Porsche Panamera 4 E-Hybrid im Handelsblatt-Test
Das grüne Gewissen hat 462 PS

Wenn Porsche-Fahrer etwas für die Umwelt tun möchten, tun sie es natürlich von der linken Spur aus. Möglich macht das der Panamera als Plug-in-Hybrid. Eine Ausfahrt klärt, ob er genau so grün ist wie seine Bremssättel.

DüsseldorfEr ist groß, schwarz und schwer. Und heute ist der Tag, an dem wir uns zum ersten Mal begegnen. Der Ladekoffer des Porsche Panamera 4 E-Hybrid und ich. Gestern habe ich mich in unter fünf Sekunden von null auf Hundert schießen lassen, heute brauche ich 15 Minuten, ehe ich dem Drehstromzähler in der Tiefgarage auch so ein Erlebnis verschaffen kann.

Doch der Reihe nach: Porsche befreit den zum Jahreswechsel überarbeiteten Panamera von seinem Buckel und macht optisch aus ihm das, was er schon immer sein wollte: ein 911er mit vier Sitzen, die man auch tatsächlich alle benutzen kann. Feine Kniffe wie eine um rund 3,5 Zentimeter gestreckte Karosserie samt 30 Millimeter größerem Radstand helfen dabei, die Silhouette geschmeidiger erscheinen zu lassen.

Hinzu kommt, dass es nun jeweils ein kleines Seitenfenster hinter den Türen der Fondpassagiere gibt, dessen auslaufendes Ende nach unten zeigt anstatt nach oben wie bisher. Neue Rücklichter, die sich so auch im 911er wiederfinden könnten, strecken den ehemaligen Buckel zusätzlich und machen ihn endlich zu einem ästhetischen Heck.

Traditionelle 911er-Fans werden ihn aber nach wie vor mit Nichtbeachtung strafen – kein Boxermotor, keine intime Zweisamkeit, einfach kein Sportwagen. Recht haben sie. Käufer werden sich dennoch finden. Und für die, die vorgeben möchten, ein nachhaltiges Auto zu fahren, gibt es den Panamera auch als Plug-in-Hybrid.

Jetzt also Strom. Als ich den Testwagen zum ersten Mal laden möchte, entfährt mir beim Öffnen des schwarzen Nylon-Koffers (rund 45 mal 50 Zentimeter groß) im Kofferraum ein lautes Lachen. Statt eines Kabels, das ich als Hybrid-Neuling offenbar naiv erwartet habe, sehe ich vier einzelne Kabel, entsprechend acht Stecker, ein Ladegerät sowie eine mehrsprachige 300-Seiten-Bedienungsanleitung, zu der ich direkt greife. Denn mit Messer, Gabel, Schere, Licht und bis zu 30 Ampere Ladestrom spielt man besser nicht.

Schnell zeigt sich, alles halb so wild. Der gut elf Kilogramm schwere Kabelsalat will dem Fahrer nur alle Ladeoptionen bieten: Starkstrom, Hausstrom, Ladesäule. Entdecke die Möglichkeiten nach Stuttgarter Art.

Ich wähle Hausstrom, denn mehr gibt die graue Steckdose in der Tiefgarage nicht her. Dazu braucht es noch das etwas unhandliche und stets auf die Display-Seite kippende Ladegerät sowie die entsprechenden Kabel. Sind die eingesteckt, ist es tatsächlich alles ganz einfach. Noch das Ladegerät einschalten und das halbdigitale Cockpit zeigt eine Ladezeit an, die so gar nicht zu einem „Sportwagen, der das Limousinensegment revolutioniert hat“ passen will: 8 Stunden, 14 Minuten. Dazu schweigt auch die Produkt-PR, die neben zitierter Revolution sonst nur von Gänsehaut und Adrenalin beim Hybrid-Panamera spricht.

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