Renault Espace im Handelsblatt-Test
Der elegante Traum vom Raum

Sie mögen die Klänge einer sachkundig gespielten Panflöte und haben ein Faible für Tonleitern? Dann können wir Ihnen hier einen ganz besonderen Künstler empfehlen: den Renault Espace. Ist er seinen hohen Preis wert?
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DüsseldorfGroße Vans sind ein Fall für Spezialisten. In der Zulassungsstatistik spielen sie nur eine Nebenrolle. Wer mehr als drei Kinder hat und regelmäßig XXL-Sperrgut oder seinen Kegelclub transportiert, wird die meist siebensitzigen Lademeister aber zu schätzen wissen. VW hat für diese Zielgruppe gerade erst den Touran überarbeitet, BMW stürzt sich mit dem großen Active Tourer in die Schlacht um Marktanteile und Renault unterbreitet mit dem neuen Espace das wahrscheinlich innovativste, modischste und exotischste Angebot.

Nicht ohne Stolz verweisen die Franzosen darauf, bereits 1984 die bis dahin eher in den USA beliebten Vans für Europa quasi neu erfunden zu haben. Schon damals hießen sie Espace und punkteten mit viel Nutzwert, aber der Erfolg der kastigen Raum-Fahrzeuge blieb immer bescheiden. Bevor unser Testwagen im Mai 2015 auf den deutschen Markt kam, konnten vier Espace-Generationen rund 1,2 Millionen Käufer locken. Zuletzt aber mit deutlich nachlassender Tendenz: SUV laufen ihnen den Rang ab.

Grund genug also für Renault, bei der aktuell fünften Espace-Auflage wirklich alle Register zu ziehen, aufs Luxus-Segment zu schauen und auch ein bisschen bei den Bestseller-SUV abzugucken. Heraus kam eine Karosserie, die ein echter Hingucker ist.

Die 4,86 Meter Länge, 1,89er Breite und 1,68 Höhe sind zwar Kingsize-Format, wirken aber dank ruhiger Linienführung und flacher Fensterlinie eher langgestreckt wie ein hoher Kombi, nicht so massig wie etliche SUV-Modelle in ähnlicher Größe. Gleichzeitig folgt man dem Trend zu fast übergroßen, auffälligen Rädern. Wer sich dem Espace zum ersten Mal nähert, hat allerdings auch den Eindruck, als würde nicht mehr ganz so viel hineinpassen, wie in manchen Vorgänger.

Öffnen wir die Türen, sehen wir einen futuristisch-luxuriös wirkenden Innenraum mit Lounge-Charakter. Und werden von sanften Flötentönen empfangen, die elektronisch variieren und dezent aufsteigend ganz freundlich auffordern: „Möchten Sie sich vielleicht anschnallen, Monsieur, s'il vous plait?“
Man kennt das von Citroen, auch da verfehlt es seine Wirkung nicht. Im Vergleich zur Panflöte wirken die üblichen aufdringlichen Warn- und Piepgeräusche anderer Hersteller wie ein gebrüllter Befehl: „Anschnallen, aber sofort!“

Entspannt nehmen wir Platz in üppig bemessenen Sitzen und genießen den Blick aus einer serienmäßigen Panorama-Windschutzscheibe, die diesen Namen wirklich verdient, weil sie sich zwischen filigranen Säulen über unseren hohen Haaransatz hinausstreckt.

Zwar können wir beim Blick voraus die Front des Fahrzeugs nur grob irgendwo in der Ferne erahnen, aber noch stört uns das wenig.

Wir blicken lieber auf die futuristisch unterteilte Mittelkonsole, bestaunen ein durch wechselndes Ambientelicht umrahmtes großes Touchscreen-Display, blicken durch zusätzliche Dreiecksfenster vor den Seitenscheiben auf die Außenspiegel und zählen in der Fahrzeugmitte drei verschiebbare Einzelsitze, hinter denen nicht nur 680 Liter Basis-Kofferraum liegen.

Aus seinem Boden wachsen (gegen Aufpreis) und per Knopfdruck zwei zusätzliche Sitze, die man – ebenso wie die mittleren – per Schalter blitzschnell wieder verschwinden lässt. Dann entsteht ein vorbildlich ebener 2,1-Kubikmeter-Laderaum in den wir bis zu 738 Kilo einladen können. Und wer mag, kann auch noch bis zu 2.000 Kilo hinten anhängen.

Das sind nahezu Kleintransporter-Dimensionen, die jeden Umzug und jeden Familienausflug zum Vergnügen machen. Und doch sieht das Gesamtpaket kein bisschen nach schnödem Nutzwert aus, denn die Innenausstattung ist überwiegend feines dunkelbraunes Nappaleder und Tageslicht fällt von oben aus gleich zwei Glasdächern. Dieser Espace hat wirklich was von einem Raumkreuzer.

Der futuristische Aspekt des französischen Designs wird aber leider auch dadurch unterstrichen, dass uns in puncto Bedienung vieles einfach nur ungewohnt, quasi zwanghaft anders als bei allen anderen vorkommt, und nicht unbedingt ausgereift wirkt.

Kommentare zu " Renault Espace im Handelsblatt-Test: Der elegante Traum vom Raum"

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  • Im Gegensatz zu dem 80 L Tank des Vorgängers hat der neue Espace nur noch Raum für 58 L Kraftstoff. Damit kommt man nicht sehr weit im Sport-Modus auf der Autobahn. Da hatten die Entwicklungsingenieure wohl die falschen Verbrauchsdaten zur Hand.

    Das Navi ist aus meiner Sicht unübersichtlicher als beim Vorgänger. Die Sonnenblenden sind einfach nur billig. Der Gurt vom Mittelsitz in der 2. Reihe ist eine Katastrophe, etc... Ich könnte noch weitere Punte nennen, die am Vorgänger besser waren und ohne Not abgeschafft wurden.
    Mit freundlichen Grüßen an die Testfahrer.

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