Renault Twingo im Handelsblatt-Test: Einmal mit anderem Motor, bitte!

Renault Twingo im Handelsblatt-Test
Einmal mit anderem Motor, bitte!

Er war ein Millionen-Bestseller für Renault, der Twingo. Weil er preiswert, zuverlässig und knuffig war, gefiel er den Frauen. Jetzt ist der neue Twingo da. Und „Alexandra“ lässt ihn sofort ganz schön alt aussehen.
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DüsseldorfWäre er ein Tier, so trüge er sicher flauschig weiches Fell, und im Namen ein verniedlichendes „chen“ angehängt. Streicheln und hätscheln würden wir ihn, den extrem knuffigen Twingo, der uns optisch besser gefällt als der neue Smart. Renault hat ihn einem echten Evolutionsprozess unterworfen, und so passt er nun besonders gut in einen hart umkämpften Lebensraum. Seine Nische ist die Innenstadt, sein Biotop heißt Parkhaus. Er ist kaum länger als ein neugeborenes Nashorn, aber so hoch wie ein Springbock. Spezialisiert hat er sich darauf Haken zu schlagen, die Spur zu wechseln, wendig einzufädeln, und sich sogar vorwärts längs in kleinste Lücken reinzuquetschen.

Darwin hätte sicher sein Freude an dem Anpassungskünstler. Denn er hat sogar Preis und Blechkleid besonders gut an Bedürfnisse moderner Metropolenbewohner angenähert, mit denen er eine fruchtbare Symbiose eingehen möchte: Frische, fröhliche Zweifarblackierungen und Zierstreifen machen ihn unverwechselbar, leichtes Handling spricht vor allem Weibchen an. Und die Männchen freuen sich über seinen angeblich geringen Appetit, sowie die artgerecht anspruchslose Haltung und Hege.  

Diese Art Nischendasein und Spezialisierung hat natürlich ihren Preis: Der Twingo ist kein Allrounder, auf Landstraße und Autobahn geht im sehr schnell die Puste aus. Hier lauern natürliche Fressfeinde in Überzahl und vernaschen ihn bei jeder sich bietenden Gelegenheit.

 

Auch der stürmische deutsche Spätherbst, das war definitiv nicht die Jahreszeit des Twingo. Als - wie Anfang Dezember - Ausläufer des Orkantiefs „Alexandra“ bedrohlich an ausgewachsenen Bäumen und Hausdächern zerrten, konnte auch der französische Zwerg keine gerade Haltung annehmen.

Denn sein Fahrwerk ist kommod wie eine Chaiselongue, der Radstand extrem kurz und dazu ist er mittlerweile zwei Handbreit höher als ein Golf. Das führt bei Seitenböen zu segelähnlichem Fahrverhalten auf der Autobahn. Man müht sich Kurs zu halten, muss aber permanent gegensteuern.

Die Beifahrerin, die den Testwagen mit modisch blau-weißer Zweifarb-Lackierung und Zierstreifen eben noch knuffig fand, schaut schon kritisch herüber. Kommen wir aus dem Windschatten eines LKW heraus, pendelt das Wägelchen flott Richtung Mittelstreifen-Botanik mit Beton-Begrenzung.

Akustisch kreativ untermalt wird das Twingo-Tänzchen von undefinierbaren Brumm-, und Knistergeräuschen aus Richtung Beifahrertür. Sie liegen noch über dem Pegel der Windgeräusche, die bei Richtgeschwindigkeit ebenfalls an ein Segelboot in steifer Herbstbrise erinnern. Der Kleinwagen präsentiert sich innen zwar optisch en vogue weil durchgehend zweifarbig, aber die zahlreichen Kunststoffe sind segmenttypisch leicht, dünn, und brummen eben gerne mit. Dazu passt, dass die Türlautsprecher für satte Bässe unterdimensioniert sind, sie verstärken oft das dissonant Türgebrumme.

Verarbeitung und Bedienung des Twingo, der von Renault gemeinsam mit Daimler entworfen wurde und praktisch ein Bruder des neuen Smart Forfour ist, werfen auch an anderer Stellen Fragen auf. Wie kann es sein, dass man die Motorvibrationen nicht in den Griff bekommt? Der Fahrersitz fühlt sich im Stand an, als hätte er eine Massagefunktion, die sich nicht abschalten lässt.

Warum versteckt man wichtige Schalter fast unerreichbar vor dem Schalthebel, tief unten im Bereich der Mittelkonsole oder links unten hinterm Lankrad? Ok, der Motor sitzt hinten, aber wieso lässt sich die Motorhaube erst nach Lektüre des Handbuchs öffnen, und dann auch nur eine Handbreit? Und warum schluckt der angeblich auf Mini-Sprit-Durst getrimmte Dreizylinder mit knapp ein Liter Hubraum im Testalltag sieben Liter Super?

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