Skoda Kodiaq im Handelsblatt-Test Großgemacht, um hohe Erwartungen zu erfüllen

Skoda bringt sein erstes echtes SUV nach mehr als drei Jahren Entwicklungszeit auf die Straße. Der Druck ist enorm: Einen Problembären kann sich die Marke nicht leisten. Eine Ausfahrt verrät, was der Kodiaq bietet.
Der Neue gibt den großen Bruder des Yeti und steht in Verbindung mit einem 125 PS-Benziner, Frontantrieb und ordentlichen Basisausstattung ab 24.490 Euro in der Preisliste. In Deutschland macht wohl der stärkste Diesel (ab 37.040 Euro) das Rennen um die Gunst der Käufer. 190 PS vermitteln in Verbindung mit 400 Newtonmeter Drehmoment eine gewisse fahrerische Gelassenheit. Quelle: Florian Hückelheim
Skoda Kodiaq

Der Neue gibt den großen Bruder des Yeti und steht in Verbindung mit einem 125 PS-Benziner, Frontantrieb und ordentlichen Basisausstattung ab 24.490 Euro in der Preisliste. In Deutschland macht wohl der stärkste Diesel (ab 37.040 Euro) das Rennen um die Gunst der Käufer. 190 PS vermitteln in Verbindung mit 400 Newtonmeter Drehmoment eine gewisse fahrerische Gelassenheit.

(Foto: Florian Hückelheim)

Palma de MallorcaFangen wir doch einfach mal da an, wo die wenigstens Tester beginnen. Nein, nicht beim Kühlergrill, dessen Design Skodas Hoffnungsträger vom Superb geerbt hat. Auch nicht beim unerschöpflich wirkenden Stauraum oder dem angenehm neutral abgestimmten Fahrwerk. Starten wir in Sitzreihe Drei. Da sind wir ganz unter uns.

In diesen intimen Platzverhältnissen lässt sich das große Ganze viel besser betrachten. Denn erstmals überhaupt ist es erlaubt, viel mehr gewollt, dass hier Menschen mitfahren können ohne dabei gegen die Straßenverkehrsordnung zu verstoßen. Gut dreieinhalb Jahre haben die Tschechen an ihrem ersten Fullsize-SUV gefeilt. Herausgekommen ist ein 4,70 Meter langes und mindestens 1,5 Tonnen schweres Reisemobil für viel „wenn“ und mit wenig „aber“.

In der dritten Sitzreihe können durchaus zwei kurz geratene Erwachsene platznehmen, wenn es nötig ist. Aber sie sollten sich überlegen, wie lange sie es auf den viel kindertauglicheren Sitzen auszuhalten gedenken. Hier ist das Leder der Sitze genau so dick wie überall sonst im Wagen und ich sitze in den ersten Minuten sehr gut.

Schade, dass ich vergessen habe, die Rückbank in Reihe Zwei die vollen 18 Zentimeter nach vorne zu schieben. Rückenlehne und Kniescheibe sagen sich auf mallorquinischer Landstraße so regelmäßig Hallo.

Was am Skoda Kodiaq gefällt, und was nicht
Mächtige Front
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Der dreidimensionale Kühlergrill und die schmalen LED-Frontscheinwerfer samt nach unten ausgelagerten Nebelscheinwerferun und Abbiegelicht verleihen dem Kodiaq eine gewisse Rückspiegelpräsenz, die dem Wagen gut zu Gesicht steht.

LED-Heckleuchten serienmäßig
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Ohne das rote C geht bei Skoda-Rücklichtern nichts. Schärfer und schmaler ist die Leuchtsignatur derzeit nur im aktuellen Superb. Gefällig: Die Oberkante der Heckleuchten greift die Seitenlinie dezent auf und führt sie hinten um das Fahrzeug herum weiter.

Lava Blau am Mittelmeer
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Metallic-Lackierungen kosten 550 Euro Aufpreis. Je nach Ausstattungslinie kommt der Kodiaq mit 17 beziehungsweise 18 Zoll großen Alufelgen daher. 19-Zöller kosten in der höchsten Ausstattungslinie genau so viel wie die Metallic-Farben.

Warum nicht einfach mal anecken?
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Mechanisch schiebt sich beim Öffnen eine Hartgummi-Lippe über die Kante jeder Tür. Macken und Kratzer im eigenen oder fremden Lacken sollen so vermieden werden. Das dürfte vor allem Eltern freuen. Ab der zweithöchsten Ausstattungslinie Ambition ist die Funktion Serie.

