Skoda Superb Combi im Handelsblatt-Test
Eine Kombi voller guter Ideen

Im Detail, da steckt ja der Teufel. Aber da wohnt auch die Liebe. Wie der Skoda Superb gerade als Combi beweist. Beim Raumangebot und Ideenreichtum dieser Mittelklasse können sich Premiummarken noch was abgucken.

DüsseldorfViel Platz zu fairen Preisen, das kann Skoda. Und damit macht die tschechische VW-Konzerntochter es den Produkten des Wolfsburger Stammhauses seit Jahren immer schwerer, denn Skoda ist schon lange kein Geheimtipp mehr, keine billiges Ostblock-Schnäppchen. Der Octavia als Golf-Gegenspieler und der neue Superb als Herausforderer des Passat, das sind Duelle, die vor allem bei den Kombis mit harten Bandagen ausgetragen werden. Denn das sind die meistverkauften Modelle, da geht es auch um den immer wichtiger werdenden Firmenfahrzeug-Flottenmarkt.

Aber muss man Kombi-Fahrer oder Skoda-Fan sein, um den neuen Superb so zu finden, wie sein Name es verspricht? Nein, die dritte Generation des nutzwertigen Lademeisters werden auch alle gut finden, die einen leichten Aufräumfimmel haben, Sauberkeit und Ordnung lieben.

Die klassische Messgröße für den Kombi ist der Stauraum, und da fährt unser Superb-Testwagen in diesem Segment rekordverdächtige 1.950 Liter vor, 660 sind es in Normalstellung der Sitze. Man möchte ein „Hallo?“ in den Laderaum schmettern, und als spätes Echo käme als „Kauf mich!“ zurück. Die weit nach oben schwingende Heckklappe des Combi öffnet nun allen, die einen Fuß unter der Heckstoßstange schwenken, und natürlich den Aufpreis gezahlt haben.

Sie blicken in einen Schlund auf Niveau des Mercedes E-Klasse-T-Modells. Passat, Mondeo und Insignia überbietet der Tscheche. Zwei Details stören aber: Die Ladefläche wird nicht ganz eben, und ich finde keinen geplanten Stauraum für ihre Abdeckung. Und lerne beim Blick in die Aufpreisliste: Für 220 Euro mehr wäre beides dank eines variablen Ladebodens kein Problem mehr.

Überhaupt, die Extras und ihre Aufpreise, das ist das große Thema bei diesem Skoda, der unglaublichen Detailreichtum bietet: Wir hatten noch keinen Testwagen, der mit mehr Zurrhaken und -ösen, mehreren variable Gepäcknetzen und mehr zusätzlichen Staufächern aufwarten konnte, als dieser Superb. Wenn in diesem Kofferraum nach dem Wochenendeinkauf noch etwas herumpoltert, dann muss der Fahrer ordnungsverweigernder Messie sein.

Zusätzlich zur sicheren und komfortablen Ambiente-Beleuchtung jeder noch so kleinen Ecke legt Skoda eine LED-Taschenlampe in den Kofferraum. Natürlich lädt sie automatisch in ihrer Halterung. Den Regenschirm in der Tür und den Eiskratzer mit Lupenfunktion in der Tankklappe kennt man ja schon, natürlich sind sie als „simply clever“-Basics in Generation Drei wieder mit an Bord. Ebenso wie zahlreiche Stromanschlüsse und eine Durchreiche in der 60:40 geteilten Rücksitzlehne, die getrennt abklappbar ist.

Unter dem Ladeboden, den ich mit integriertem Haken und Gummizug an der Heckklappe fixiere, liegen statt des früher üblichen Ersatzrades weitere riesige Staufächer. Und an den Seiten der Ladefläche, direkt vor den schmal gehaltenen Radhäusern, gibt es praktische Klappwinkel mit Klett. Mit denen klemme ich ungleichmäßiges Sperrgut ein. Das reinste Kinderspiel, auch mit nur einer freien Hand völlig problemlos.

Rollen wir den Superb weiter von hinten auf und kommen zur Rücksitzbank. Wer hier Platz nimmt, fühlt sich ein bisschen wie in einer S-Klasse, nur mit billigerem Leder. Die Beinfreiheit ist gewaltig, selbst wenn ein großgewachsener Fahrer seinen Sitz weit nach hinten schiebt. Im A6 Avant und im 5er Touring habe ich nicht schlechter gesessen, aber da hatte ich das vorausgesetzt. Im Skoda ist es immer noch eine gelungene Überraschung, dass man die Beine übereinanderschlagen kann.

Nachdem ich mich zurecht geräkelt habe, klappe ich die Mittelarmlehne aus schwarzem Kunstleder runter und öffne ihr Frontfach. Hier liegt, ebenso wie im Handschuhfach, ein grüner Kugelschreiber. Natürlich rappelt und klappert er nicht einfach herum, hier waren Ingenieure am Werk, und sie haben zwei zierliche Greifarme eingebaut. Man muss kein Journalist sein, um diesen liebevollen Umgang mit dem Schreibwerkzeug ein bisschen zu bewundern. Haben die wirklich an jedes kleine Detail gedacht?

Bleiben wir zur Überprüfung der Frage noch auf dem Rücksitz. Im dunklen Fond, dem ein Glasdach aus der umfangreichen Aufpreisliste sicher gut getan hätte, fällt der Blick auf eine Kunststoffhalterung an der Kopfstütze des Beifahrersitzes. Hier klemme ich mein Smartphone ein und freue mich über den angenehmen Widerstand des Kugelgelenks, das mein Telefon im richtigen Winkel hält.

Später, nach dem Download verschiedener Skoda-Apps, was dank WLAN im Auto kein Problem ist, tausche ich Smartphone gegen Tablet. Die erweiterbare Halterung hält auch das gut fest, sie wandert nun aus der Kopfstützrückseite in die Armlehne der Rückbank, rastet satt in eine Halterung ein.

Dank Mirror Link, Android Auto und all dem anderen modernen Kram halte ich mich nun in einer Art Überraschungsei auf Rädern auf. Gebastelt habe ich schon mit der Halterung und den Geräten, jetzt könnte ich den Fahrer damit überraschen, dass ich von hinten aus drahtlos in Navigation und Musikauswahl eingreife, Verkehrsmeldungen lese, Ausweichrouten prüfe.

Für Eltern formuliert: Denken Sie angesichts der selbstbewussten Aufpreisliste direkt an die nächste Urlaubsfahrt. Sie wollen ja nicht mehr erleben, dass die Bratzen vor lauter Langeweile von hinten mit Chips werfen. Falls doch mal Unruhe entsteht: Gekühlte Erfrischungsgetränke gibt es nicht nur aus dem Handschuhfach, auch die tiefe Ablage unter der Fahrer-Armlehne ist klimatisiert.

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