Sämtliche Lenk-, Gas- und Bremseingriffe werden außerordentlich direkt und präzise vermittelt.

Elektronische Sicherheitssysteme und hilfreich eingreifende Elektronik sorgen auch in diesem Porsche dafür, dass der Fahrer leicht glauben mag, er könne vieles besser, schneller, kontrollierter als andere.

Gas geben, beschleunigen, den Motor brüllend hoch drehen lassen, dass es einen in den Sitz drückt - um ein paar Minuten später völlig entspannt über die Landstraße zu schweben - man möchte meinen, man fährt mit Dr. Jekyll und Mr. Hyde.

So zeigt der Wagen seine enorme Alltagstauglichkeit etwa durch hohen Komfort auf schlechten Straßenbelägen und im Kurvenverhalten. Mit Winterreifen bei Regen im Stadtgebiet Düsseldorf unterwegs zu sein ist nicht der ideale Spielplatz für den 911er. Doch immer wenn wir es per Gasfuß wünschen, wackelt er ein ganz klein bisschen mit dem Hinterteil, wird für einen Sekundenbruchteil hecklastig, bevor die Allradtechnik zielführend übernimmt.

An genau den richtigen Stellen spart sich Porsche jedoch wiederum zu viel Komfort - das Lenkrad ist von allen Knöpfchen und Schaltern befreit und die Schaltpaddles drehen sich mit. Genau so sollte es in einem Sportwagen sein.

Zu den perfekten zwei Gesichtern gehören auch die "Segel"-Funktion des Targa und seine Start-Stopp-Automatik, die für Entspannung im Berufsverkehr sorgt. Das "Segeln" ist vor allem auf der Autobahn nett, wenn man es mal nicht so eilig hat. Dann schaltet der Targa bei Bedarf auf zahm um.

Nimmt man etwa bei Richtgeschwindigkeit das Gas weg, werden Motor und Antrieb elektronisch getrennt, das Drehzahlniveau sackt auf ca. 1.000 Touren und man rollt fast lautlos mit minimalen Verbrauch weiter. Ein leichtes Tupfen auf Gas oder Bremse und sofort ist der Anschluss wieder da.

Zugegebenermaßen, jedermanns Geschmack ist das vielleicht nicht, aber wer einen Allrounder sucht, für den ist der Targa 911 genau das richtige. Die schnelle Wandelbarkeit zeigt sich jedoch nicht nur im Fahrbetrieb. Spektakulär ist auch der Mechanismus des Faltdachs des Targa.

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