S-Klasse Cabrio im Test

Mit dem Nackenföhn auf dem Sonnendeck

Wer etwas geschafft hat, und sei es nur, ein ordentliches Erbe anzutreten, der darf nun wieder S-Klasse offen fahren. Luftgefedert, in Leder versunken, von Assistenten umsorgt. Mit dem S-Klasse Cabrio in Cannes.
Freunde einer viersitzigen Freiluft-S-Klasse mussten sich lange gedulden, bevor das automobile Traumschiff wieder mit einem Sonnendeck ausgestattet wurde. Quelle: PR
Unterwegs mit dem neuen S-Klasse-Cabrio von Mercedes

Freunde einer viersitzigen Freiluft-S-Klasse mussten sich lange gedulden, bevor das automobile Traumschiff wieder mit einem Sonnendeck ausgestattet wurde.

(Foto: PR)

DüsseldorfDas Jahr 1971 ist kein besonders auffälliges  in der Weltgeschichte. John Lennon besang mit „Imagine“ den Weltfrieden, Erich Honecker übernahm die Macht in der DDR und Mercedes baute zum letzten Mal ein großes Cabrio. Wer heute ein Modell des W111 in der Garage stehen hat, darf sich glücklich schätzen. Gut erhaltene Exemplare des viersitzigen Cabrios werden mit Goldstaub aufgewogen. 45 Jahre später schickt Mercedes wieder ein S-Klasse Cabrio auf die Straße. 

„Open Air-Lounge mit Yacht-Feeling“ versprechen die Schwaben, wenn das Stoffdeck in 20 Sekunden im Kofferraum verschwindet. Ein Manöver, das auch bei Tempo 50 auf der Croisette in Cannes noch funktioniert.

Lust auf Luft und Luxus
Wer seine Luxus-Kunden an die frische Luft setzen will, muss einiges bieten. Wer weiß das besser als Mercedes?
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Keine Automobilmarke hat mit dem Bau offener Autos mehr Erfahrung als das Stuttgarter Unternehmen. Allerdings hat man eine extrem lange Pause eingelegt. Vor 45 Jahren lief das letzte S-Klasse Cabriolet vom Band – heute ein gesuchter und fast nicht mehr bezahlbarer Klassiker ...

Ob dies auch dem neuen S-Klasse Cabriolet eines Tages widerfahren wird, weiß niemand.
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Wichtiger dürfte sein, dass sich Fahrer wie Passagiere heute in diesem offenen Luxusliner wohl fühlen. Die Voraussetzungen hierfür könnten besser nicht sein. Die Ingenieure haben sich extrem hohe Standards gesetzt. Nicht zuletzt, um dem Hauptkonkurrenten Bentley Continental Convertible Paroli zu bieten ...

Besonderes Augenmerk legten die Entwickler natürlich auf das Verdeck.
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Es besteht aus mehreren Lagen und soll störende Geräusche dort lassen, wo sie hingehören – draußen. Ein Zug an einem kleinen Bügel unter einer Abdeckung auf der Mittelkonsole reicht, um den 20-sekündigen Prozess zu starten.

In sogenannter K-Faltung legt sich das Stoffverdeck unter einer Abdeckung hinter den Rücksitzen ab.
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Dass vielleicht die Kofferraumabtrennung nicht eingerastet ist und so die Open-Air-Absicht wie bei anderen Cabriolet mit einen „Dong-Dong“ vereitelt wird und zu einem ärgerlichen Aussteigen zwingt, muss der S-Klasse-Fahrer nicht fürchten.

Die Abtrennung fährt zuvor stets in die korrekte Position. Auch das Öffnen und Schließen per Schlüssel-Fernbedienung ist genauso möglich wie die Betätigung des Verdecks bei Fahrt. Mercedes erlaubt die Show bis Tempo 60. Darüber werden die Windkräfte zu stark.

In sogenannter K-Faltung legt sich das Stoffverdeck unter einer Abdeckung hinter den Rücksitzen ab.
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Warmluftschal aus der Kopfstütze
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Bei so viel Aufwand um das Wohl der Passagiere dürften es diese als etwas kleinlich ansehen, dass Mercedes sowohl für die warme Luftströmung aus den Kopfstützen, das rückwärtige Windschott als auch für den Windabweiser oben am Frontscheibenrahmen noch extra die Hand aufhält.

