Smart Fortwo Cabrio im Test
Seitensprung nicht ausgeschlossen

Es hätte eine Sommerliebe werden können, der Flirt mit dem neuen, offenen Smart Fortwo. Doch es sollte nicht sein. Wie eine Kurzzeitbeziehung durch schlechte Vibrationen von unten zerstört wurde.

DüsseldorfEs war Liebe auf den ersten Blick: Die Metallic-Lackierung des kleinen, knuffigen Testwagens mit dem schwarzen Stoff-Klappdach zog mich ebenso in ihren Bann wie die meisten Passanten. Dieses Smart Fortwo Cabrio musste man einfach anstarren. Der dank seiner nur zwei Meter siebzig Länge extrem breit wirkende Wagen sieht von der Seite aus wie ein goldiger Kinderturnschuh. Und in die modern-wertige Ausstattung des „Prime“-Modells haben sich auch sofort alle Mitfahrer und Kollegen verguckt. Beste Voraussetzungen also für eine Sommerliebe.

Doch es soll nicht sein. Erste Erschütterungen muss die junge Beziehung bereits verkraften, als sich der Zündschlüssel im Schloss dreht. Das kalte Aggregat mit nur 0,9 Liter Hubraum und Turbo-Zwangsbeatmung erwacht rüttelnd und ruckelnd im Heck, man glaubt kurzzeitig auf einem Traktor zu sitzen. Schlechte Vibrationen, die da aus dem Heck kommen, wobei sich die klassische Unterteilung in Vorne-Mitte-Hinten beim Smart fast verbietet, hier ist alles eins.

Nach den Sitz-erschütternden ersten Kilometern und auf Betriebstemperatur gebracht, scheint der erste Beziehungsstress überwunden. Neben dem fitten Aussehen faszinieren die Charaktereigenschaften der neuen Bekanntschaft: Die City ist die ideale Spielwiese, um sich intensiver abzutasten.

Und der Smart-Testwagen macht beim Anfassen Spaß: Vor allem das schwarze, mit grobem Wabenmuster-Stoff belegte, Armaturenbrett wirkt sehr wertig, ein toller Kontrast zu dem tristen hellgrauen Kunststoff, der den Kleinstwagen innen pflegeleicht macht. Das Gestühl ist mit fein aussehendem (Kunst-)Leder bezogen und viel weiter zu verstellen, als erwartet.

Das gilt auch für das griffige Lenkrad, das viele sinnvoll gruppierte Bedienknöpfe zeigt. Überhaupt ist der Kleine ausgestattet wie ein Großer: Sprachsteuerung, Tempomat, Spurverlassenswarner, Abstandswarner, Sitzheizung, superschnelle Smartphone-Anbindung und einwandfreie Navigation über einen modernen, großen Touchscreen sind an Bord. Mit allen Extras kostet ein Smart Cabrio mit Proxy-Ausstattung aber auch etwas mehr als 20.000 Euro.

Richtig sexy und ein bisschen spektakulär wird es weiter oben: Das Stoffdach lässt sich per Drei-Tasten-Fahrzeugschlüssel sogar schon von außen öffnen, es fährt in zwölf Sekunden zurück. In zwei Etappen funktioniert die Befreiung von der sommerlichen Textilie: Erst öffnet die gerade Dachfläche, kurze Erregungspause, nach erneutem Tastendruck klappt dann der Heckteil mit der heizbaren Glas-Heckscheibe herunter.

Allerdings nicht weit genug, um vom Fahrersitz aus den rückwärtigen Verkehr sehen zu können. Der Blick nach hinten bleibt am schwarzen Wulst aus Polyester und Baumwolle hängen. Das wirkt so ernüchternd, als sähe man(n) nach dem ersten Striptease der neuen Gefährtin zum ersten mal ihren Feinrippschlüpfer. Die Rückfahrkamera ist also obligatorisch, sie liefert aber auch scharfe Bilder mit gut erkennbaren Fahrlinien.

Wen jetzt beim Cabrio-Feeling noch die beiden seitlichen Dachholme stören, der muss kurz anhalten und Hand anlegen: Die grauen Streben lassen sich in Sekundenschnelle ausbauen und in perfekt geformten Ablagen in der winzigen Kofferraumklappe verstauen. Das ist im Detail genau so überzeugend gelungen wie die Geräuschdämmung des 1,8-Quadratmeter-Dachs: Premium in kleinsten Abmessungen.

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Eine Nummer zu klein

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