Porsche Panamera Turbo S im Test: Surfe auf der Drehmoment-Welle!

Porsche Panamera Turbo S im Test
Surfe auf der Drehmoment-Welle!

Dieser Porsche ist ein Schiff. In puncto Abmessungen und Ausstattung. Das Verhältnis von Masse zu Power stimmt aber. Ein V8-Turbo, Allradantrieb und adaptives Fahrwerk machen ihn per Knopfdruck zum Sportboot.

DüsseldorfDas ist schon das zweite mal diese Woche: Mein 570-PS-Porsche steht still und unbewegt auf der A52, äußerst linke von drei Fahrspuren. Und der Motor ist aus. Aber keine Panik: Der Panamera hat den 4,8-Liter-Turbo selber abgeschaltet, um ein bisschen Super Plus zu sparen, das er so gerne hat. Es ist mal wieder Stau, um 7:30 Uhr morgens Richtung Düsseldorf. Was natürlich die üblichen Vorzüge eines fast 200.000 Euro teuren Luxusautos stark relativiert. Rechts zieht ein Kleinlaster vorbei, der Fahrer grinst beim Herüberschauen.

Aber ich lächle entspannt zurück. Die Sitzheizung steht auf Stufe 2, Lenkrad, Ledersitz und Lendenwirbelstütze sind millimetergenau auf Lieblingsposition justiert, die Abblendautomatik des Rückspiegels erspart grelles Licht von hinten. Das Bose-Hifi-System massiert per sanftem Surroundsound die Gehörgänge mit meiner aktuellen Playlist von der Jukebox-Festplatte.

Wenn ich statt Motown wieder Motor hören will, drücke ich die Taste für die mechanische Auspuffklappensteuerung. Dann deutet der V8 satt brabbelnd sein wahres Potenzial an. Und in der mächtigen Mittelkonsole dampft ein leckerer Cappuccino. In diesem Moment, in diesem Fahrzeug ist es völlig egal, ob ich nun noch weiter auf der linken Spur stehe oder noch 1.000 Kilometer zu fahren habe.

Am Panamera finden Porsche-Traditionalisten ja vieles ungewöhnlich, und das ist freundlich ausgedrückt. Was „Gusseiserne“ stört, sind die Abmessungen, das Gewicht, das Design mit dem auffällig großen Hinterteil. Dazu kommen vier Türen, ein Diesel wird angeboten, ja es gibt inzwischen sogar eine Langversion, die es auf 5,12 Meter bringt.

Kann Porsche in einem solchen Fahrzeug das Versprechen einlösen, dass in jedem Modell der Marke noch 911er-Gene stecken? Klar ist, es kann nicht viel von der 911-Philosophie sein, denn der Gran Turismo operiert eben vorrangig im Spannungsfeld zwischen gewichtiger Reiselimousine und potentem Sportgerät.

Schon die Beschleunigung aus dem Stand ist berauschend. Es hat eine eigene Qualität, wenn so viel Masse in nur 3,8 Sekunden von Null auf 100 km/h voranprescht. Der permanente Allradantrieb hilft enorm dabei, die bis zu 800 Newtonmeter sicher auf den Asphalt zu bringen.

Der Panamera wackelt beim Kickdown ganz kurz mit dem Hinterteil, der Fahrer genießt das fast übermächtige Gefühl von einer gewaltigen Drehmoment-Welle nach vorne gespült zu werden. Das Panamera-Schiff legt mit Turbo-Power ab, es drückt ganz gewaltig im Rücken, und will damit einfach nicht aufhören. Die Automatik mit Doppelkupplungsgetriebe schnalzt die Gänge rein, was nur als minimaler Ruck spürbar wird.

Selbstverständlich kann der Fahrer vor oder während dieser Beschleunigungsorgie das luftgefederte Sportfahrwerk anpassen, ebenso Motormanagement und Getriebe. Die Fahrstufen Komfort, Sport oder Sport Plus werden in der Mittelkonsole dazu einfach per Tastendruck ausgewählt, den nicht unerheblichen Rest der Arbeit erledigt die Elektronik in Bruchteilen von Sekunden.

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