Es werde Licht
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Kofferraumbeleuchtung und Taschenlampe in einem: Die kleine Leuchte wird in ihrer Halterung geladen und ist somit immer dann einsatzfähig, wenn man sie braucht.

Irgendwo hier muss der Motor sein...
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Würde man unter die vielen Plastikabdeckungen sehen, käme viel VW-Technik zum Vorschein. Der Modulare Querbaukasten des Konzerns macht es möglich. Alle Aggregate sind quereingebaute Reihen-Vierzylinder und kommen stets mit Turboaufladung, Direkteinspritzung, Start-Stopp und Bremsenergierückgewinnung.

Das ist mal eine Ansage
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Neben den Tasten für den Notruf-Assistenten und die Verbindung zur Werkstatt hält die Einheit im Dachhimmel noch eine weitere Funktion bereit: Per In-Car-Communication (ICC), wie Skoda das System nennt, zeichnet das Freisprech-Mikrofon die Sprache des Fahrers auf und überträgt sie über die Fond-Lautsprecher nach hinten. Ein Plädoyer für mehr Ruhe auf den hinteren Plätzen fällt so noch deutlicher aus.

Säße ich nicht hier, würde der Kodiaq 765 Liter Gepäck schlucken, nur 270 sind es mit sieben ausgeklappten Sitzen. Spart man sich 750 bis 890 Euro (je nach Ausstattungslinie) für die dritte Sitzreihe, so passt gefühlt der namensgebende Alaska-Braunbär in den Kofferraum des Kodiaq: Satte 2065 Liter und Gegenstände bis 2,8 Meter Länge finden dann Platz im hochbeinigen Tschechen.

Verkaufsmesslatte ist der Superb

Damit wird deutlich, dass der Neuling in Skodas Modellpalette zu Unrecht mit dem VW Tiguan oder dem Seat Ateca verglichen wird: Von den Genannten trennen ihn natürlich zwei Sitzplätze und mindestens 400 Liter Stauvolumen, die der Kodiaq mehr schafft. Ahnlich groß ist der Abstand zum sogar zehn Zentimeter längeren VW Touareg.

Und selbst ein Volvo XC90, der mit seiner Ausstattung und seinem Preis Klassen höher rangiert, unterliegt dem nutzwertigen Tschechen mit 200 Litern im Laderaum-Duell. Am nächsten im eigenen Haus kommt ihm dann noch der Superb Combi mit 1950 Litern maximalem Stauvolumen. Das zeigt, wie gewissenhaft man am Stammsitz in Mladá Boleslav mit der Markenphilosophie „Immer ein bisschen mehr Auto“ sein zu wollen, nimmt.

Stoffbezüge – mit unterschiedlichem Design je nach Linie – sind im großen Skoda-SUV Serie. Alternativ liefern die Tschechen ab der Linie Ambition Lederbezüge, eine Stoff-Leder-Kombination oder Alcantara. Für die vielfältigen Material- und Farbkombinationen produziert Skoda rund 3500 verschiedene Teile. Quelle: Florian Hückelheim
Vielfältige Materialwahl im Innenraum

Stoffbezüge – mit unterschiedlichem Design je nach Linie – sind im großen Skoda-SUV Serie. Alternativ liefern die Tschechen ab der Linie Ambition Lederbezüge, eine Stoff-Leder-Kombination oder Alcantara. Für die vielfältigen Material- und Farbkombinationen produziert Skoda rund 3500 verschiedene Teile.

(Foto: Florian Hückelheim)

Dass sich der Kodiaq mehr als nur ein bisschen im boomenden SUV-Segment behaupten soll, ist bei der Präsentation des Modells zu spüren. Die erste echte Neuentwicklung soll sich bezahlt machen, einen Ladenhüter kann und will man sich nicht leisten. Mit Zahlen sind die Markenvertreter noch sparsam unterwegs. „Wenn die Begeisterung unserer Kunden genau so groß ist wie die unserer Händler, werden wir noch viel Freude mit dem Wagen haben“, sagt Frank Jürgens, Sprecher der Geschäftsführung von Skoda Deutschland.

An anderer Stelle ist zu erfahren, dass die Verantwortlichen erwarten, dass sich der Kodiaq nicht schlechter als der bislang größte Wagen im Portfolio, der Superb, verkaufen soll. Demnach müssten es spätestens 2018 circa 110.000 Stück weltweit pro Jahr auf die Straße schaffen.

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