Porsche Cayenne S Diesel im Autotest
Der Porsche unter den Sparern

Der Cayenne ist für Porsche-Traditionalisten ein Frevel: Groß, schwer, hoch und großteils Diesel-betrieben. Doch zwei typisch schwäbische Eigenschaften machen das teure Luxus-SUV sympathisch – und erfolgreich.
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DüsseldorfBei dem Stichwort „Porsche“ fällt selbst dem Autolaien sofort etwas ein: Boxermotor, Sechszylinder, die klassische Form des 911er. Kurzum: Es geht um Sportwagen. Doch bei Porsche selbst gilt das heute nur noch eingeschränkt. Die aktuellen Absatzrekorde verdankt der Autobauer nicht seinen Sportwagen, denn mehr als die Hälfte der Zuffenhausener Produktion hört auf den Namen Cayenne.

Kurz nachdem die Stuttgarter Mitte der 1990er Jahre den allenfalls belächelten Hausfrauenporsche Boxster auf den Markt gebracht hatten, folgte für die Traditionalisten schon der nächste, viel schwerwiegendere Tabubruch: Ein neumodisches SUV. Allradantrieb. Frontmotor. Fünf Sitze. In einem Porsche! Unvorstellbar.

Doch längst ist der anfangs von Traditionalisten verhöhnte Cayenne zum Herzstück des Autobauers geworden. Die Verkaufszahlen stimmten selbst die Kritiker milde, es schienen sich tatsächlich solvente Menschen für dieses Trumm von Auto zu interessieren.

Egal, ob damit Pferd samt Tochter zu Turnieren gezogen wird, die Gattin den Wocheneinkauf erledigt oder der Nachwuchs zum Internat chauffiert wird: Der Cayenne ist ein Erfolg. In geradezu ungeahnte Höhen schossen die Verkaufszahlen, als sich Porsche – nach langem Zögern – einen weiteren Tabubruch beging, sich einen V6-Diesel von Audi lieh und den Cayenne auch als Selbstzünder anbot.

Und auch dieser Plan ging auf: In China und Russland verkaufen sich die Benzin-Monster jenseits der 500 PS zwar weiter prächtig, aber der ach so vernünftige Deutsche greift zum Diesel. 2012 waren 73 Prozent aller verkauften Cayenne Diesel.

Die Rechnung ist einfach: Von außen bleibt er ein echter Porsche, den Innenraum stellt sich jeder selbst zusammen, und der 245-PS-Motor ist deutlich genügsamer als die Benziner. Nur eines kommt dabei nicht vor: Spaß.

An dieser Stelle hat ein ganz besonderer Motor seinen Auftritt: Der V8-Diesel mit 4,2 Litern Hubraum namens Cayenne S Diesel. Das 382 PS starke Triebwerk hat mit seinen Sechszylinder-Kollegen soviel gemein wie Mike Tyson mit Kunstturnen. Das wird schon beim Anlassen klar: Von Diesel ist hier nichts zu hören, stattdessen kommt ein scharfes, aber sattes Brabbeln aus den beiden Endrohren. Nicht ganz wie ein V8-Benziner, aber selbst Kenner müssen die Ohren spitzen, um den Selbstzünder überhaupt zu erkennen.

Zugegeben, neben der Zündprinzip teilt sich der 4,2-Liter-Motor noch etwas mit dem V6: Er stammt ebenfalls von Audi. Mit einer neuen Elektronik, neuen Kolben und neuen Auslassventilen hebt sich der Porsche-V8 vom Audi-Triebwerk ab. Nicht zu vergessen die aufwendige Abgasanlage, die für den besonderen Motorensound sorgt. Auf die ist man in Zuffenhausen besonders stolz.

Ganz nebenbei ist ist diese Urgewalt von Motor natürlich auch noch für ordentliche Fahrleistungen gut. Dank mächtigen 850 Newtonmetern Drehmoment ab 2.000 Umdrehungen geht es in 6,5 Sekunden auf 100 km/h und wären da nicht die Winterreifen unseres Testwagens (maximal 240 km/h), würde der Cayenne bis 252 Stundenkilometer weiter beschleunigen. 2,5 Tonnen Leergewicht zum Trotz.

Kommentare zu " Porsche Cayenne S Diesel im Autotest: Der Porsche unter den Sparern"

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  • Stimmt, es gibt "nur" 34 Cayenne unter 12.500 EUR bei autoscout (das Angebot bei mobile ist ja bekanntlich immer größer), teiweise 8 Jahre alt und kein 150 Tkm gelaufen. Für ein Automobil der deutschen Spitzenklasse einfach nur peinlich. Für einen "echten" Porsche oberpeinlich. Ist die Qualität wirklich sooo schlecht?

  • @Elvis
    Restwerte von Fahrzeugen, die nur eine Minderheit kauft, die Mehrheit aber least, werden über 3 - 4 Jahre berechnet, nicht über 10. Und Cayenne von 2003 kosten nur in Ausnahmefällen 10.000, meist deutlich mehr. Siehe Autoscout.

  • Porsche ist kein Kleinbetrieb, sondern eine Marke von VW, wie Skoda oder Seat. Porsche wird -zugegeben unter Fachleuten- auch Sport-Skoda genannt. Im Übrigen kosten 10 Jahre alte Cayenne keine 10 TEUR mehr. Das ist alles andere als wertstabil.

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