Doch der Grund klingt plausibel. In Ländern wie Kalifornien beispielsweise bestellt diese Features so gut wie keiner. Und der Sonnenstaat an der Westküste Amerikas ist der größte Abnehmer für das S-Klasse Cabriolet.

Dem Zufall überließ Mercedes natürlich auch die Klimatisierung nicht.
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Die Regelung passt sich automatisch den jeweiligen Bedingungen an, Luftverteilung und Temperierung ändern sich, sobald das Verdeck unten ist. Dazu arbeiten nicht weniger als ein Dutzend Sensoren und noch mehr Stellmotoren. Selbst die Sonneneinstrahlung wird erfasst. An kühleren Frühlings- oder Herbsttagen helfen zudem beheizte Armlehnen in der Mittelkonsole und in den Türen sowie ein Lenkradheizung für körpernahe Wärme.

Den Flaneuren in der Frühlingssonne offenbart sich der Blick auf die edle Leder- und Holzlandschaft im Innenraum, die nicht zufällig an das Interieur der im Hafen sanft schaukelnden Sportboote erinnert. Der S-500 ist nun mal ein Statement: Wer die fünf Meter lange Luxussänfte steuert, der hat sich in seinem Leben zum Kapitän hochgearbeitet.

„Achiever“ heißt die Zielgruppe des Autos im Mercedes-Markentingdeutsch. Wer etwas geschafft hat, oder vielleicht nur ordentlich geerbt hat, der darf offen und luftgefedert fahren. Bordsteine oder verkehrsberuhigende Einbauten schlucken die Luftdämpfer souverän weg.

Die Armlehnen lassen sich beheizen, der Nacken durch die eine im Sitz eingebaute Luftdüse föhnen. Der Sound kommt aus dem 3D Burmester-Sound System, das auch einen Kinosaal beschallen könnte. Mehr Sänfte geht nicht. Ab 139.000 Euro geht es los, der feine Burmester-Sound kostet 6.300 extra.

Wer ein wirklicher „Achiever“ ist, den törnen solche Preise nicht ab. Eher das Image. Das behäbige Gleiten, das satte Cruisen, das hat dann doch etwas Selbstgefälliges. Man hat unwillkürlich den Direktor Haffenloher aus der Fernsehserie Kir Royal vor Augen, den feisten Mario Adorf mit Zigarre im Bademantel.

Die Regelung passt sich automatisch den jeweiligen Bedingungen an, Luftverteilung und Temperierung ändern sich, sobald das Verdeck unten ist. Dazu arbeiten nicht weniger als ein Dutzend Sensoren und noch mehr Stellmotoren. Selbst die Sonneneinstrahlung wird erfasst. An kühleren Frühlings- oder Herbsttagen helfen zudem beheizte Armlehnen in der Mittelkonsole und in den Türen sowie ein Lenkradheizung für körpernahe Wärme. Quelle: PR
Dem Zufall überließ Mercedes natürlich auch die Klimatisierung nicht.

Die Regelung passt sich automatisch den jeweiligen Bedingungen an, Luftverteilung und Temperierung ändern sich, sobald das Verdeck unten ist. Dazu arbeiten nicht weniger als ein Dutzend Sensoren und noch mehr Stellmotoren. Selbst die Sonneneinstrahlung wird erfasst. An kühleren Frühlings- oder Herbsttagen helfen zudem beheizte Armlehnen in der Mittelkonsole und in den Türen sowie ein Lenkradheizung für körpernahe Wärme.

(Foto: PR)

Dabei will Mercedes doch solche Assoziationen eher vermeiden. Deswegen hat man neben den Achtzylinder in der Grundversion dann auch noch gleich zwei AMG-Varianten gestellt, denen man Behäbigkeit wirklich nicht nachsagen kann.

Der S63-4Matic zieht aus 5,4 Litern Hubraum gleich 585 PS. Wem das nicht reicht, der greift lieber zu dem S65 mit zwölf Zylindern und 630 Pferdestärken. Beide Varianten erledigen den Spurt von Null auf hundert in rund vier Sekunden, wie sich beim schwungvollen Anfahren hinter einer Mautstelle eindrucksvoll bestätigen lässt.

Der Souverän der Promenade
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