Skoda Octavia Kombi im Handelsblatt Autotest
Ein Tscheche, der Wort hält

Er ist ein Raumwunder, der Octavia Kombi. Und Skoda macht ihn vom biederen Lastesel zum stylishen Multitalent. Seine inneren Werte sind besser als je zuvor. Ganz ohne Schwächen ist die dritte Generation aber nicht.
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DüsseldorfWarum hat ein Skoda Heckscheibenheizung? Damit man beim Schieben keine kalten Finger bekommt! Vor 25 Jahren war das ein echter Schenkelklopfer, über den nur der Hersteller nicht lachen konnte. Heute, 22 Jahre nach der Übernahme des maroden tschechischen Staatsbetriebs durch Volkswagen, steht der Name zwar längst nicht mehr für anachronistisches Ostblockauto, das Witze wie diesen über sich ergehen lassen muss. Doch als Traumwagen geht der Tscheche auch nicht gerade durch. Eher schon wie beim österreichischen Kabarettisten Josef Hader als Auto für Sparfüchse und Langweiler.



Begeisterungsstürme entfacht die Vorstellung nicht in mir, mein Premium-SUV gegen den vermeintlich biederen Kompaktklasse-Lastesel zu tauschen. Aber können 1,3 Millionen Autokäufer irren? So oft hat Skoda den Octavia Kombi seit seiner Markteinführung im Mai 1998 verkauft. 2012 war er mit fast 125.000 Einheiten das meistverkaufte Importfahrzeug in Deutschland. Höchste Zeit also für die Überprüfung verbliebener Vorurteile.

Als der Skoda-Testwagen ankommt, ist es schon spät. Es muss mal wieder schnell gehen, der letzte Termin drängt. Also nur das Nötigste: Kurze Übergabe, Sitz und Lenkrad einstellen, Telefon mit der Freisprechanlage koppeln – und los geht‘s. Die Eingewöhnung kann entfallen. Klimaeinstellungen, Sitzheizung, Bedienelemente im Multifunktionslenkrad – alles sitzt da, wo man es erwartet.

Wenig Durst

Und es geht zügig: Das Auto ist mit einem 2,0-Liter-Diesel mit 150 PS aus dem VW-Motorenreich ausgestattet. Ist das für einen Kompaktklasse-Kombi nicht ein bisschen übertrieben? Kann sein – aber macht Spaß. Beim Anfahren an der Ampel. Auf der Autobahnauffahrt. Beim Überholen.

Auch bei Tempo 150 kann der Octavia, der von 0 auf 100 in 8,6 Sekunden sprintet und 215 km/h Spitze schafft, locker noch mal eine Schippe oben drauf packen. Der Blick auf das vorbildliche Multifunktionsdisplay zeigt: 5,8 Liter Durchschnittsverbrauch am Ende der zu 70 Prozent über die Autobahn führenden Fahrt – und das, obwohl ich es bei unserem ersten Rendezvous eiliger hatte, als es die Polizei erlaubt. Wunderbar, dieses Kennenlernen macht Lust auf mehr.

Beim zweiten Date habe ich mehr Zeit. Und was ich sehe gefällt: Das Design der dritten Generation beeindruckt durch scharfe, schnörkellose Linien, einige markante Ecken und klare Kanten – und setzt sich damit wohltuend ab von den allzu fließenden Rundungen des Vorgängermodells.

Auch die Innenausstattung des Autos, das seit Mai 2013 im Verkauf ist, hat deutlich an Wertigkeit gewonnen. Die Verarbeitung ist tadellos, die Zeiten billigster Kunststoffoptik und glänzenden Plastiks sind offenbar vorbei. Nur die Hebel für Blinker und Scheibenwischer scheinen beim Upgrade vergessen worden zu sein.

Einen sehr guten Eindruck hinterlässt „Columbus“, so heißt das ausgeklügelte Entertainment-Navigationssystem. Dank Digitalradio DAB+ lässt sich auch der Deutschlandfunk rauschfrei empfangen. Die interne Festplatte bietet 10 GB Speicher für etwa 3.000 Dateien. Und der 8-Zoll-Monitor zeigt eine hervorragende Kartenansicht, wahlweise in 2D- oder 3D-Optik.

Vorbildlich gelöst sind die Anschlussmöglichkeiten für externe Musikquellen. Nicht nur, dass USB- und Aux-Eingänge leicht erreichbar und doch dezent unterhalb des Systems in der Mittelkonsole platziert sind. Auch Musikstreaming via Bluetooth ist problemlos möglich.

Hinzu kommen mehrere Steckplätze für Speichermedien sowie ein DVD-Laufwerk – über das bei stehendem Fahrzeug auch Videos abgespielt werden können. Alles im Handschuhfach sauber verbaut und bestens zugänglich. Das Aufpreis pflichtige Canton-Soundsystem hingegen lässt mich etwas enttäuscht zurück: Der Klang ist blechern, es fehlt eindeutig an Bässen.

Kommentare zu " Skoda Octavia Kombi im Handelsblatt Autotest: Ein Tscheche, der Wort hält"

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  • Wirklich ein gutes Auto. Schade ist aber, dass uns das Handelsblatt ohne rot zu werden so einen schlampig getippten Artikel voller Tippfehler vorsetzt! Für sowas mag man (zukünftig) nichts zahlen. So wird das mit dem Online-Journalismus, für den man zahlen soll, nichts.

  • Ich fahr das Ding mit 1.4 Liter TSI Motor seit Juni, also eines der ersten. Kostete 16990,-- EUR als EU-Fahrzeug, mit Klima und gutem Radio. Dazu hab ich Alus und ne AHK beim freien Händler gekauft, also Gesamtpreis nach meinen Wünschen ca. EUR 17750,--. Beim Verkauf in 4 Jahren hab ich nen Wertverlust von ca. 30%. So wars auch bei meinen bisherigen Octavias. Das ist m.E. simply clever ;-) geht aber nur, solange noch der typische Firmenwagenkunde nen Passat Kombi für 40 TEUR kauft und mich quer subventioniert :-) unterm Strich aber fast das gleiche Auto fährt.

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