Skoda Rapid im Handelsblatt-Autotest
Riesige Klappe, viel dahinter

Skoda – das steht für Pragmatismus, nicht unbedingt für Emotion. Doch der Skoda Rapid beweist, dass neuere und größere Autos nicht auch teurer sein müssen. Und dass der bessere „Volks-Wagen“ aus Tschechien kommt.
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Wer einen Skoda kauft, will vor allem eines: viel Auto für wenig Geld. Diesen Gedanken hat bisher der Octavia am eindrucksvollsten umgesetzt: Auf der technischen Basis des Golfs bauten die Tschechen eine ausgewachsene Kompakt-Limousine samt dazugehörigem Kombi. Mit Erfolg: Der Octavia ist das meistverkaufte Modell von Skoda.

Doch die neueste Generation des Octavia ähnelt mit einer Länge von 4,66 Metern mehr einem Mittelklasse- denn einem Kompaktwagen. Der Modulare Querbaukasten, kurz MQB, von Volkswagen macht dieses Wachstum möglich. Eine Lücke zwischen dem kleinen Fabia und dem immer größer gewordenen Octavia gibt es aber nicht: Seit Oktober 2012 steht der Rapid bei den Skoda-Händlern. 

Mit 4,48 Metern hält der Neue den Respektsabstand zu dem Skoda-Bestseller, überragt aber zum Beispiel einen Golf um 13 Zentimeter. Diese zusätzliche Länge im Vergleich zu einem klassischen Kompaktauto bringt der Fließheck-Limousine Nutzwert satt: 550 Liter fasst der Kofferraum hinter der riesigen Klappe - mehr als ein Audi A8. Auch auf der Rückbank erinnern die Platzverhältnisse mehr an eine große Limousine als an die Kompaktklasse.

Mit umgeklappten Rücksitzlehnen passen sogar fast 1.500 Liter in den Rapid. Während bei einem deutschen Premium-Auto jetzt ein teures Gepäck-Management-System mit Schienen, Verzurrösen und Gurten (die in der Praxis kaum jemand benutzt) in der Aufpreisliste steht, hat der Rapid eine ganz simple und kostengünstige Lösung: Dank der vielen Netze fliegen kleinere Taschen nicht in jeder Kurve durch den Kofferraum. 

Die Kehrseite der Medaille ist die Übersichtlichkeit. Wegen der langen und flachen Heckscheibe verkommt die Sicht nach hinten zu einer schmalen Scharte, das Ende des Autos ist nur zu erahnen. Parksensoren im Heck sind erst in der Top-Ausstattung „Elegance“ serienmäßig an Bord, in den beiden günstigeren Varianten sind die Sensoren nur in teuren Paketen erhältlich.

Beim Rapid ist der Name kein Programm. So flott wie es die Modellbezeichnung suggeriert, wird es wohl mit keinem der verfügbaren Motoren. Wir sind den einzig verfügbaren Dieselmotor gefahren. Der 1,6-Liter-Selbstzünder leistet maximal 105 PS, den Verbrauch gibt Skoda mit 4,4 Litern an. Damit kommt der Rapid gut voran, übermotorisiert ist er aber in keinem Fall.

Leider gibt es für den Diesel nur eine Fünfgang-Handschaltung. Wegen der längeren Übersetzung der einzelnen Gänge fehlt es deshalb ein bisschen an Durchzug. Viele Diesel dieser Leistungsklasse mit sechs Gängen können im Stadtverkehr gemütlich im vierten Gang mit 50 km/h mitrollen. Der Rapid kann das auch - gerade so. Wird man auch nur ein kleines bisschen langsamer, fängt der Diesel an zu ruckeln.

Dafür ist aber der Verbrauch angenehm niedrig. Bei einer Testfahrt über französische Autobahnen gönnte sich der Diesel im Schnitt 5,0 Liter Kraftstoff. Für deutsche Autobahnen ist der Verbrauch wegen der Geschwindigkeitsbegrenzung und der sehr gleichmäßigen Fahrweise aber nicht direkt übertragbar. Viel höher wird er aber kaum ausfallen: Im Stadtverkehr und auf bergigen Landstraßen war es nur ein Liter mehr.

Auf den schmalen Straßen zwischen südfranzösischen Bergdörfern kommen dann in diesem pragmatischen Auto sogar Emotionen auf. Das Fahrwerk ist relativ straff, die Lenkung ist angenehm leichtgängig. So wieselt der gerade einmal 1,1 Tonnen schwere Rapid dann flott um die engen Kurven. 

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Pragmatisch ist auch die Aufpreisliste

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