Subaru Outback im Handelsblatt Autotest
Bodenständig mit Beschützerinstinkt

Seit 20 Jahren ist er ein Riese in der Nische. Der Subaru Outback kombiniert robuste Offroad-Technik mit familienfreundlicher Zuladung. Und Generation 5 schützt nun auch Smartphone-Idioten mit Kopfhörern vor sich selbst.
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DüsseldorfZuerst muss ich mich mal gründlich umschauen. Das soll ein Subaru sein? Triste Hartplastiklandschaft hatte ich erwartet, und bin positiv überrascht vom neuen Outback. Schöne dunkle Stoffe, Alu-Optik- und ein paar Chrom-Applikationen, sogar schwarzes Leder. Natürlich gibt es reichlich geprägte Kunststoffe, aber sie sind mit unterschäumten Softtouch-Oberflächen so schön geprägt wie die Bauchseite eines Dinosaurierbabys.

Schon beim Einstieg in die fünfte Generation gewinnt der Eindruck, dass die vor allem bei Jägern und Förstern beliebte Allradmarke ihr Image kräftig in Richtung Lifestyle aufwertet. So karg wie die namensspendende australische Ödnis ist hier gar nichts. Leichte Abwaschbarkeit mit Dampfstrahl, das war gestern, heute ist Lederpflege angesagt. Darf man hier überhaupt mit matschigen Stiefeln rein?

Und dann dieses Platzangebot: Alles wirkt großzügig, der Blick über die Schulter zeigt, auf die Rückbank passen wirklich drei Erwachsene. Keine Frage: Der Outback gehört, mit mittlerweile 4,81 Meter Länge, zu den ganz Großen seines Segments. Das zeigt sich auch bei der Zuladung, die Freizeitsportler und Familien gleichermaßen gefallen wird: Mindestens 559 und maximal 1.848 Liter Stauvolumen reichen auch für größere Einkaufstouren. Wem das nicht genügt, der darf noch bis zu 2.000 Kilo Anhängelast an den Haken nehmen.

Heute nennt man sie im Marketing-Denglisch ja gerne Crossover, diese Fahrzeuge, die klassische Segmentgrenzen sprengen. Subaru gehört zu den Miterfindern dieser Grenzgänger, die Marke zeigte schon 1995 ihren ersten Offroad-Kombi.

Ausgerechnet in der Heimat der SUV, in den USA, brachte die Tochter des japanischen Fuji Heavy Industries Konzerns ihren ersten voll geländetauglichen Kombi auf den Markt. Ein SUW, sprich Sports Utility Wagon, das zu Beginn seiner Karriere noch Legacy Outback hieß.

Und weil er erfolgreich in der Nische war, haben ihn mittlerweile viele kopiert, den SUW. Er tritt gegen Allrad-Kombi mit soften Geländefähigkeiten an, die Alltrack, Allroad, X-Perience, Cross Country oder Scout heißen. Was hat der Outback ihnen voraus? Dass er auch in Generation fünf nichts von seinem schrägen Charme eingebüßt hat, der auf einer Kombination typischer, teils einzigartiger Subaru-Stärken fußt.

Boxermotoren und Allradantrieb bauen zwar auch andere, aber außer Porsche kombiniert sie nur Subaru miteinander. Und in Zuffenhausen baut man keine Diesel-Boxer, das macht tatsächlich nur der größte Allrad-PKW-Hersteller der Welt. Mit solcherlei Exotik hat es in den vergangenen 35 Jahren am deutschen Markt nur zu einer Statistenrolle gereicht, denn mehr als 6.200 Exemplare pro Jahr bringt Subaru hierzulande kaum an den Mann. Das entspricht aktuell einem Marktanteil von 0,2 Prozent.

Freundlich ausgedrückt, werden Autofahrer angesprochen, die etwas Besonderes haben möchten. Man feiert es schon als großen Erfolg, wenn ein Modell mal in der Produktion die Millionengrenze überschreitet. Doch auch Statisten können eine Fan-Gemeinde haben, das zeigte sich beispielsweise 2007, als die drei (damaligen) Top-Gear-Moderatoren Clarkson, May und Hammond in seltener Einigkeit den Outback zum Auto des Jahres kürten (gemeinsam mit dem Ford Mondeo).

Was dem allerneuesten Outback zur Ehre gereicht nennt sich Eyesight, und kann Insassen wie Fußgängern sprichwörtlich den Arsch retten. Das vom Hersteller selbst entwickelte Fahrer-Assistenzsystem besteht aus zwei Kameras rechts und links vom Rückspiegel, sieht fast alles, und hält sich doch meist zurück.

Ist aber Gefahr in Verzug, kann es blitzschnell warnen, aufmerksam machen, abgestuft oder vollständig herunterbremsen. Zum Beispiel, wenn mir mal wieder ein Fußgänger (wahlweise Radfahrer) mit Kopfhörern auf den Ohren und sein Handydisplay fest im Blick gefährlich nah und unaufmerksam vor den Kühlergrill kommt.

Eyesight erkennt und unterscheidet nämlich Radfahrer, Fahrzeuge und Passanten, kommuniziert und koordiniert dann andere Sicherheitssysteme etwa den Spurhalteassistent, die Abstandsregelung oder den Notbremsassistenten.

Die zwei Kamera-„Augen“ links und rechts am Innenspiegel können 110 Meter weit „schauen“, mit weitem Blickwinkel. Das System greift auch ein, wenn es Müdigkeit beim Fahrer erkennt (bei Schlangenlinienfahrt) und weist den Fahrer noch einmal extra darauf hin, wenn sich das vorausfahrende Fahrzeug nach dem Ampelstopp wieder bewegt – bevor der Hintermann im Zweifelsfall hupt. Zudem erkennt Eyesight automatisch wenn ein Anhänger gezogen wird und richtet seine Parameter darauf aus. Nachteil: Ein Toter-Winkel-Warner ist im Outback nicht an Bord.

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